Seigniorage

Was ist Seigniorage?

Seigniorage bezeichnet den Gewinn, den eine Zentralbank oder ein Staat durch die Ausgabe von Geld erzielt. Genauer gesagt handelt es sich um die Differenz zwischen dem Nennwert des ausgegebenen Geldes und den Kosten seiner Herstellung. Dieser Begriff stammt ursprünglich aus dem Französischen und bedeutet wörtlich „Münzprägegewinn“. Seigniorage ist ein wichtiges Instrument der Geldpolitik und kann sowohl direkte Einnahmen für den Staat erzeugen als auch indirekte Auswirkungen auf Inflation und Wirtschaftsentwicklung haben.

Wie entsteht Seigniorage?

Die Seigniorage entsteht immer dann, wenn Geld in Umlauf gebracht wird – sei es als Bargeld oder als Buchgeld. Beispiel: Die Herstellung einer 10-Euro-Banknote kostet die Zentralbank lediglich wenige Cent. Wenn diese Banknote in Umlauf gebracht wird, hat die Bank einen Gewinn von nahezu dem gesamten Nennwert abzüglich der Produktionskosten. Ähnlich verhält es sich bei Münzen: Die Prägung einer 2-Euro-Münze kostet weniger als 1 Euro, wodurch ebenfalls ein Gewinn entsteht.

Seigniorage in der Geldpolitik

Seigniorage spielt eine zentrale Rolle für die Geldpolitik. Durch die Ausgabe von Geld kann eine Zentralbank die Geldmenge steuern und indirekt die Inflation beeinflussen. Ein moderates Maß an Seigniorage gilt als unproblematisch, da es den Staatseinnahmen zugutekommt, ohne dass die Wirtschaft übermäßig belastet wird. Übermäßige Geldschöpfung kann jedoch Inflation oder sogar Hyperinflation auslösen, wie historische Beispiele aus der Weimarer Republik oder Zimbabwe zeigen.

Die Zentralbank kann Seigniorage nicht nur durch Bargeld, sondern auch durch die Ausgabe von Buchgeld (Giralgeld) realisieren. Wenn die Bank Kredite vergibt und dafür Geld schafft, entsteht ebenfalls ein Gewinn, der der Zentralbank zugutekommt. Auf diese Weise ist Seigniorage eng mit den Mechanismen moderner Geldpolitik verbunden.

Beispiele und Praxisbezug

Ein praktisches Beispiel: Die Europäische Zentralbank (EZB) gibt Euro-Banknoten heraus. Die Herstellungskosten liegen im Cent-Bereich, der Nennwert aber bei 5, 10, 20 oder mehr Euro. Die Differenz zwischen Nennwert und Herstellungskosten stellt die Seigniorage dar, die in den Haushalt der EZB bzw. ihrer Mitgliedsstaaten fließt. 

Auch Staaten nutzen Seigniorage, um kurzfristige Finanzierungslücken zu schließen, indem sie Geldmittel für öffentliche Ausgaben bereitstellen, ohne direkt Steuern zu erheben oder Kredite aufzunehmen. Diese Praxis ist besonders in Krisenzeiten interessant, birgt jedoch das Risiko steigender Inflation, wenn zu viel Geld geschaffen wird.

Ein weiteres Beispiel für indirekte Seigniorage ist die Verwendung von Staatsanleihen. Wenn die Zentralbank Anleihen kauft und damit Geld schöpft, generiert der Staat ebenfalls Einnahmen, ohne sofort Steuern erhöhen zu müssen.

Vorteile und Risiken der Seigniorage

Vorteile:

  • Staatliche Einnahmequelle ohne direkte Steuererhöhung.
  • Unterstützt Geldpolitik und Stabilisierung der Wirtschaft.
  • Einfacher Weg, kurzfristige Haushaltsdefizite zu finanzieren.

Risiken:

  • Übermäßige Geldschöpfung kann Inflation oder Hyperinflation auslösen.
  • Vertrauensverlust in die Währung, wenn Seigniorage zu stark eingesetzt wird.
  • Indirekte Belastung der Bevölkerung durch steigende Preise.

Seigniorage und moderne Finanzmärkte

Seigniorage ist nicht nur für Staaten relevant, sondern hat auch Auswirkungen auf Kapitalmärkte und Währungen. Anleger sollten die Inflationsentwicklung und geldpolitische Entscheidungen der Zentralbanken im Auge behalten, da diese direkt mit der Seigniorage zusammenhängen. Produkte wie inflationsindexierte Anleihen oder Währungsfonds können dabei helfen, die Effekte von Inflation und Geldschöpfung abzufedern. Ein Beispiel für einen Marktteilnehmer, der von stabilen Geldpolitiken profitiert, wäre die Allianz-Aktie, da Versicherungen und Finanzdienstleister stark von stabilen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen abhängig sind.

boerse.de-Schlussfolgerung

Die Seigniorage ist ein fundamentaler Begriff der Geldwirtschaft, der die Gewinne aus der Geldschöpfung beschreibt. Sie liefert Einnahmen für Staaten und Zentralbanken, beeinflusst die Inflation und spielt eine Schlüsselrolle in der Geldpolitik. Für Anleger ist das Verständnis der Seigniorage wichtig, um wirtschaftliche Entwicklungen, Inflationsrisiken und geldpolitische Entscheidungen richtig einzuordnen. Ein bewusster Umgang mit diesem Instrument kann sowohl Chancen als auch Risiken für die gesamte Wirtschaft bergen.



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