Ein Krisenherd jagte 2018 den nächsten (2018)

Das Jahr 2018 war geprägt von vielen politischen Ereignissen. Dabei gab es vor allem zwei beherrschende Themen, die aus Anlegersicht gleichzeitig auch die beiden größten Krisenherde darstellten. Da waren zum einen die von US-Präsident Donald Trump initiierten Handelskonflikte mit China und der EU, die im weiteren Jahresverlauf immer weiter eskalierten und die Anleger ständig in Atem hielten. Aber auch das Brexit-Chaos mit seinen nicht enden wollenden Verhandlungen über den Austritt Großbritanniens aus der EU bewegte die Börsen immer wieder von neuem, wobei sich zumindest Mitte November eine Einigung zwischen der britischen Regierung unter Führung von Premierministerin Theresa May und der EU andeutete. Diese musste allerdings noch ins Parlament eingebracht werden, was sich in der Folgezeit als schwierig erwies und weiter hinzog.

Protestwahl in Italien verunsichert die Anleger

Ebenfalls von großer Bedeutung für Investoren waren aus EU-Sicht die vorgezogenen Parlamentswahlen in Italien am 4. März, aus denen mit 32,6% die europaskeptische Fünf-Sterne-Bewegung als Sieger hervorging. Da die etablierten Parteien gleichzeitig deutlich verloren, gestaltete sich die Regierungsbildung im Anschluss umso komplizierter, was den italienischen Leitindex FTSE MIB und hier vor allem die Bankentitel zunächst stark belastete. Aber selbst als die Regierungskoalition aus den beiden populistischen Flügelparteien Fünf-Sterne und rechtsextremer Lega unter Führung von Ministerpräsident Giuseppe Conte am 1. Juni stand, war die Verunsicherung bei den Anlegern weiter groß. Dabei wurde in der Folgezeit die Angst vor einer neuen Eurokrise durch die ausufernden Haushaltspläne der „Regierung der Veränderung“ noch weiter geschürt. Als der mit einer Defizitquote von 2,4% dreimal so hohe Haushaltsentwurf am 23. Oktober von der EU-Kommission abgelehnt wurde, ging das italienische Leitbarometer erneut auf Tauchstation und markierte neue Tiefstkurse.

Weitere politische Ereignisse, die Schlagzeilen machten

Allerdings gab es auf politischer Bühne 2018 auch Lichtblicke. Dazu gehörte nicht nur das im September abgeschlossene USA-Mexiko-Kanada-Abkommen (USMCA), das das alte Nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta ersetzen soll, sondern auch die Annäherung der beiden verfeindeten Staaten Nord- und Südkorea auf der koreanischen Halbinsel, zwischen denen es bereits im Januar zu den ersten bilateralen Gesprächen seit 2015 u.a. über die gemeinsame Teilnahme an den Olympischen Spielen kam. Auch hier hatte Donald Trump seine Hände mit im Spiel, in dessen Verlauf das monatelange verbale Säbelrasseln am 12. Juni schließlich auch zum vielbeachteten ersten Treffen zwischen dem US-Präsidenten und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un führte. Das in den Medien gefeierte „Weltereignis“ ließ die Börsianer allerdings weitgehend kalt. Interessanter für die Märkte waren da schon die Präsidentschaftswahlen in einigen großen Schwellenländern. So führten die Wahlsiege von Recep Tayyip Erdogan in der Türkei, Andrés Manuel López Obrador in Mexiko sowie des nicht ganz unumstrittenen Jair Bolsonaro in Brasilien in erster Reaktion zu steigenden Kursen an den jeweiligen Regionalbörsen.



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