Disziplin wichtiger als Timing

Montag, 10.01.22 11:10

Das neue Jahr verspricht aus vielerlei Hinsicht spannend zu werden. Bisher dominieren noch die Optimisten, die weiterhin von volatilen Märkten profitieren wollen. Anlegerinnen und Anleger, insbesondere die neu Hinzugekommenen, sind jedoch gut beraten, sich nicht ständig von der Tageskomik der Börsen beeinflussen zu lassen. Eine regelmäßige Überprüfung der Portfolioallokation ist sicherlich sinnvoll. Privatanlegende schichten allerdings ihr Depot viel zu oft um und versuchen, die Kauf- und Verkaufskurse zu timen.

Obwohl die Ordergebühren in den letzten Jahren stark gesunken sind und Deutschland insgesamt eher günstige Bankspesen aufweist als beispielsweise Italien, Spanien, Österreich oder Frankreich, entstehen so durch das Timing unnötige Kosten. Hin und her, Taschen leer – so subsumierten es vor vielen Jahren schon die alten Börsengurus. Außerdem sorgt die direkt abgeführte Abgeltungssteuer dafür, dass sich der Wiederanlagebetrag zunächst reduziert, sofern ein Gewinn realisiert wird, der die Freibeträge übersteigt.

Grundsätzlich sollte auf eine passende Allokation geachtet werden, die zu den Zielen und Wünschen passt. Wenn durch starke Kursveränderungen beispielsweise das Aktiensegment deutlich ansteigt, sollte geprüft werden, ob man Aktien oder Aktienfonds reduziert und in defensivere Anlagen umschichtet, bis die prozentuale Gewichtung der gewählten Anlageklassen wieder zu den eigenen Prioritäten passt.

Häufig ist es gar nicht nötig oder sinnvoll, in einer allgemeinen Marktschwäche Positionen aufzulösen. Außerdem ist darauf zu achten, ob es sich um exogene Effekte wie 9/11, Brexit oder eben aktuell die Pandemie handelt. Meist sind das eher Kaufgelegenheiten, auch wenn sich ein solcher Hinweis wenig empathisch anhört. Statt zu spekulieren, welche Firma in den kommenden Monaten am stärksten von einem möglichen Ende der Pandemie profitiert, sollten sich Anlegerinnen und Anleger darauf fokussiert, Unternehmen herauszufiltern, die möglichst planbare, nachhaltige Erträge erwirtschaften.

Fazit: Disziplinierte, nicht emotionale Ansätze, die sich nach fundamentalen Wirtschafts- oder Unternehmensdaten und persönlich aufgestellten Prioritäten richten, verdienen den Vorrang. Bei einer guten, breit gestreuten Depotstruktur ist es dann auch nicht nötig, viele Umsätze zu tätigen. Erfolgt der Depotaufbau auch mit regelmäßigen Sparplänen, reduziert sich das Timingrisiko zusätzlich.

Wer das beherzigt, muss gar nicht über die Massen optimistisch sein; es reicht, wenn Anlegende diszipliniert ihre Pläne zum Vermögensaufbau und –erhalt verfolgen und durchhalten. 

Lars Brandau ist seit Gründung des Deutschen Derivate Verbands (DDV) Geschäftsführer und vertritt den DDV auch in den Arbeitsgruppen des europäischen Dachverbands EUSIPA. Der...
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