Continental im Rückwärtsgang? Warum das Dax-Unternehmen jetzt neue Wege gehen muss

Montag, 14.01.19 11:42
Die Continental-Aktie ist bereits 2018 sprichwörtlich “unter die Räder gekommen”: Auf Jahressicht verlor das Papier rund die Hälfte an Wert und war einer der schwächsten Werte im Deutschen Leitindex. Ob sich die Talfahrt des Automobil-Zulieferers 2019 fortsetzt? Gut möglich, denn der Dax-Wert verlor heute zu Handelsbeginn rund -3 Prozent an Wert. Anleger setzten die Conti-Aktie auf die Verkaufsliste, weil das Unternehmen mit schwachen, vorläufigen Jahreszahlen sowie einem enttäuschenden Ausblick an die Öffentlichkeit trat. Der Umsatz betrug 2018 mit 44,4 Milliarden Euro zwar etwas mehr als im Vorjahr, doch die Marge lag nur bei mageren acht bis neun Prozent - ein weiterer Rückgang im Vergleich zu 2017 (10,8 Prozent) und 2018 (9,2 Prozent).

Trend verpennt
Als Zulieferer leidet Continental unter den radikalen Umbrüchen in der Automobilindustrie, die das Unternehmen wortwörtlich “überrollten”. Ebenso wie die Branchenkollegen Bosch oder ZF hatte Continental den digitalen Wandel zunächst unterschätzt. Autokäufer sind von der Frage: “Diesel, Benziner oder Elektro?” verunsichert und zögern bei der Anschaffung eines Neuwagens. Dies belastet die Verkaufszahlen vieler Automobilhersteller, die zu Contis-Kundenstamm zählen.

Außerdem stand die Abhängigkeit vom herkömmlichen Bremsen-, Elektronik- und Sensorengeschäft dem Unternehmen zu lange im Wege. Während amerikanische und chinesische Betriebe an den ersten elektrischen und / oder autonomen Fahrzeugen bastelten, setzte man in Deutschland noch auf Diesel. Zulieferer hierzulande haben den “Trend verpennt” und müssen jetzt tief in die Tasche greifen, um den Rückstand auf innovative Unternehmen wie z.B. Google, die schon seit Jahren an Roboter-Taxis und autonomen Fahrzeugen tüfteln, aufzuholen.

Konzernumbau kostet
Genau in diesem Markt sieht Continental jedoch die Zukunft. Vergangene Woche präsentierten die Hannoveraner auf der CES ihre Vision von Paketdiensten bestehend aus autonomen Transportern und Roboter-Hunden, die Sendungen zustellen. Auch will sich der Konzern in Zukunft verstärkt auf die Software-Produktion konzentrieren.

Visionäre Pläne, die Continental momentan allerdings in erster Linie Geld kosten. Um die liquiden Mittel für Innovation und Forschung zu beschaffen, verordnete sich das Unternehmen im Sommer 2018 eine Radikalkur: Die Antriebstechnik wird abgespalten und soll zu maximal einem Viertel an die Börse gebracht werden. Reifen und der Rest der Autozuliefersparte - unter anderem Elektronik, Sensoren und Bremsen - bleiben zumindest vorerst komplett unter dem Dach der Konzernholding. Mit dem Geld aus dem Börsengang will Conti Investitionen und Zukäufe finanzieren.

Anleger sollten die Conti-Aktie mit Vorsicht genießen. Zum einen, weil momentan unklar ist, ob Continental die erhoffte Transformation gelingt. Zum anderen, weil der geschäftliche Erfolg des Unternehmens teils von nicht kalkulierbaren, wirtschaftspolitischen Faktoren wie dem Handelsstreit zwischen den USA und China abhängt. Auch die zehnjährige, volatile Kurshistorie der Continental-Aktie spiegelt die Konjunkturabhängigkeit des Unternehmens wider. Investieren Sie deshalb lieber in die 100 erfolgreichsten Aktien der Welt, die mit langfristig hohen Renditen und geringeren Rückschlägen dem Markt weit voraus sind!

Ich wünsche Ihnen einen entspannten Börsentag,

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