Blick auf wichtige nationale Börsenbarometer eines Großteils erfreulichen Börsenjahres 2019 (Teil I)

Mittwoch, 13.11.19 17:11
Was hat sich in der nationalen wie auch internationalen Indexübersicht gegenüber dem Vorjahr 2018 geändert? Die Zwischenbilanz sieht erfreulich aus. Ein zögerliches Verharren auf der Seitenlinie des Börsenspielfelds hätte sich nicht gelohnt. Es bringt nichts, sich jahrelang mit seinem Vermögen nicht vom Fleck zu bewegen und auf den nächsten Börsencrash zu warten.

Dass ein Kursabsturz kommt, ist sicher. Aber niemand weiß, wann dies geschieht, wie heftig und wie lange es dauert. Gibt es statt dessen eine Jahresend-Rallye mit neuen Allzeithochs? Auch dies bleibt reine Spekulation. Vermutlich hätten wir längst einen Crash, gäbe es nicht dieses Nullzins- und Strafzinsmonster. Wohin denn mit dem Geld bei Panikausverkauf? So bleiben Aktien, aktiv gemanagte Aktienfonds und preiswerte ETFs absolut alternativlos. 



Kurzkommentare zur Entwicklung der wichtigsten Indizes
Umgekehrt ist die Furcht vor einer Börsenblase völlig unbegründet. Die vorsichtigen Deutschen – oft abfällig als „Angsthasenvolk“ tituliert – dürften auch künftig vermutlich zumindest mit einem guten Drittel ihrem schleichenden Kapitalvernichter Sparbuch treu bleiben – entgegen aller Vernunft und realistischer Einschätzungen. 

Wer heute 10.000 Euro aufs Sparbuch einzahlt, wird in einem Jahrzehnt an Kaufkraft wohl nur noch rund 8.500 Euro übrig haben. Und häufig wird er dann auch noch den über 8.000 Euro verfallenden pauschalen Sparerfreibeträgen nachtrauern, die sich mit dividendenstarken Einzelaktien, Aktienfonds und ETFs vortrefflich nutzen lassen. Es fällt solange keine Abgeltungsteuer von 25 % plus Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer an, bis der jährliche Freibetrag von 801 Euro abgearbeitet ist.  

Wichtige Eckdaten bis Nov. 2019 in deutschen Indizes 

01.11.2019: Kleiner Rück- und Ausblick mit Finanzkennzahlen

DAX Performance 13.244 Punkte 

Der deutsche Leitindex-DAX, um den sich hierzulande alles dreht, zeigt im bisher erfreulichen Börsenjahr 2019 einen Aufwärtstrend im Zeitraum von 1, 3, 5 und 10 Jahren. Allianz, Dt. Post, Dt. Telekom, Merck, Munich Re und VW Vz schafften am 1. Nov. 2019 ein neues 52-Wochen-Hoch. Bezüglich Kursentwicklung führen mit +53 % seit Jahresbeginn Adidas vor dem DAX-Neuling MTU (+49 %), dem Versorger RWE (+44 %) und dem zusätzlich im TecDAX notierten Softwareunternehmen SAP (+37 %).

Bei der Dividendenrendite gefallen Covestro (5,3 %), E.ON (5,2 %), Lufthansa (5,1 %), BASF, Allianz, Bayer, Daimler, Dt. Telekom (alle über 4 %). Das Durchschnitts-KGV liegt derzeit bei 15, die Dividendenrendite bei 3,4 %. Aktuell trennen den DAX vom Allzeithoch bei 13.350 Punkten nur noch 100 Zähler. Trotz Strafzöllen, Sanktionen, schlechter Konjunkturdaten und nachlassenden Wirtschaftswachstums steigen die Aktienkurse international. Es gibt bei Null- und Strafzinsen keine nennenswerte Alternative zu Aktien. Wer heute aus Angst vor einem heftigen Crash ein starkes Aktiendepot ausräumt, muss mit Strafzinsen rechnen. Das kostet dann richtig viel Geld.

MDAX 26.976 Punkte
Der MDAX mit 60 Werten hat sich gegenüber dem DAX im Fünf- und Zehn-Jahresvergleich ungefähr verdoppelt, büßte aber seinen Vorsprung von 2018 im Ein-Jahreszeitraum ein. Mittel- und langfristig dürfte der Mid Cap-Index mit den mittelgroßen Werten durch Aufnahme von derzeit 16 TecDAX-Titeln aus dem Software-, Biotech- und Medtech-Sektor profitieren. Damit wird der MDAX noch attraktiver; denn die Zukunftsmusik spielt im Bereich Künstlicher Intelligenz mit Robotik, Hochtechnologie mit Cloud, digitalisierter und vernetzter Welt. Der hohe Technologieanteil spiegelt sich im KGV wider und übertrifft mit 20 den DAX. Der Anteil von Familienfirmen ist hoch. 

Herausragende Kursentwicklungen seit Jahresanfang 2019 zeigten am 1. Nov. 2019 der familiengeführte Internet-Modehändler Zalando (+88 %), der Halbleiterkonzern Dialog Semiconductor (+85 %), das Familienunternehmen für Augenheilkunde Carl Zeiss Med. (+65 %), der inhabergeführte Ticket-Vermarkter CTS Eventim (+64 %), der familiengeführte Laborausrüster für Medizintechnik Sartorius (+60 %) und der inhaberdominierte Sportartikelhändler PUMA (+55 %).

Bezüglich Dividende begeistern bei den Familienfirmen der Gewerbe-Immobilienkonzern Aroundtown (3,7 %), der Autolackierer Dürr (4,0 %) und der Baukonzern Hochtief (5,6 %). Zu den Ausschüttungs-Aristokraten zwischen 6 % bis über 9 % gehören 1&1 Drillisch, Dt. Pfandbrief, Freenet, Hugo Boss, ProSiebenSat.1 und RTL Group.

 

TecDAX 2947 Punkte
In den TecDAX, reserviert für weiterhin 30 Technologie-, Software-, Biotech- und Medtechtitel, zogen im Rahmen der Indexumstellung die DAX-Technologietitel Infineon, SAP, Dt. Telekom und WireCard ein. Der TecDAX als bester Index mit den erfolgsreichsten Familienunternehmen ließ den DAX im Drei- und Fünf-Jahreszeitraum mit dreimal so hohen Kursgewinn meilenweit hinter sich. Im 10-Jahresvergleich war der Kursgewinn gut doppelt so hoch.

Nur binnen 52 Wochen dominieren aktuell der Div-DAX und der inhabergeführte Index DAXplus Family 30. Das Durchschnitts-KGV von 23 ist wegen der vielen Technologie-, Software-, Medtech- und Biotechtitel naturgemäß höher. Aber Premium rechtfertigt einen Aufschlag. Üppige Kursgewinn seit Jahresbeginn 2019 erzielten die familiengeführten TecDAX-Konzerne Bechtle (+44 %), Carl Zeiss Med. (+45 %), Compugroup (+40 %), Nemetschek (+47 %) und Sartorius Vorzüge (+59 %).

SDAX 12.024 Punkte

Der SDAX mit den Small Cap-Werten wurde bei der Neuordnung von 50 auf 70 in- und ausländische Titel aufgestockt. Er ist nicht mehr nur klassisch ausgerichtet, sondern nimmt als Doppelnotiz vom TecDAX auch Technologietitel auf. Der SDAX hat sich gegenüber dem DAX im Fünf- und Zehn-Jahresvergleich fast verdoppelt und weist mit 18 das zweitniedrigste KGV bei den deutschen Messlatten auf.

Im Small Cap Index gibt es zahlreiche inhabergeführte Unternehmen und Nachhaltigkeitskonzerne. Bezüglich Kursentwicklung überzeugen seit Januar 2019 der Biosimilar-Spezialist und Börsenneuling Dermapharm (+58 %), der Marktführer für Strahlenforschung und Therapien Eckert & Ziegler (+163 %), der Online-Immobilien-Finanzierer Hypoport (+90 %), der Bildbearbeitungskonzern Isra Vision (+74 %), der Windkraftturbinenbauer Nordex (+52 %), die Werbeagentur Ströer (+76 %) sowie der Batteriespezialist für Hörgeräte und kabelloses Musikhören VARTA (+282 %), das Rekordergebnis von allen Indizes.

Bezüglich Dividenden bietet der SDAX viel. Bei den Familienfirmen überzeugen Immobilienmanager Corestate (8,0 %), Werbeagentur Ströer (3,0 %), MDAX-Absteiger Wacker Chemie (4,1 %) und der Spezialist für kompakte Baumaschinen Wacker Neuson (4,5 %).

DivDAX Performance 358 Punkte
Der DivDAX, der die 15 dividendenstärksten Titel abbildet und alljährlich von der Deutschen Börse angepasst wird, hat sich nicht zum großen Erfolgsindex entwickelt, liegt aber 2019 mit 18 % im Ein-Jahres-Vergleich gemeinsam mit dem TecDAX vorn. Im Automobilsektor, wo alle Unternehmen Kurseinbußen verbuchen, bieten üppige Ausschüttungen Trost. Zu den Dividendenaristokraten gehören Allianz (4,3 %), BASF (4,7 %), Bayer (4,2 %), Covestro (5,3 %), Daimler (4,0 %), Deutsche Telekom (4,7 %), E.ON (5,2 %) und Lufthansa (5,1 %). 

DAXplus Family 30 6.487 Punkte
Der DAXplus Family 30 mit den größten börsennotierten eigentümerdominierten Konzernen führt im Ein-Jahresvergleich gemeinsam mit dem DivDAX mit 18 % die Rangliste an und schafft im Drei-Jahresvergleich mit einer Kursentwicklung von 81 % hinter dem TecDAX das beste Ergebnis – und dies trotz fehlender Kommunikation in den Börsen- und Wirtschaftsmedien. Verlässliche Berichterstattung wäre hochverdient und wünschenswert. Obwohl den DAXplus Family 30 kaum ein Privatanleger kennt, versammeln sich hier die Börsenstars aus MDAX, TecDAX, SDAX. Dies sind Bechtle, Carl Zeiss Meditec, Compugroup, CTS Eventim, Eckert & Ziegler, Grenke, Hypoport, Isra Vision, Nemetschek, Sartorius, SAP, SIXT, Symrise und Varta. 

Die zweite Folge dieser neuen Börsenkolumne befasst sich mit den wichtigsten internationalen Indizes, angeführt vom Dow Jones und Nasdaq 100.





Beate Sander startete ihre Börsenkarriere erst im Alter von 59 Jahren und wurde wenige Jahre später Börsen-Millionärin. Sie war eine gefragte Kolumnistin, Moderatorin und Interviewpartnerin und...
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