Dem Bärenmarkt zum Trotz

Montag, 25.07.22 13:02

Die Rekordinflation im Euroraum hat Europas Währungshüter endlich zum Handeln genötigt. Für Ruhe an den Märkten hat er gleichwohl nicht gesorgt. Alle Anlegenden, egal ob institutionelle oder Privatanleger, schauen weiterhin mit einem Kloß im Hals auf die Tageskomik der Börsen. Die Unsicherheit überwiegt nach wie vor. Normalerweise liegen die meisten Menschen in dieser sommerlichen Ferienzeit am Strand, vergnügen sich und schalten einfach mal so gut es geht ab. In diesem Jahr allerdings passiert jeden Tag an den Märkten etwas, sodass das eigene Portfolio nicht wie sonst mit ein paar Put-Optionsscheinen einfach abzusichern ist. In der Tat benötigt das Depot gerade jetzt besondere Aufmerksamkeit. Die Märkte sind weiterhin von Hoffnungen und Befürchtungen in Bezug auf Inflation, Zentralbankpolitik, Wirtschaftswachstum, Krieg, Energieversorgung und Pandemie getrieben. Es wird einige Zeit dauern, bis sich ein klares Bild abzeichnet: Ein Bild, aus dem sich unzweifelhafte Handlungsempfehlungen ableiten lassen. Und wenn wir berücksichtigen, dass ein Bärenmarkt durchschnittlich 450 Tage andauert, besteht offenbar im Augenblick zumindest kein zwingender Handlungsbedarf. Dass der Markt gegenwärtig mal wieder ein paar hundert Punkte gut gemacht hat, sollte nicht zu voreiligen Käufen veranlassen. Kapitalerhalt und Sicherungslinien sind weiterhin ein Gebot der Portfolioverwaltung.

Eine dauerhaftere Verbesserung der Marktstimmung erscheint erst wahrscheinlich, wenn die Inflation beständig sinkt und die Anlegenden mehrheitlich davon überzeugt sind, dass die Gefahr fortlaufender Preiserhöhungen vorbeigeht.

Um das Portfolio resistenter zu machen und sich gegen ein mögliches Rezessionsszenario zu positionieren, bei dem schwächere Konjunkturdaten zu niedrigeren Gewinnerwartungen und einem weiteren Rückgang der Aktienkurse führen, könnten Anlegerinnen und Anleger beispielsweise stärker auf Engagements in hochwertige Ertragstitel setzen. Strategien mit vollständigem Kapitalschutz können es Anlegenden ebenfalls ermöglichen, die Volatilität zu ihrem Vorteil zu nutzen und mögliche Abwärtsrisiken zu verringern. Ein Fehler, den man allerdings vermeiden sollte, ist aus Angst gar nicht investiert zu sein. Gerade volatile Marktphasen bieten immer wieder Chancen zum Nachkaufen und Positionsaufstocken. Wichtig wird es dabei sein, sich ein diversifiziertes Depot aufzubauen. Mit strukturierten Wertpapieren lässt sich das vielfach einfacher und weniger riskant umsetzen als mit Direktinvestments; auch, wenn die Aktie mitunter das weniger komplexe Produkt sein mag.

 

 

Lars Brandau ist seit Gründung des Deutschen Derivate Verbands (DDV) Geschäftsführer und vertritt den DDV auch in den Arbeitsgruppen des europäischen Dachverbands EUSIPA. Der...