Marktübersicht

Donnergrollen an der Inflationsfront

Montag, 08.11.21 09:59

Der beste Schutz des Kapitals ist dessen Vermehrung. Konkret stellt sich die Frage, wie offensiv Anlegende das Thema angehen wollen. Denn manch einer, der in der Hoffnung auf hohe Zuwachsraten investierte, erlitt Schiffbruch, weil sich die Risiken der Anlage als deutlich realer als die Chancen herausgestellt hatten. Das alles überlagernde Thema für Anlegerinnen und Anlegern ist derzeit die Inflation. So ganz überraschend kam die nicht. Was hatte man nach Jahren der ultralockeren Geldpolitik, der Null- und Negativzinsen sonst erwartet? Zumindest reagieren die Märkte auf die immer neuen Hiobsbotschaften von der Inflationsfront ausgesprochen indifferent. Wir gewöhnen uns bereits an die Bilder von Tankstellen mit Benzinpreisen oberhalb der magischen Marke von 2,00 EUR. Auch vergeht kein Tag ohne Berichte über zum Teil zweistellige prozentuale Preissteigerungen gegenüber dem Vorjahr, etwa bei Lebensmitteln und Energiepreisen. Zwar werden beide Bereiche bei der Berechnung der sogenannten Kerninflation herausgerechnet, aber für Verbraucher ist beides natürlich unverzichtbar.

Beim Aufbau und der Verwaltung von Vermögen entscheidet vielfach das Chance-Risiko-Profil über Investitionsentscheidungen. Passt das Produkt in den Portfoliokontext oder nicht; das ist die entscheidende Frage. Anlegerinnen und Anleger profitieren seit Jahren von einer nie da gewesenen Produktvielfalt. Allerdings muss man dabei vor allem erst einmal Zeit investieren und immer wieder neu nachdenken.

Produktlösungen, die vor längerer Zeit einmal sehr gut geeignet waren, können im aktuellen Marktumfeld nicht unbedingt die Sinnvollsten sein.

Strukturierte Wertpapiere werden vermehrt zur „Verstetigung von Erträgen“ eingesetzt. Das erklärt sicher ein Stück weit das große Interesse an Teilschutz-Produkten, wie zum Beispiel Express-Strukturen. Vor allem auf Einzelwertebene bieten viele Produkte interessante Seitwärtsrenditen bei gleichzeitig hohen Risikopuffern. Erträge können somit zum Teil von der Marktentwicklung entkoppelt erzielt werden und – je nach Produkt - auch dann, wenn die Hausse an den Börsen ins Stocken gerät.

Um langfristig vorne zu liegen, muss das Depot breit allokiert sein. Wer im Rahmen der Möglichkeiten den Zugang zu strukturierten Wertpapieren gefunden hat, ist in dieser Hinsicht schon einmal gut beraten.

Lars Brandau ist seit Gründung des Deutschen Derivate Verbands (DDV) Geschäftsführer und vertritt den DDV auch in den Arbeitsgruppen des europäischen Dachverbands EUSIPA. Der...
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