Großhirn und Kleinhirn bei Anlageentscheidungen

Freitag, 18.03.05 15:40

Sehr geehrte Privatanleger,

Für seine zweite Amtszeit hat George Bush sich vorgenommen, die Sozial- und Altersversicherung in den USA grundlegend zu reformieren. Wenn es nach George Bush geht, wird es bald keine staatliche Zwangsversicherung mehr geben. Alle Bürger werden dann einen bestimmten Betrag in einen individuellen, steuerbegünstigten Fondssparplan einzahlen. Auch Arnold Schwarzenegger möchte die Pensionen der Angestellten des Bundesstaates Kalifornien in einer ähnlichen Weise privatisieren. Insgesamt würde dies nichts anderes als eine Revolution von mehr als 100 Jahren Altersversicherungspraxis bedeuten.

Diese gigantischen Riester-Pakete nutzen sicher der Wall Street, die traditionell Bushs Klientel ist. Sie bestechen in der Theorie auch durch Vorteile: während bei dem jetzigen staatlichen Umlageverfahren die gegenwärtige Generation für die Lasten der Alten aufkommt, wäre bei dem neuen Modell jeder für sich selber verantwortlich. Die Effizienz der Alterversorgung könnte steigen. Weil die Altersversorgung zudem steuerbegünstigt wäre – schon jetzt können Amerikaner einen bestimmten Teil ihres Einkommen steuerfrei in sogenannte 401k Sparpläne einlegen und müssen diese erst bei der Entnahme im Alter versteuern – wäre die Rendite für den Privatsparer wohl sehr hoch.

In der Praxis könnten allerdings viele Bürger überfordert sein. Jonathan Cohen, ein Professor an der Princeton University – ich habe dort 1997 promoviert - hat jetzt zusammen mit Sam McClure eine Serie von Experimenten durchgeführt, bei denen es um zukünftige Erträge und Investmententscheidungen ging. Unter anderem wurden folgende Fragen gestellt: „Wollen Sie ein Amazon.com Geschenkzertifikat im Wert von 16,31 $ jetzt oder in einem Monat haben?“ Während die Antwort darauf leicht ist, wird es bei der nächsten Frage schon schwieriger: „Wollen Sie 16,33 $ in einem Monate oder 24,33 $ in einem Monat und zwei Wochen?“ Testpersonen mussten insgesamt 60 solcher Fragen beantworten. Mit Hilfe von Kernspintopographen wurde beobachtet, welche Bereiche des Gehirns bei den jeweiligen Fragen aktiv waren.

Die Erkenntnisse der Studie sind frappierend: Wenn es um den zukünftigen Wert von Anlageentscheidungen und Investments ging, war das Großhirn sehr aktiv. Dort wurden die verschiedenen Möglichkeiten und Alternativen durchgespielt. Das Großhirn ist derjenige Teil unseres Gehirns, der vor allem für das Denken verantwortlich ist und sich relativ spät in der Evolution entwickelte.

Wenn sich eine Testperson für das Jetzt entschied, sprang das Kleinhirn (limbisches System) ein. Das Kleinhirn gibt es auch bei Reptilien. Es ist derjenige Teil unseres Gehirns, in welchem die primitiven Flucht-, Aggressions-, Beute- und Sexualinstinkte gespeichert sind. Das Kleinhirn war zu einer Zeit ein guter Steuerungsmechanismus, als die Beute oder das Futter verderblich waren. Oft hieß es: jetzt oder nie, gefressen oder gefressen werden! Auch heute kommt das noch ganz gut in dem Börsianerspruch „Gier frisst Hirn“ zum Ausdruck.

Leider ist die moderne Welt komplexer. Investieren heißt, mit Zinsen und Zinseszinsen umgehen zu können. Mathematisch mag das noch einigermaßen überschaubar sein, wenn es jedoch um einen konkreten Aktienkauf geht, übernimmt oft das Kleinhirn. Das Impulsverhalten übt mehr Einfluss aus, als wir wahrhaben wollen.

Ich habe zudem in meinen Seminaren immer wieder die Erfahrung gemacht, dass sich meistens leider erst Menschen ab 30 für den systematischen Vermögensaufbau interessieren. Bis heute hat ein Drittel der Angestellten in den USA, die einen 401k-Plan eröffnen könnten, von dieser attraktiven Möglichkeit keinen Gebrauch gemacht. Diese Personen ziehen anscheinen einen Dollar heute einer sehr gute Rendite für Ihr Investment vor. Hinzu kommt, dass auch der 401k nicht frei von Problemen ist, da das Instrument über den Arbeitgeber läuft. Werden die Pensionskassen geplündert oder meldet das Unternehmen Insolvenz an (Enron), stehen die Mitarbeiter ohne einen Versorgungsanspruch dar.

Der alte Kostolany sagte: „Studieren Sie Psychologie, aber niemals Volkswirtschaft, wenn Sie an der Börse erfolgreich sein wollen!“ Als Volkswirt möchte ich hinzufügen: auch die Betriebswirtschaft ist extrem wichtig. Sie müssen sich ein Bild davon machen, wann ein Unternehmen fundamental über- oder unterbewertet ist. Erst dann können Sie die Psychologie verstehen. Auf die Volkswirtschaft können Sie allerdings in den meisten Fällen wirklich verzichten.

Gute Investments wünscht,

Ihr

Prof. Dr. Max Otte

www.privatinvestor.de

Den Titel als Dipl.-Volksw. erhielt Max Otte 1989 durch den erfolgreichen Abschluss des Studiums an der Universität Köln. 1991 erlangte er den Titel Master of Arts in Public Affairs an der...

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