Volkswagen Abgas-Skandal (2015)

Für Volkswagen hätte alles so schön sein können. Unter „normalen“ Umständen hätte sich das Jahr 2015 in die Erfolgstory des Wolfsburger Konzerns eingereiht. Es schien alles nach Plan zu laufen und VW nach der Krone der Autobauer zu greifen. In der ersten Jahreshälfte wähnte sich das Unternehmen auf dem Weg zum nach Absatzzahlen weltgrößten Autobauer, bevor die Ambitionen in der zweiten Hälfte ein jähes Ende nahmen. Mit der beabsichtigten Manipulation von Abgaswerten bei Diesel-Fahrzeugen im September verschuldete das Unternehmen einen der größten Firmenskandale in der Geschichte der modernen Wirtschaft.

 

Abgas-Skandal: Kernpunkt Manipulationssoftware

Die entscheidende Rolle im Abgas-Skandal kam der sogenannten „Manipulations-Software“ zu. Diese Anwendung war darauf programmiert zu erkennen, ob sich ein Auto auf einem Testband befand oder nicht. Sobald die Software eine entsprechende Situation feststellte, wurde ein optimierter Testmodus aktiviert. Die Aufgabe der Einrichtung bestand darin, ausgestoßene Stickoxid-Werte zu Gunsten niedrigerer Schadstoffaustöße zu manipulieren. Absicht war es, die Abgase unter dem gesetzlich festgelegten Grenzwert und den Zahlen der Konkurrenz halten. VW‘s Dieselfahrzeuge hielten also nur auf dem Prüfstand die Abgasgrenzwerte ein. Im realen Betrieb dagegen stießen sie ein Vielfaches der erlaubten Schadstoffmenge aus.

 

US-Umweltbehörde ließ Abgas-Skandal auffliegen

Öffentlich wurde die als „Dieselgate“ bekannt gewordene Affäre  im Zuge einer Untersuchung der US-Umweltbehörde. Diese machte am 18. September eine „Notice of Violation“ publik, welche sämtliche Vorwürfe im Detail schilderte. Im Laufe der Ermittlungen wurde bekannt, dass die Manipulations-Software weltweit bei elf Millionen Fahrzeugen installiert wurde. Eine solch hohe Anzahl an Manipulationsfällen war beispiellos.Zum Vergleich: Der Konzern verkaufte 2015 5,8 Millionen PKW‘s der Kernmarke, im Jahr davor rund 6 Millionen. Als Reaktion auf den Betrugsversuch schalteten sich zahlreiche Regierungen betroffener Länder ein. In vielen Staaten, darunter Deutschland, leiteten Behörden Strafverfahren gegen VW ein.

 

Nach dem Abgas-Skandal: Elektro- statt Verbrennungsmotor

Offenbar hat der Skandal zu einer Bewusstseinsveränderung beim Wolfsburger Konzern geführt. Denn im gleichen Jahr kündigte VW an, in Zukunft das Geschäftsmodell auf Elektromobilität und Zukunftstechnologien zu fokussieren. So will der Konzern bis 2025 30 neue Elektromodelle präsentieren und von diesen jährlich zwei bis drei Millionen verkaufen.
 

VW-Abgasskandal und die Folgen

Der wohl folgenschwerste Skandal in der deutschen Konzernlandschaft seit Jahrzehnten hatte für die VW-Aktie gravierende Konsequenzen. Nach Bekanntwerden brach die Volkswagen Stammaktie von 160 auf 100 Euro ein. Immerhin brauchte der Kurs zwei Wochen um den Tiefpunkt zu erreichen. In der Spitze vernichtete der Kurssturz circa 40% des Firmenwerts. Das entsprach einem Gesamtwert von ungefähr 30 Milliarden Euro.

 

Volkswagen: Vom Dax-Spitzenreiter ins Mittelfeld

Der Crash der Aktie kostete VW die Spitzenposition unter den wertvollsten deutschen Unternehmen. Thronte Volkswagen jahrelang unangefochten auf dem Dax-Gipfel, so reihten sich die Wolfsburger nach dem Bekanntwerden des Skandals nur noch im oberen Mittelfeld ein. Mit einer Handvoll anderer Firmen galt der bis dato teuerste deutsche Konzern als einer der wenigen Schwergewichte im deutschen Leitindex. Sogar im Vergleich mit anderen Dax-notierten Automobilherstellern musste man kurzzeitig den Spitzenplatz abgeben. So rutschte der Marktwert  von VW infolge des Kursturzes zeitweise hinter den des Konkurrenten Daimler zurück.

 

VW-Aktie 2015 – nicht so schlecht wie auf den ersten Blick

Einer Achterbahnfahrt glichen die Kurskapriolen der VW-Aktie im Jahr 2015. Somit werden diese zwölf Monate den VW-Aktionären wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Denn das Papier wies mit einem Jahreshoch bei 249 Euro und dem Tief bei 95 Euro eine extreme Volatilität auf. Nach den konjunkturell bedingten Einbrüchen Mitte des Jahres korrigierte die Aktie vom Fünfjahreshoch bei 249 Euro auf 160 Euro. Danach folgte mit Bekanntwerden der Dieselgate-Affäre die nächste Kursbewegung nach unten.
 

Zumindest der Absturz im Rahmen des Skandals relativierte sich über das Jahr gesehen. Da die Aktie mit 176,60 Euro startete und bei 142,30 Euro schloss, verbuchte sie auf Jahressicht „nur“ ein Minus von 19,4%. Die wichtigsten Kennzahlen sowie eine Risiko-Einstufung zur Volkswagen-Aktie finden Sie übrigens im kostenlosen boerse.de-Aktienreport - klicken Sie hier...

 



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