Bei Lanxess stimmt die Chemie (wieder)

Mittwoch, 15.03.17 15:10
Spezialchemie-Konzern Lanxess gewährt uns Donnerstagmorgen einen Blick in seine Bilanzbücher 2016. Auf den ersten Blick eine “langweilige” Branche, auf den zweiten eine unentbehrliche. Zwar fehlt den meisten von uns der rechte “Draht” zur Spezialchemie, doch was wären wir ohne Kautschuk, Kunststoffe und Pigmente? Lanxess Produkte sind vielleicht nicht so sexy wie beispielsweise Daimlers neueste Prestigeobjekte, aber ein Mercedes ohne Mithilfe eines Chemiekonzerns? Undenkbar. Reifen, Lack, Kunststoffe - viele Unterteile haben ihren Ursprung im Labor.

Auch aufgrund der boomenden Autoindustrie in Asien erhöhte Lanxess im November 2016 zum dritten Mal innerhalb eines Jahres die Prognose: Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) könnte an der Eine-Milliarden-Euro-Grenze kratzen nach 885 Millionen Euro im Jahr zuvor. Unterm Strich bleiben dem Konzern vermutlich 62 Millionen Euro in der Kasse nach 41 Millionen Euro 2015.

Die Erfolgsgeschichte des M-Dax-Mitglieds ist noch relativ jung und vor allem einem Mann zuzuschreiben: Matthias Zachert. Als der “Zahlenmensch mit Stallgeruch”, wie ihn eine Nachrichten-Website zu seinem Amtsantritt 2014 betitelte, die Leitung des Kölner Unternehmens übernahm, braute sich in dessen Chemieküche nichts Gutes zusammen. Ausgerechnet das Kerngeschäft, die Herstellung und der Vertrieb von Kautschuk, entwickelte sich zäh. Zachert fackelte nicht lange und verordnete Lanxess eine Radikalkur, gepaart mit einer strategischen Neuausrichtung.

Neben den üblichen Sparmaßnahmen wie Stellenabbau und der Zusammenlegung von Abteilungen konzentrierte sich der Chemiekonzern von nun an auf Geschäftsbereiche, die weniger zyklisch und konjunkturabhängig sind, als das kriselnde Gummi-Geschäft. Zacherts Ziel ist es, Lanxess’ Abhängigkeit vom Kautschuk zu verringern und freigewordene Ressourcen und Gelder in die Übernahme des US-Konkurrenten Chemtura zu investieren. Die 2,4 Milliarden Euro teure Fusion soll bis Mitte 2017 in trockenen Tüchern sein und den Kölnern Zugang zum Markt der Schmierstoffe und Flammschutzmittel ermöglichen, die etwa in der Bau,- Luftfahrt- und Elektroindustrie genutzt werden.

Zur Rettung des schwächelnden Kautschuk-Segments fand Zachert 2015 einen potenten Partner: Den weltgrößten Energie- und Ölkonzern Saudi Aramco. Die Araber zahlten für 50 Prozent des Gemeinschaftsunternehmens 1,2 Milliarden Euro netto an Lanxess. Ein doppelter Befreiungsschlag für den Chemiekonzern: Zum einen verfügte dieser nun über die finanziellen Mittel für eine Neuausrichtung und die Akquisition von Chemtura. Zum anderen bekamen die Kölner dank ihrer neuen Arab-Connection so etwas wie eine “Privat-Pipeline” für den gefragten und teuren Rohstoff Öl, der für die Kautschukherstellung benötigt wird.

Na, neugierig geworden? Zurecht. Die Spezial-Chemieindustrie befindet sich zwar im stetigen Wandel, doch sie liefert die Basis für viele Erzeugnisse des täglichen Lebens– von Nahrungsmitteln über Medikamente bis hin zu Gebrauchsgütern. Natürlich gibt es in der Chemiebranche eine Vielzahl interessanter Einzelwerte. Um die Spreu vom Weizen zu trennen haben wir bei der Auswahl der Titel, die den Namen “Champion” auch verdienen, vor allem ein Augenmerk auf deren Zehn-Jahres-Performance gelegt und entschieden uns für den Lanxess-Konkurrenten Fuchs Petrolub. Eine Kursrendite von +368 Prozent (Fuchs Petrolub) im Vergleich zu +70 Prozent (Lanxess) innerhalb der vergangenen zehn Jahre, gepaart mit einem hoffnungsfroh-grünen Renditedreieck machte uns die Entscheidung, Fuchs Petrolub zum Champion zu küren, relativ einfach.

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