Cannabis Aktien 2019: Wie Anleger vom Hype profitieren könnten

Freitag, 22.02.19 15:32
Cannabis Aktien: Kaum ein Thema (mal abgesehen von Bitcoin & Co.) sorgte in den vergangenen Jahren für soviel Wirbel in der Finanzpresse, wie der “grüne” Kurs-Rausch, der Anlegern teils vierstellige Renditen bescherte. Grund genug, den Boom rund um Canopy Growth, Aurora Cannabis und Aphria einmal genauer zu untersuchen

Mitte Januar erschütterte eine Pressemeldung das bayerische Wertesystem: Ausgerechnet München will - nebst Hopfen - bald auch Hanf anbauen. Oberbürgermeister Reiter macht sich im Rathaus stark für rund 2.400 Hektar umfassende Stadtplantagen und erklärte bei der Übergabe einer Petition des Deutschen Hanfverbandes München: “Wir haben durchaus die Flächen und die Möglichkeit dazu“. Der Grund, weshalb ausgerechnet die konservative, bayerische Landeshauptstadt deutscher Pionier beim Cannabisanbau werden will, liegt auf der Hand: Das Geschäft könnte sich lohnen. Für die bayerische Bierhauptstadt - und Anleger.

Cannabis: Besser als sein Ruf
Seit Anfang 2017 ist medizinisches Marihuana in Deutschland für die Behandlung verschiedener Krankheiten und Symptome wie z.B. Multiple Sklerose, chronischen Schmerzen oder Epilepsie zugelassen und wird von den Krankenkassen bezahlt. Die (Teil-)Legalisierung bringt jedoch auch neue Herausforderung für den Bund mit sich. Bislang war der Anbau von THC-haltigem Cannabis illegal, weshalb Deutschland die berauschenden Pflanzen überwiegend aus Kanada und den Niederlanden importierte. Da das Angebot mit der Nachfrage nicht mehr Schritt halten kann, kommt es allerdings immer wieder zu Lieferengpässen. Teils schwerkranke Patienten müssen deshalb oft mit langen Wartezeiten rechnen. Um diesen Missstand zu beseitigen, schreibt das für Zulassung und Regulierung zuständige Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zur Zeit Lizenzen für den Anbau von insgesamt 10,4 Tonnen Cannabis in Deutschland aus und rechnet 2020 mit der ersten Ernte. Möglicherweise dem entscheidenden “Spatenstich” für einen weiteren, etwas anderen, deutschen Exportschlager.

Berauschende Perspektive
Während wir in Deutschland noch auf die “grüne” Revolution warten, sind uns die USA und Kanada schon Welten voraus. Bereits seit 2001 ist die medizinische Nutzung von Cannabis in Kanada legal. Im Oktober 2018 erlaubte das Land schließlich den sogenannten Freizeitkonsum von Marihuana und auch in den USA ist Kiffen bereits in zehn Bundesstaaten straffrei. In mehr als 30 Bundesstaaten erhalten etwa Schmerz- oder Krebspatienten Gras auf Rezept. Kein Wunder, dass die meisten “Hot Stocks” der Cannabis-Industrie auf dortigem Boden gewachsen sind. In den vergangenen Jahren sind die Kurse mancher Unternehmen, die in irgendeiner Form mit dem Rohstoff in Verbindung stehen, in teils astronomische Höhe geschossen. Nach dem Bitcoin waren Cannabis-Aktien der große Hype - der jedoch für manche Spekulanten bereits ein ernüchterndes Ende fand. So glänzen viele Branchenvertreter, wie zum Beispiel Aphria (eines der weltgrößten Cannabis-Unternehmen) mit hochvolatilen Kursverläufen:
 
3-Jahres-Chart Aphria-Aktie
 
Unterm Strich erzielten Spekulanten mit der Aphria-Aktie innerhalb der vergangenen drei Jahre zwar eine berauschende Rendite von +1200 Prozent, doch die turbulente Kursentwicklung war wohl nur mit starken Nerven - oder sanften Drogen zu ertragen.

Grünes Licht für Cannabis-Aktien?
Da die Cannabis-Branche noch relativ jung ist und Unternehmen wie Kraut aus dem Boden sprießen, wird sich erst in den kommenden Jahren die Spreu vom Weizen trennen, Konsolidierungswellen die Branche neu ordnen und wenige Gewinner vielen Verlierern gegenüberstehen. Wer Cannabis-Aktien trotz aller Risiken und Nebenwirkungen als spekulative Depotbeimischung in Erwägung zieht, hat mehrere Möglichkeiten, von der Wertschöpfungskette des Rohstoffs zu profitieren: Anbau, Lizenzen und Patente, Distribution, Forschung, Technologie und Pharmazie, Automobilindustrie, Getränkehersteller - zahlreiche Branchen handeln, forschen und entwickeln Hanf- oder Cannabis haltige Produkte. Oder planen, die neu entdeckte Kult-Pflanze in ihr bestehendes Sortiment zu integrieren.

So zum Beispiel:
Aphria
Nach verlustreichen Monaten schnellte die Aktie der seit 2015 gelisteten Aktie um +68 Prozent in die Höhe. Mit einer Marktkapitalisierung von rund drei Milliarden Dollar ist Aphria eines der weltgrößten Cannabis-Unternehmen und produziert sowohl für den medizinischen- als auch den Freizeitmarkt.

Canopy Growth
Das ebenfalls in Kanada ansässige Unternehmen ist der weltweit größte Hersteller und Vertreiber von qualitativ hochwertigem Cannabis. Canopy Growth Hauptgeschäftsfelder sind die Produktion, der Vertrieb und der Verkauf von Cannabis, wobei das Unternehmen auch hierzulande den richtigen Riecher hatte: Canopy Growth übernahm Ende 2018 für 145 Millionen Euro den Tuttlinger Vaporizerhersteller Storz & Bickel und entwickelt sich seitdem wie im Rausch: +71 Prozent stehen seit Jahresbeginn auf der Kurstafel.

Aurora Cannabis
Last but not least: Spekulanten-Liebling Aurora Cannabis. Die Aktie des ebenfalls kanadischen Unternehmens erzielte 2019 bis dato immerhin eine Performance von +35 Prozent. Aurora Cannabis deckt die gesamte Wertschöpfung ab: Vom Anbau über die Produktion bis hin zur Kundenbetreuung und ist in 20 Ländern auf fünf Kontinenten aktiv. Ein großer Fisch, der Anleger mit einer aggressiven Expansionsstrategie, einer breiten Produktpalette und spannenden Zukunftsperspektiven “berauscht”.

Cannabis-Experimente bleiben eine hochspekulative Angelegenheit, die Investoren viel Nerven, Geduld und mitunter auch Geld kosten kann. Sehen Sie spekulative Investments deshalb als das, was sie sind: Eine spannende (aber keinesfalls entspannende) Depotbeimischung, die jedoch kein Ersatz für ein langfristig orientiertes Champions-Investment sein darf. Denn wie die Börsenverlag-Anlagepyramide zeigt, sollten (Defensive-)Champions-Investments die Depot-Basis bilden und Spekulationen nur mit einem kleinen Depot-Anteil stattfinden.

Ich wünsche Ihnen ein entspanntes Wochenende,

Ihre Miss boerse.de









Miss boerse.de liest lieber Wirtschaftszeitungen als Illustrierte und kauft Amazon-Aktien statt neuer Schuhe. Unsere Autorin schreibt in ihrer Kolumne tagesaktuell über Ereignisse aus der...
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