„Britischer ADAC“ AA Plc: Starke Cash-Generierung und interessantes KGV

Donnerstag, 15.03.18 11:03

von Florian König, Senior Analyst im Team von Max Otte

 

Sind auch Sie Mitglied des ADAC, liebe Leser?

 

Der deutsche Automobilclub hatte vor ein paar Jahren zwar mit schlechter Presse zu kämpfen, kann sich aber auch heute noch auf mehr als 20 Millionen zuverlässige Mitglieder verlassen. Viele von diesen sind seit Jahren im Club und denken gar nicht daran zu kündigen. Was sollten Sie auch im Fall einer Panne ohne die „gelben Engel“ tun?

 

Die Stellung des Vereins ADAC ist also eine sehr gute.

 

Gänz ähnlich sieht es in Großbritannien aus, wo der größte Automobilclub jedoch eine Aktiengesellschaft ist. Hier können Anleger also von der treuen und zahlungsbereiten Kundschaft profitieren. 12 Jahre lang bindet sich ein Kunde im Durchschnitt an AA Plc (The Automobile Association). AA ist damit Marktführer, hat ein gut laufendes Abo-Geschäft mit starker Cash-Generierung und profitiert von erfolgreichen Cross- und Up-Selling-Modellen.

 

Start als Verein

Die heutige Kapitalgesellschaft AA wurde im Jahr 1905 als gemeinnütziger Verein gegründet, um Autofahrern zu helfen, Geschwindigkeitskontrollen der Polizei zu entgehen. AA-Patrouillen auf Fahrrädern warnten Autofahrer vor den entsprechenden Kontrollpunkten.

 

Die Vereinsgründung war eine Reaktion auf den Motor Car Act 1903, der sogar die Möglichkeit von Gefängnisstrafen für Geschwindigkeitsübertretungen und andere Fahrvergehen einführte. Dieses Gesetz bedeutete zudem die Einführung der Führerschein- und Kennzeichenpflicht in Großbritannien.

 

Bis zum Jahr 1906 hatte die AA Tausende von Gefahren- und Warnschildern an britischen Straßen aufgestellt und auch die Straßenbeschilderung verwaltet, bis Anfang der 1930er Jahre diese Verantwortung an die lokalen Behörden übergeben wurde. In den folgenden 20 Jahren installierte AA insgesamt 6.500 Wegweiser und 15.000 Dorfschilder, von denen die meisten während des Zweiten Weltkriegs entfernt wurden. Im Jahr 1908 veröffentlichte die AA das erste „Members' Special Handbook“ inklusive einer Liste landesweiter Vertreter und Partnerwerkstätten.

 

Im Jahr 1910 führte der Verein sogenannte „AA-Routen“ ein und begann 1912 mit der Inspektion von Hotels und Restaurants und mit der Ausgabe der AA-Sternklassifizierung für diejenigen, die als qualitativ ausreichend eingestuft wurden.

 

Ein weiteres Service-Highlight war die Ausgabe von Schlüsseln für Telefonzellen am Straßenrand ab dem Jahr 1920. In diesen konnten Mitglieder die Pannenhilfe des Vereins kontaktieren. In ihrer Blütezeit gab es fast 1.000 solcher Boxen, die bis in die 1960er Jahre hinein genutzt wurden.

 

Nach dem Krieg führte die AA Proteste an gegen die Benzinrationierung, die 1950 aufgehoben wurde. Die Organisation setzte sich zudem für das obligatorische Anlegen von Sicherheitsgurten und die Einführung von bleifreiem Benzin ein. Die Sicherheitsgurtgesetzgebung wurde 1983 im Vereinigten Königreich in Kraft gesetzt.

 

Im Februar 1972 verlegte die AA ihren Sitz von London nach Basingstoke. Im folgenden Jahr begann sie mit der Ausstrahlung ihrer „Roadwatch“-Verkehrsberichte über Radio.

 

Eines wird jetzt schon deutlich, liebe Leser: Alle britischen Autofahrer haben von den Ideen und Services von AA profitiert. Wird es auch in der Zukunft so sein?

 

Neues Kapitel als Kapitalgesellschaft

The Automobile Association wurde im Juli 1999 in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung umgewandelt, die später im selben Jahr von Centrica (bekannt durch die Marken British Gas und Scottish Gas) gekauft wurde. Centrica verkaufte die AA im Juli 2004 an zwei Private Equity-Firmen, CVC und Permira, die im Juli 2007 die AA mit Saga unter Acromas Holdings fusionierten. Im Juni 2014 folgte der Gang an die Londoner Börse, wobei Acromas all seine Anteile verkaufte.

 

Mehr als nur Pannenhilfe

Das Geschäftsmodell von AA ist dem des deutschen ADAC sehr ähnlich. Neben dem stetig ausgebauten Pannenservice bietet AA auch eine umfangreiche Datenbank über Hotels und Pensionen, Campingplätze und Wohnwagenparks sowie Restaurants.  Sie vergibt dabei Bewertungen nach einem System, das auf Qualitätsstandards basiert, die von der AA und den verschiedenen britischen Tourismusbehörden vereinbart wurden. Die jeweiligen Angebote werden mit Sternen (1 - 5) sowie Auszeichnungen für herausragende Leistungen bewertet.

 

Seit dem Brexit-Entscheid bietet der britische Markt einige Überraschungen. Auch wir von Der Privatinvestor haben schon ein paar Mal daneben gelegen. Aber wir haben auch schon einige Erfolge feiern können. Es wäre nun alles andere als rational, britische Unternehmen vollständig zu ignorieren.

 

Aus meiner Sicht könnte AA durchaus Interesse wecken

Die Pannenhilfe hat einen Marktanteil von mehr als 40 Prozent. Das Abo-Geschäft ist stark und zuverlässig und sorgt für eine sehr erfreuliche Cash-Generierung über Jahre hinweg. Zudem nutzt das Unternehmen sehr geschickt verschiedene Möglichkeiten von Up- und Cross-Selling. Beispielsweise bietet es verschiedene Versicherungen sowie eine kostenpflichtige Smartphone-App inklusive Pannenwarnung an.

 

Bleibt die Mitgliederzahl in Zukunft auf konstantem Niveau, wird AA Wachstum vor allem im Versicherungsgeschäft erwirtschaften können. Hier liegt noch viel Potenzial, denn bislang wurden nur rund 9 Prozent der Mitglieder mit einer AA-Kfz-Versicherung  ausgestattet und nur 5 Prozent der Mitglieder mit einer Hausratversicherung des Unternehmens.

 

Auch das Management ist bemerkenswert

Der Co-Gründer von Expedia und ehemalige Uber-Verantwortliche für Europa Simon Breakwell ist seit September 2017 als CEO im Amt und investiert sinnvoll in digitale Services. Die App zur Meldung von Pannen reduziert auch die Anfahrtszeit der Pannenhelfer und die Kosten im Call-Center. Wenn solche Ansätze die Kundenbindung und -zufriedenheit weiter steigern, ist AA Plc mit einem KGV von aktuell 4,9 und einem EV/EBIT von 9,5 sehr spannend.

 

Leider ist die Bilanz die große Schwachstelle

Das Unternehmen hat ein negatives Eigenkapital und einen großen Berg von Schulden. Unter Berücksichtigung der stabilen Erträge (durch Mitgliedschaften mit einer Verweilzeit von 12 Jahren) ist der Zeitraum von 8 bis 9 Jahren, um die Verschuldung und Pensionsverbindlichkeiten zu tilgen, absolut oberste Grenze.

 

Wir von Der Privatinvestor gehen erstmal kein Risiko ein und warten auf neue Erkenntnisse, welche der Geschäftsbericht am 17. April 2018 bieten wird. Bis dahin sind wir geduldig und warten noch ab.


Auf gute Investments,

Ihr

Florian König,

Senior Analyst im Team von Max Otte

 

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Hinweis/Disclaimer:

Florian König berät, beziehungsweise Unternehmen, an denen Florian König beteiligt ist, beraten den PI Global Value Fund (WKN: A0NE9G) und den Max Otte Vermögensbildungsfonds (WKN: A1J3AM). Diese beiden Fonds könnten Positionen in Titeln halten, die in dieser Kolumne genannt sind.

Für den Fall, dass Leser dieser Kolumne Positionen in einen genannten Titel in einem Umfang erwerben, der dazu geeignet ist, den Preis des Titels zu beeinflussen, könnte der Verfasser dieser Kolumne und / oder einer beziehungsweise beide die Fonds im Falle der Veräusserung des Titels aus deren Portfolio nach einem solchen Kursanstieg vom Erwerb des Titels durch die Leser der Kolumne profitieren. Auch im Falle eines Verkaufs in einem entsprechenden Umfang durch Leser der Kolumne könnte der Verfasser dieser Kolumne und / oder einer beziehungsweise beide Fonds von fallenden Kursen durch günstigere Einstiegskurse im Falle eines späteren Kursanstiegs profitieren.

 

Den Titel als Dipl.-Volksw. erhielt Max Otte 1989 durch den erfolgreichen Abschluss des Studiums an der Universität Köln. 1991 erlangte er den Titel Master of Arts in Public Affairs an der...


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