Offenes Interesse

Was ist offenes Interesse?

Der Begriff offenes Interesse, auch als Open Interest bezeichnet, beschreibt die Gesamtzahl der noch nicht geschlossenen oder ausgeglichenen Positionen in Futures oder Optionen auf einem bestimmten Markt. Anders gesagt: Es handelt sich um die Summe aller offenen Kontrakte, die von Marktteilnehmern gehalten werden, aber noch nicht durch einen Gegenhandel oder eine Ausübung geschlossen wurden. Das offene Interesse ist ein wichtiger Indikator für die Marktaktivität und Liquidität von Derivaten.

Hintergrund und Bedeutung

Das offene Interesse spielt insbesondere im Futures- und Optionshandel eine zentrale Rolle. Während der Handelsvolumen-Indikator zeigt, wie viele Kontrakte innerhalb eines Tages gehandelt wurden, zeigt das offene Interesse, wie viele Positionen langfristig bestehen bleiben. Ein steigendes offenes Interesse kann auf eine Zunahme des Kapitaleinsatzes und der Marktteilnahme hinweisen, während ein fallendes offenes Interesse darauf hindeutet, dass Positionen geschlossen oder glattgestellt werden.

Berechnung des offenen Interesses

Die Berechnung des offenen Interesses erfolgt wie folgt:

  • Jede neu eröffnete Position, die weder durch eine Gegenposition noch durch Ausübung ausgeglichen wird, erhöht das offene Interesse um die Anzahl der Kontrakte.
  • Wenn eine Position glattgestellt wird oder ein Kontrakt ausgeübt wird, verringert sich das offene Interesse entsprechend.

Beispiel: Ein Händler eröffnet 10 Futures-Kontrakte auf einen Rohstoff, das offene Interesse steigt um 10. Wenn ein anderer Händler diese 10 Kontrakte ausgleicht, bleibt das offene Interesse gleich. Wenn jedoch ein Händler seine Position schließt, verringert sich das offene Interesse.

Bedeutung für Anleger und Trader

Das offene Interesse liefert wichtige Informationen über die Marktstimmung und das Potenzial für zukünftige Kursbewegungen:

  • Marktstärke: Ein steigendes offenes Interesse bei steigenden Kursen kann auf eine bullische Stimmung hinweisen, während ein Anstieg bei fallenden Kursen auf Bärenmarkt-Stimmung deutet.
  • Liquidität: Ein hoher Open Interest-Indikator signalisiert einen liquiden Markt, in dem Positionen leichter ein- und ausgestiegen werden können.
  • Trends: Zusammen mit Volumen- und Kursdaten kann das offene Interesse helfen, Trendbestätigungen oder mögliche Trendwenden zu erkennen.

Beispiele aus der Praxis

Im Rohstoffhandel, etwa bei Öl-Futures, zeigt das offene Interesse die Gesamtzahl der noch offenen Kontrakte für Brent- oder WTI-Rohöl. Wenn das offene Interesse bei steigenden Ölpreisen zunimmt, deutet dies auf neue Käufe und wachsende Nachfrage hin. Bei Optionen auf Aktien wie der Allianz-Aktie können Trader anhand des offenen Interesses erkennen, welche Strike-Preise besonders gehandelt werden und wo sich das Marktinteresse konzentriert.

Chancen und Risiken

Chancen:

  • Erkenntnisse über Marktstimmung und potenzielle Trends
  • Hilfreich für Timing von Ein- und Ausstiegen
  • Signalisiert Marktliquidität und Handelsaktivität

Risiken:

  • Offenes Interesse alleine liefert keine Richtungsvorgabe – es muss in Kombination mit Volumen und Kursen interpretiert werden
  • Bei dünnen Märkten können geringe Änderungen stark schwanken
  • Fehlinterpretation kann zu falschen Handelsentscheidungen führen

boerse.de-Schlussfolgerung

Das offene Interesse ist ein wichtiger Indikator im Futures- und Optionshandel, der die Marktaktivität, Liquidität und potenzielle Trendstärke abbildet. Zusammen mit Volumen- und Kursinformationen hilft es Anlegern und Tradern, Markttrends besser zu analysieren und fundierte Entscheidungen zu treffen. Wer das offene Interesse versteht und korrekt interpretiert, kann seine Handelsstrategien präziser auf die Marktgegebenheiten abstimmen.



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