Je länger die Einschränkungen dauern und für die Risikogruppen, allein vom Alter ausgehend, verschärft werden, umso stärker steigt die Furcht vor der Corona-Virus-Pandemie. Isolierung, soziale Abgrenzung sind nicht gut für Gesundheit. Angst lähmt die Abwehrkräfte und macht erst richtig krank oder aggressiv bis hin zu Gewalthandlungen.
Dazu schreibt der Arzt und Finanzmanager Alexander Dibelius unter dem Handelsblatt-Beitrag „Eine teuflische Spirale“: Die so entstehende, sich weiter erhöhende Unsicherheit wird den Konsum und die Investitionsbereitschaft nach unten drücken. Die Folge ist eine weiter einbrechende Wirtschaft. Eine teuflische Spirale, die am Ende auch die Bevölkerung in Ausnahmezustände versetzen wird. – In den USA haben nach wenigen Tagen Hamsterkäufe in den Waffenshops begonnen. Das heißt doch, dass die Leute mit Diebstählen, Plünderungen und Schusswaffengebrauch auf offener Straße rechnen. Schlimmer kann’s eigentlich kaum noch werden. – Irgendwann wird ein abwägender Um-gang mit den Konsequenzen des Shutdowns die derzeitige teilweise irrationale Panik und die Hauruck-Strategien ersetzen. Ich hoffe nur, dass das nicht zu lange dauert.“
Doch nun zu den am meisten gestellten Fragen
Wie sehen die Auswirkungen für den BEACH-Sektor – nämlich Booking, Entertainment, Airlines, Cruises und Casinos sowie Hotelketten – aus?
Der BEACH-Sektor präsentiert wohl die größten Leidtragenden. Die zahlreichen Absperrungen, Reise- und Versammlungsverbote, Verlegungen und komplette Absagen von Messen, Großveranstaltungen, Konzerten, Fußballbundesliga, Europameisterschaft, Olympiade usw. führen im Zuge der Corona-Virus-Pandemie zu starken Absatz- und Ertragseinbußen.
Dies betrifft kleine, mittlere und größere Unternehmen, Freiberufler, Künstler und Selbstständige. Vor dem dritten Quartal 2020 – also erst im Spätsommer und Frühherbst – ist kaum mit einer nachhaltigen Erholung zu rechnen. Aber dann besteht gewaltiger Nachholbedarf, wenn auch nicht durchgehend. Verreisen werden die Menschen wieder, sobald es erlaubt ist und sich Angst und Furcht legen.
Wie schätzen Sie die aktuelle Krise ein – auch im Vergleich zu 2008/09?
Dieser Crash ist noch gefährlicher, weil das Weltwirtschaftswachstum durch die drastischen Absperr-, Reise- und Ausgehverbote, geschlossenen Kindertagesstätten, Schulen und Universitäten, verbotene Vorträge, Messen, Sport- und Musikveranstaltungen wohl zu einer Rezession führen. All diese Einschnitte der persönlichen Freiheit beschwören immer größere Ängste herauf, die sich an der Böse widerspiegeln. Medizinisch ist es vernünftig, das Infektionsrisiko zeitlich zu strecken, damit mehr Intensivplätze für die Beatmung bei schweren Lungenkrankheiten verfügbar sind. Aber die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen sind verheerend. Vielen kleinen Firmen droht die Insolvenz. Ich fahre überall hin, wo es nicht strikt verboten ist, um zu signalisieren, dass auch Mut und Zuversicht die Abwehrkräfte stärken. Angst, Frust, Besorgnis und Verzweiflung wirken sich lähmend aus.
Das gilt auch für die Börse. Den Crash verschulden weder Politik noch Medien. Sondern Anleger verkaufen viel mehr als sie ordern. Und je massiver und unkontrollierter dies geschieht, umso schlimmer sind die Folgen. Schauen wir uns nur den deutschen Leitindex an. Binnen vier Wochen von rund 13.800 Punkten ein zeitweiliger Absturz bis auf 8.200 Zähler – an Heftigkeit in solch kurzer Zeit in diesem Jahrtauend kaum mehr zu überbieten.
Bleiben Sie Ihrer Hoch-/Tief-Mut-Strategie treu? Oder passen Sie an?
Selbstverständlich bleibe ich meiner Hoch-/Tief-Mut-Strategie treu. Und erneut gilt für mich: Ein Crash ist nur gut – für Leute mit Mut!“ Ergänzend achte ich bei Kauf und Teilverkauf besonders auf die Entwicklung der Dividende. Ein Beispiel mit gerundeten Zahlen: Ich kaufe die DAX-Aktie Munich Re für 300 €. Sie stürzt um ein Drittel auf 200 €. Die Dividende bleibt gleich bei 10 €. Beim Kauf von 300 € beträgt die Dividendenrendite über 3 %. Beim Erwerb zu 200 € sind es mehr als 4,5 %. Ein 2. Beispiel, geeignet zum Kopfrechnen: Wer Fuchs Petrolub aus dem MDAX für 40 € kaufte, erzielt bei einer Dividende von 1 € eine Rendite von 2,5 %. Wer im Altbestand für 4 € zugriff, freut sich über 25 %. Und dies jedes Jahr! Ein Aktienverkauf wäre dumm.
Sehen Sie irgendwo günstige Kaufgelegenheiten? Haben Sie mögliche Krisengewinner Drägerwerk, Biontech, Roche oder Qiagen gekauft? Umgekehrt: Wovon sollten vor allem unerfahrene Anleger die Finger lassen?
Da ich schrittweise zukaufe, habe ich den Absturz von Freenet und MTU, Fresenius und HeidelZement, Deutsche Post und Royal Dutch, SolarEdge, Intuitive Surgical, Medtronic, Thermo Fisher und Samsung in letzter Zeit zum Zukauf genutzt. Da günstige Ergänzungen auch als Grundlage für spätere Teilverkäufe wichtig sind, investiere ich über 1.000 € bis maximal 2.000 €. Umgekehrt rate ich dringend ab von Geschlossenen Fonds für Immobilien, Schiffe, Filme usw., Optionsscheinen und Zertifikaten mit hohem Hebel. Es ist riskant, sich an jeder Neuemission zu beteiligen. Lieber eine Weile abwarten, die Kursentwicklung verfolgen und dann günstig einsteigen. So habe ich es bei Varta, Dermapharm und aktuell auch bei Teamviewer gemacht.
Pharma, Medizintechnik und Biotechnologie gehören zu Ihren Lieblingsak-tien. Welche Werte bieten darüber hinaus jetzt große Chancen?
Nachhaltigkeitsaktien vor allem aus Skandinavien zählen zu meinen Favoriten. Ich habe sehr preiswert den Tourismuskonzern Booking, die kanadische Onlinehandelsaktie Shofity die Luxusgüteraktien LVMH, Kering und Hermes sowie die kleineren Werte Datagroup, Atoss Software, Mensch & Maschine sowie LPKF Laser ergänzt.
Wird der Crash die Angst der Deutschen vor Aktien weiter befördern und die Aktienkultur darunter leiden?
Auch dieser Crash wird dazu führen, dass noch mehr Menschen einen hohen Bogen um Aktien machen. Die Politik könnte hier ein Signal setzen, indem sie Einsteigern und Senioren für 5 Jahre Steuerfreiheit anbietet und bei einer Aktienhaltedauer ab 5 oder 10 Jahren generell keine Steuer einzieht. Aber was ist dagegen geplant? Eine Aktientransaktionssteuer ab 2021! Damit wird das zarte Pflänzchen Aktienkultur mit Füßen zertreten.
Beate Sander ist Bestseller-Autorin und hat mittlerweile über 50 Fachbücher zum Thema Börse und Geldanlage veröffentlicht. Der "Aktien- und Börsenführerschein" zählt sogar zu den TOP 10 Wirtschaftsbüchern aus dem gesamten deutschsprachigen Raum.




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