Nachhaltig investieren? Na klar! Denn Champions sind nachhaltig ...

Mittwoch, 04.11.20 14:40
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

ich hatte Ihnen im März geschrieben, dass der Corona-Crash eine Jahrzehntchance, vielleicht sogar eine Jahrhundertchance eröffnen würde. Darauf folgte eine scharfe Rallye, die nun seit einigen Wochen seitwärts konsolidiert wird, was aus technischer Sicht sehr gut gefällt. Immerhin haben unsere 100 Champions seit dem 30. März im Mittel 20,4% gewonnen, wobei 14 Titel sogar über 40% und sieben mehr als 50% zulegen konnten.

Die großen Corona-Gewinner waren dabei Technologie-Champions (vor allem Adobe +40%, amazon.com +55%, Apple +71%). Denn durch den Lockdown hat der Trend zum Online-Einkauf noch einmal einen Schub bekommen, während Themen wie Homeoffice/Homeschooling und damit Videokonferenzen im Zeitraffer weniger Monate eine Verankerung im Alltagsleben geschafft haben, für die es normalerweise Jahre gebraucht hätte. Dabei hat die Pandemie auch das (neue) Anlegerbewusstsein geschärft, wie beispielsweise die repräsentative Studie „Nachhaltige Geldanlage in Deutschland“ der Gesellschaft Puls Marktforschung im Auftrag der Quirin Privatbank unterstreicht. Konkret:

Mittlerweile achtet ein Drittel der Befragten stärker auf Nachhaltigkeit bei der Geldanlage, wobei der Anteil nachhaltiger Geldanlagen von derzeit 9,3% auf 24,6% im Jahr 2025 ansteigen soll. Jeder fünfte Privatanleger möchte bis in fünf Jahren sogar komplett auf nachhaltige Geldanlagen umsteigen! Dabei wissen nach einer Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge aber nur 14% der Befragten, was unter nachhaltigen Kapitalanlage überhaupt zu verstehen ist ... Deshalb zur Erklärung:

Als Standard für die Beurteilung nachhaltiger = verantwortungsvoller Investments hat sich das Kürzel „ESG“ durchgesetzt, das für Environment (Umwelt), Social (soziale Themen) und Governance (nachhaltige Unternehmensführung) steht. Das klingt zunächst einmal gut, denn welcher Anleger möchte schon in Unternehmen investieren, die von Umweltverschmutzung, Kinderarbeit oder Steuerbetrug profitieren? Doch dem Mainstream-Thema von Regulierern und institutionellen Investoren fehlt es bislang an einheitlichen Kriterien. So kommen die Nachhaltigkeits-Ratings verschiedener Rating-Agenturen zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen, wie nachhaltig einzelne Unternehmen einzuschätzen sind. Und um das Durcheinander zu erweitern, gibt es zahlreiche Ansätze, wie die jeweiligen Nachhaltigkeitsergebnisse dann in der Praxis anzuwenden sind:

Beim sogenannten „Best of Classes“-Ansatz wird ausschließlich in Unternehmen unbedenklicher Branchen investiert, während beim populäreren „Best in Class“ nur die nachhaltigsten Unternehmen aller Branchen infrage kommen (also auch Rüstungsunternehmen oder Ölförderer). Beim „Impact-Prinzip“ geht es um Firmen, die konkret messbare positive Effekte für bestimmte Nachhaltigkeitsthemen erreichen, und beim am weitesten verbreiteten „ESG-Ausschlussprinzip“ werden bestimmte Branchen bzw. Unternehmen als Investment ausgeschlossen. Sie sehen:

Nachhaltiges Investieren hat viele Facetten und verleitet deshalb schwarze Schafe zum „Greenwashing“, indem Investments als nachhaltig dargestellt werden, die es nicht wirklich sind. Zum Investieren mit gesundem Menschenverstand gibt es eben keine Alternative. Bei den 100 Champions ist uns kein Unternehmen bekannt, das gegen die UN-Global-Compact-Nachhaltigkeitskriterien (grobe Verstöße gegen Menschen- und Arbeitsrechte, gegen die Umwelt und gegen die Anti-Korruption) verstoßen würde, und alle 33 Vermögensaufbau-Champions aus dem boerse.de-Aktienfonds verfügen über ein MSCI-ESG-Rating. Also willkommen als nachhaltiger Investor ...

Mit bester Empfehlung
Ihr

Thomas Müller
Thomas Müller ist seit 1987 Verleger, Gründer und Vorstand der TM BÖRSENVERLAG AG, sowie Gründer und Vorstand der boerse.de Finanzportal AG. Börsenwissen,...
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