Der Gorbatschow-Putsch im August 1991

Bereits am Mittag des 19. August hatte Jelzin das russische Volk zum Generalstreik aufgerufen. Vor zehntausenden Demonstranten, die sich vor dem Parlament versammelt hatten, kletterte er auf einen Panzer und fordert die Rückkehr Gorbatschows. Gleichzeitig bat er die Soldaten: "Werdet nicht zur blinden Waffe des verbrecherischen Willens von Abenteurern!" Überall formierte sich daraufhin der Widerstand gegen die Putschisten, dem immer mehr Organisationen und Gruppierungen beitraten. Am Abend des 19. August erklärten alle Republiken der ehemaligen Sowjetunion den Putsch für illegal. Am nächsten Tag übernahm Jelzin per Erlass den Oberbefehl über die in Rußland befindlichen Streitkräfte.

Börsen erholen sich nach guten Nachrichten
Die Börse konnte sich durch die guten Nachrichten vom Schock erholen und wieder deutlich zulegen. Bereits am 20. Januar stand der DAX bei 1527 Punkte und der Dow bei 2914. Noch am 20. August erklärte Estland erneut seine Unabhängigkeit, am nächsten Tag folgte dann Lettland. Dennoch wollten sich die Putschisten noch nicht geschlagen geben. Die Lage spitze sich erneut zu, als der Befehl zum Sturm auf das Parlament gegeben wurde. Auch Jelzin sollte schnellstmöglich verhaftet werden. Glücklicherweise ignorierten die meisten KGB-Kommandeure die Befehle, insbesondere deswegen, da eine riesige Menschenmenge das Gebäude verteidigte. Dennoch starben bei den Auseinandersetzungen drei junge Menschen. Uneinigkeit und Nervosität der Verschwörer zwang diese schließlich zur Aufgabe. Am 21. August um 16.30 Uhr meldete TASS schließlich die Auflösung des Notstandskomitees und die Zurückbeordnung der Truppen in die Kasernen.

Die Börsen erholen sich darauf nochmals deutlich. Während der DAX mit 1750 am 21. August noch eher verhalten reagierte, schaffte der Dow am gleichen Tag bereits den Sprung auf die 3000. In der Nacht zum 22. August kehrte Gorbatschow schließlich nach Moskau zurück. der Spuk war so schnell vorüber wie er gekommen war - die Börsen hatten wieder die Niveaus vor dem Putsch erreicht und auch die Demokratiebewegung in der UdSSR schien gesichert zu sein.

Boris Jelzin war der Held von Moskau. Die überlebenden Putschisten (Innenminister Pugo beging Selbstmord) wurden ihrer Ämter enthoben und inhaftiert. Denkmäler früherer Sowjetführer wurden zerstört, die KPdSU aufgelöst und die wichtigsten kommunistischen Zeitungen zunächst eingestellt und später ganz verboten. Auch der gefürchtete Geheimdienst KGB wurde am 24. Oktober abgeschafft. Doch es gab noch einen weiteren großen Verlierer: Michail Gorbatschow. Durch den Putsch war die Sowjetunion endgültig zerfallen. Bereits am 24. August war der Gorbatschow als Generalsekretär der KPdSU zurückgetreten. Ein Land nach dem anderen erklärte seine Unabhängigkeit von der UdSSR. Schrittweise demontierte und entmachtete Jelzin den höchsten Machtinhaber der ehemaligen Supermacht. Schließlich wurde Ende 1991 die Auflösung der Sowjetunion beschlossen. Gorbatschow, dessen Rückhalt im Land massiv zurückgegangen war, trat am 25. Dezember 1991 als oberster Machtinhaber der UdSSR zurück und machte damit den Weg frei zur formellen Abschaffung der bedeutungslos gewordenen UdSSR zum 31. Dezember. Die Teilrepubliken, die sich noch nicht von der UdSSR für unabhängig erklärt hatten, hatten sich am 21. Dezember 1991 zur Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) zusammengeschlossen. Die Rechtsnachfolge der UdSSR trat die Russische Föderation unter Jelzins Führung an. Zu dieser Zeit hatte die Börse längst wieder zu, Alltag zurückgefunden und war auf dem Weg zu neuen Höchstständen.

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