Lombardsatz

Was ist Lombardsatz?

Der Lombardsatz ist der Zinssatz, zu dem Geschäftsbanken von der Zentralbank kurzfristige Kredite gegen hochwertige Sicherheiten, sogenannte Lombardkredite, erhalten können. Er gehört zu den geldpolitischen Instrumenten einer Zentralbank und dient in erster Linie der Steuerung der Geldmenge und der kurzfristigen Liquidität im Bankensystem. Durch den Lombardsatz können Zentralbanken auf akute Liquiditätsengpässe im Bankensystem reagieren und gleichzeitig Einfluss auf die allgemeinen Zinssätze am Geld- und Kapitalmarkt nehmen.

Funktionsweise des Lombardsatzes

Geschäftsbanken, die kurzfristig zusätzliche Mittel benötigen, können bei der Zentralbank Kredite aufnehmen. Diese Kredite werden durch hochwertige Wertpapiere oder andere zugelassene Sicherheiten gedeckt, weshalb sie als Lombardkredite bezeichnet werden. Der Zinssatz, den die Zentralbank für diese Kredite erhebt, ist der Lombardsatz. Er liegt in der Regel über dem Hauptrefinanzierungssatz, um nur in dringenden Fällen genutzt zu werden, und signalisiert somit den Banken die Kosten für kurzfristige Liquidität.

Beispiel: Eine Geschäftsbank benötigt kurzfristig zusätzliche Liquidität, um ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Sie hinterlegt Bundesanleihen als Sicherheiten bei der Zentralbank und erhält dafür einen Kredit zu dem vereinbarten Lombardsatz von aktuell 4%. Sobald die Liquiditätssituation sich entspannt, wird der Kredit zurückgeführt.

Bedeutung für Geldpolitik und Märkte

Der Lombardsatz ist ein Instrument der Zentralbank zur Steuerung der kurzfristigen Geldmarktliquidität. Ein höherer Lombardsatz verteuert die kurzfristige Kreditaufnahme für Banken und wirkt restriktiv auf die Geldversorgung. Ein niedriger Lombardsatz hingegen erleichtert die Liquiditätsbeschaffung und kann expansiv auf die Geldmenge wirken. Durch Anpassungen des Lombardsatzes beeinflusst die Zentralbank indirekt auch die Zinssätze für Kredite an Unternehmen und private Haushalte.

Vorteile des Lombardsatzes

  • Flexible Liquiditätssteuerung: Zentralbanken können kurzfristig auf Liquiditätsengpässe reagieren.
  • Signalwirkung: Der Lombardsatz gibt den Banken Hinweise auf die Geldpolitik der Zentralbank.
  • Sicherheitenbasiert: Kredite sind durch hochwertige Vermögenswerte gedeckt, wodurch das Risiko für die Zentralbank gering bleibt.
  • Geldpolitisches Steuerungsinstrument: Beeinflussung der Zinssätze am Geld- und Kapitalmarkt.

Nachteile und Risiken

  • Kostenintensiv: Kredite zu Lombardsatz sind oft teurer als andere Refinanzierungsquellen, was Banken nur in dringenden Fällen nutzen.
  • Begrenzte Wirkung: In einem stark gespannten Finanzmarkt kann der Lombardsatz alleine nicht alle Liquiditätsengpässe lösen.
  • Abhängigkeit von Sicherheiten: Nur Banken mit ausreichenden hochwertigen Sicherheiten können Lombardkredite aufnehmen.

Strategische Anwendung

Geschäftsbanken nutzen den Lombardsatz in der Praxis zur kurzfristigen Liquiditätssteuerung. Zentralbanken setzen den Lombardsatz gezielt ein, um den Geldmarkt zu stabilisieren, die Zinspolitik zu steuern und auf konjunkturelle Entwicklungen zu reagieren. In Kombination mit anderen geldpolitischen Instrumenten wie dem Hauptrefinanzierungssatz und dem Einlagensatz wird der Lombardsatz zu einem wichtigen Werkzeug der Zentralbank zur Steuerung der kurzfristigen Zinsen und der Finanzmarktstabilität.

boerse.de-Schlussfolgerung

Der Lombardsatz ist der Zinssatz, zu dem Geschäftsbanken kurzfristige Kredite bei der Zentralbank gegen hochwertige Sicherheiten aufnehmen können. Er dient der Steuerung der Geldmarktliquidität, beeinflusst indirekt die Zinssätze für Kredite an Unternehmen und Haushalte und ist ein zentrales Instrument der Geldpolitik. Durch seine flexible Anwendung ermöglicht der Lombardsatz sowohl kurzfristige Liquiditätssteuerung als auch signifikante geldpolitische Signalwirkung, bleibt jedoch nur für Banken mit ausreichenden Sicherheiten nutzbar.



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