Lilium: Der Senkrechtstarter geht an die Börse

Mittwoch, 07.04.21 17:23
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

Stau auf dem Weg zum Geschäftsmeeting? S-Bahn-Störung? Schnell mal zum Shoppen in die nächste Stadt? Kein Problem, das Flugtaxi steht bereits auf dem sogenannten Vertiport (Platz für vertikale Starts und Landungen) um die Ecke und befördert Sie zum Preis einer Taxifahrt von A nach B. Nur eben schneller und ohne Staugefahr. Was nach Science Fiction klingt, könnte in Metropolen weltweit bereits in ein paar Jahren Realität sein: Flugtaxi-Unternehmen wie das Münchner Start-up Lilium, dessen Konkurrent Volocopter oder das US-Pendant Joby Aviation stehen bereits in den Startlöchern, um sich ihren Platz über den Wolken zu sichern.

Milliarden-Markt oder Luftschloss?

Laut Studien verschiedener Unternehmensberatungen sollen im Jahr 2035 weltweit bereits etwa 23.000 Flugtaxis im Einsatz sein. 2050 könnten schon etwa 160.000 fliegende Elektromobile über Metropolen kreisen. Sie würden den stetig wachsenden Verkehrsdruck in Innenstädten und auf Verbindungsstrecken lindern und Menschen gleichzeitig schneller, leiser und eventuell sogar umweltschonender befördern. Branchenkenner unterscheiden dabei primär zwischen drei Einsatzgebieten: City-Taxis mit einer Reichweite von 15 bis 50 Kilometern, Airport-Shuttles sowie Intercity-Jets, die Distanzen von bis zu 250 Kilometern zurücklegen können.

IPOs für Spekulanten mit Weitblick

Obwohl aktuell weit und breit noch keine Flugtaxis zu sehen sind, wird an der Börse schon kräftig investiert, spekuliert und akquiriert: Volocopter hat vor Kurzem in einer Finanzierungsrunde, an der sich auch Blackrock beteiligte, 200 Millionen Euro eingesammelt und schmiedet angeblich Börsenpläne. Joby Aviation hat das SPAC-IPO bereits vollzogen – zu einer Bewertung von 6,6 Millionen Dollar. Der US-Branchenpionier hat nach eigenen Angaben schon rund 100 Testflüge absolviert. Bereits in zwei Jahren soll die US-Luftfahrtbehörde FAA Joby’s an Drohnen erinnernde Flieger genehmigen. Ein Jahr später könnte Joby Aviation dann den Regelbetrieb in Großstädten rund um den Globus aufnehmen – zunächst gesteuert von Piloten, später wahrscheinlich auch autonom. Dieser zeitliche Vorsprung ist ein entscheidender Vorteil gegenüber Lilium, die in der jüngsten Vergangenheit keine Meldungen zu neuen Testflügen bekannt gemacht haben.

Um den kommerziellen Start im Jahr 2024 zu realisieren, bereitet Lilium nun den Gang an die Börse vor – über eine Fusion mit der US-Mantelgesellschaft (SPAC) Qell Acquisition Corp. Das Unternehmen erwarte aus der Ausgabe von Aktien und aus treuhänderisch verwalteten Barmitteln 830 Millionen Dollar und könnte nach dem IPO mit rund 3,3 Milliarden Dollar bewertet werden.

Skeptiker hegen jedoch Zweifel am wirtschaftlichen Erfolg von Flugtaxis. Zum einen aufgrund technischer Herausforderungen wie der Reichweite, der Koordination des Luftraumes oder der innerstädtischen Realisierbarkeit von Start- und Landeplattformen. Zum anderen ist es fraglich, ob Flugtaxis überhaupt „ankommen” – also gesellschaftlich akzeptiert, von einer breiten Masse genutzt und infolgedessen kommerziell lukrativ werden.

IPOs sind per Definition schon spekulative Abenteuer. Börsengänge von Start-ups aus einer komplett neuen Branche, die noch dazu über Mantelgesellschaften (SPACs) abgewickelt werden, gehen noch einen Schritt weiter und sind deshalb nur etwas für nervenstarke Börsenzocker oder Flugtaxi-Enthusiasten. Wie Sie Ihre Vermögensbildung dagegen auf ein solides Fundament stellen und zugleich überdurchschnittliche Gewinne an der Börse erzielen, erfahren Sie im kostenlosen „Leitfaden für Ihr Vermögen”, den Sie hier unverbindlich anfordern können.

Ich wünsche Ihnen einen entspannten, erfolgreichen Börsentag,

Ihre Miss boerse.de

Weitere Kolumnen von Miss boerse.de

Warum Warren Buffetts Investmentholding Berkshire Hathaway auf Rekordkurs liegt

Die teuerste Aktie der Welt kostet aktuell so viel, wie eine Eigentumswohnung: Vergangenen Freitag notierte die Berkshire Hathaway A-Aktie erstmals in ihrer Geschichte bei rund 400.000 Dollar(335.000 Euro). ...weiterlesen

Miss boerse.de liest lieber Wirtschaftszeitungen als Illustrierte und kauft Amazon-Aktien statt neuer Schuhe. Unsere Autorin schreibt in ihrer Kolumne tagesaktuell über Ereignisse aus der...
© 1994-2021 by boerse.de - Quelle für Kurse und Daten: ARIVA.DE AG - boerse.de übernimmt keine Gewähr