Corona-Pandemie: Befürchtungen und Folgen

Mittwoch, 27.05.20 14:41

Inflation oder Deflation? Staatsverschuldung ohne Grenzen? Corona-Ängste schlimmer als das Virus? Elektromobilität im Aufwind?

Ja oder nein? Droht nach dem Überwinden der Corona-Pandemie eine gehörige Inflation?


Zunächst einmal gingen die Verbraucherpreise in Deutschland um 0,9 % und in der Euro-Zone um 0,4 % nach unten, mochte es auch vereinzelt – wie bei Toilettenpapier und Atemschutzmasken – zu Wucherpreisen durch Hamsterkäufe kommen. Doch wie geht es nun wohl mittelfristig weiter?


Da sind sich Ökonomen und Börsenexperten in ihren Einschätzungen völlig uneinig, wenn es um folgende Frage geht: Was geschieht, wenn die Corona-Krise abebbt und es zu keiner 2. Infektionswelle kommt? Ich stelle die Argumente Pro und Kontra in jeweils vier bis fünf Stichpunkten gegenüber, damit Sie sich ein Bild von den gegenwärtigen Diskussionen machen können. Während es bei Umstellung auf chancenreiche Geschäftsmodelle vor allem um den Kampf gegen den Klimawandel geht, rückt hier der Megatrend Nachhaltigkeit ins Abseits.

Was spricht für eine Inflation? Fünf Hauptgründe:

  • Viele Verbraucher rechnen mit stärker steigenden Preisen. Da sind erneute Hamsterkäufe möglicherweise nicht mehr weit.
  • Die Zentralbanken pumpen weitere Billionen in Form von Staatsanleihen in die Märkte. Wohin mit diesen riesigen Geldsummen?
  • Die Produktion sinkt möglicherweise stärker als die Arbeitseinkommen, sodass zumindest in einzelnen Branchen Güterknappheit droht. Bei hoher Nachfrage und geringem Angebot sind Preissteigerungen ganz normal.
  • Stoppt die Globalisierung der Weltwirtschaft als Folge monatelang zusammengebrochener Lieferketten, können sich regionale Produkte verteuern.
  • Die Pleite vieler Mittelständler als Folge mannigfacher staatlicher Verbote und Grenzschließungen bringt es mit sich, dass die Begehrlichkeiten finanzstarker Großkonzerne wachsen, sich die gefährdeten Unternehmen preisgünstig einzuverleiben. Mangels Wettbewerb sind Preiserhöhungen wahrscheinlich.

Was spricht gegen eine Inflation? Vier wesentliche Gründe:

  • Die meisten Dienstleister und Einzelhändler rechnen mit sinkenden Preisen, weil die verunsicherten Verbraucher zwar fleißig Lebensmittel einkaufen, sich aber bei teuren Gebrauchsgütern spürbar zurückhalten.
  • Da die Corona-Pandemie Lohnzuwächse ausbremst und die Arbeitslosenquote erheblich ansteigt, fehlt das Geld, um den Anbietern die Kassen zu füllen. Ersparnisse wandern weiterhin ins Sparbuch statt in Aktien.
  • Die Zeiten erheblicher Preissteigerungsraten scheinen vorerst einmal vorbei. Denn Zinssätze, Teuerung und Wirtschaftswachstum haben sich im ersten Halbjahr 2020 deutlich verringert. Dieser Trend zeichnet sich nicht nur in Deutschland, sondern in zahlreichen ausgereiften Volkswirtschaften ab. Bei einer 2. Corona-Infektionsrate verzögert sich die Erholungsphase. 
  • Die Krisenwährung Gold einmal ausgeklammert, sinken oder stagnieren die Preise der meisten wichtigen Rohstoffe. Dies betrifft insbesondere Erdöl und Kupfer. Der Ölpreis sank von 2018 bis Mitte 2020 um die knappe Hälfte. Auch Kupfer war im Schnitt um ein Fünftel billiger zu haben.

Die Staatsverschuldungen wachsen und ebenso die Corona-Covid-19-Ängste: Machen Sie sich davon frei!

 

Eine Krisenbewältigung auf Pump zeichnet sich ab. Als Folge der Corona-Pandemie und den einhergehenden Ängsten führen milliardenschwere staatliche Rettungspakete zu schrumpfenden Volkswirtschaften mit gewaltig ansteigenden Verbindlichkeiten seitens Kommunen, Ländern und Nationen.


So wächst auch in Europa das Risiko einer nur schwer zu bewältigenden Schuldenkrise. Die deutsche Bilanz rutscht von der „schwarzen Null“ wieder deutlich ins Minus. Die Schuldenuhr läuft also wieder vorwärts. Die Gesamtverschuldung liegt Mitte Mai 2020 bei 1,975 Billionen Euro. Pro Kopf sind dies 23.750 Euro. Je großzügiger die Hilfe-Pakete werden, umso mehr erhöht sich diese Zahl. Es ist unglaublich schwer, einmal gewährte Wohltaten wieder zurückzunehmen.

 

Die Staatsverschuldung wächst in Japan um 14,5 Prozentpunkte auf das traurige Rekordniveau von nunmehr 252 %. In den USA ist der prozentuale Anteil der Staatsverschuldung auf das Bruttoinlandsprodukt BIP bezogen mit 22,1 % am höchsten. Auch in Italien (20,7 %), Frankreich (16,9 %), Großbritannien (10,3 %) und Kanada (20,9 %) sieht es ziemlich düster aus. Da halten sich die 8, 9 % in Deutschland noch in vertretbaren Grenzen.


Kaum Arztbesuche und Klinikanmeldungen als Folge der Corona-Ängste.

 

Nachdem die Ansteckungsängste nicht schwinden, meiden noch immer viele Patienten den Arztbesuch. So bleiben Herzinfarkte, Krebserkrankungen und Schlaganfälle unentdeckt, wobei das Risiko häufig die Corona-Ansteckungsgefahr deutlich übertrifft. Die häufigsten Todesursachen mit Erfassung von Herzkreislauf-, Lungen-Erkrankungen sowie Krebs führten 2019 zu rund 363.160 Fällen. Deutlich über 220.00 Todesopfer gab es allein bei Herzkreislauf-Störungen.

Da stellt sich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen, insbesondere dann, wenn die Pandemie abklingt. Darf man die Luftfracht, die Container-Schifffahrt und damit die für Wachstum, Umsatz, Ertrag, Lebensstandard und sprudelnden Steuereinnahmen so wichtigen Lieferketten weiterhin ausbremsen? Rechtfertigt es, so richtig die ersten Schritte der Infektionseindämmung auch waren, sich so zögerlich bezüglich Kindergarten-, Schul- und Universitätsschließungen zu gebärden? Ist es nicht weitaus gefährlicher, Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebs und Diabetes unbehandelt zu lassen, als sich vielleicht mit dem Corona-Virus anzustecken?

Jetzt in Automobilbauer- und Autozulieferer-Aktien einsteigen und auf Elektromobilität setzen?


Die Elektromobilitäts-Aktien leiden schon seit geraumer Zeit aufgrund der großen Konkurrenz und Antriebsvielfalt, die Ausgaben in die Höhe und Erträge in die Tiefe treibt.  

 

Nun gesellt sich noch die Coprona-Covid-19-Pandemie mit dem dadurch ausgelösten Crashszenario hinzu. Die Verunsicherung in Europa, großteils auch weltweit, ist riesengroß. Auf den Punkt gebracht heißt dies: Lebensmittel und Toilettenpapier ja – Auto nein!

Die Angs vor Einkommensverlusten, die Furcht vor Entlassung drücken auf das Stimmungsbarometer und mindern die Lust auf Einkaufserlebnisse. Lebensmittel, Streaming (Netflix), Videospiele (EA, Nintendo, Sony) sind gefragt. Aber an teure Investitionen denkt derzeit kaum jemand. Die Autokäufe gehen zurück.

Die Produktion wird auch bei den deutschen Großkonzernen zurückgefahren, siehe BMW, Daimler, VW.

So hält sich auch die Vorliebe für Elektroautos in Grenzen, zumal Reichweite, Preisniveau, Ladeprobleme einer überbordenden Begeisterung im Wege stehen. Ich gehe davon aus, dass sich die führenden Automobilhersteller und Zulieferer aus dem DAX, MDAX und SDAX in den nächsten Jahren erholen, zumal der starke Nachhaltigkeitstrend im Automobilsektor an Elektromobilität und im Nutzfahrzeugbereich auch an Wasserstoff bzw. Brennstoffzellen (Ballard Power, NEL ASA, Plug Power, PowerCell) geknüpft ist. Nachdem in China Produktion und Absatz wieder anlaufen, sollten sich auch Geely und BYD bei Ausbleiben einer 2. Corona-Welle ab 2. Halbjahr 2020, sonst ab 2021 erholen.

 

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Beate Sander, eine ehemalige Realschullehrerin, startete ihre Börsenkarriere erst im Alter von 59 Jahren und ist heute Börsen-Millionärin. Die gefragte Kolumnistin, Moderatorin und...
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