Ohne breite Euphorie können die Aktienmärkte nicht zu teuer sein

Freitag, 26.02.21 16:24
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

ich kenne keinen reichen Pessimisten, aber ich höre aus unserem Anlegerservice von vielen „Interessenten“, die den (Wieder-)Einstieg nach dem Corona-Crash im März 2020 verpasst haben und sich sehnlichst niedrigere Kurse wünschen. Doch:

Das Jahrzehnttief der Aktienmärkte dürfte hinter uns liegen, und Börsencrashs sind sehr seltene Ereignisse. Natürlich werden die Kurse auch in diesem Jahr noch deutlichere Korrekturen durchlaufen, aber Ausverkaufskurse wird es so schnell nicht wieder geben (und wenn doch, werden sich die Pessimisten dann bestätigt fühlen und weiter am Seitenrand bleiben). Zeitraum schlägt eben Zeitpunkt, wie unser neuer kostenloser Leitfaden aufzeigt. Die laufende Hausse fühlt sich einfach solide an, gerade weil es noch an der Euphorie breiter Bevölkerungsschichten fehlt. Das war vor 21 und auch vor 31 Jahren ganz anders:

Im März 1990 hatte der Dax 32 Punkte vor der 2000er-Grenze nach unten gedreht, und es sollte 1285 für mich als damaligen Jung-Verleger recht harte Tage dauern, bis dieser Rückschlag aufgeholt werden konnte. Damals war die Euphorie der Maueröffnung in sich zusammengebrochen, und der Dax hatte fast ein Drittel bis zum 16. Januar 1991 verloren. Im März 2000 ging dem Dax dann 65 Punkte oberhalb der (später) „magischen“ Marke von 8000 Punkten die Puste aus. Dabei hatte sich die Welt zur Jahrtausendwende im Börsenfieber befunden, der einen regelrechten New-Economy-Wahn befeuerte in dem jeder – gefühlt wirklich jeder – von der nächsten Emission am Neuen Markt schwärmte. Die darauf folgende dementsprechend gnadenlose Baisse hatte die ganze Finanzbranche umgepflügt (auch uns), zumal der Tiefpunkt erst nach 1100 Tagen (am 12. März 2003) gefunden wurde. Bis dahin war der Dax um unvorstellbare 73% weggebrochen, und es sollte insgesamt 2661 Tage dauern, bis es zu neuen Dax-Rekorden kam, bevor die Börsen schon wieder in die Finanzkrise taumelten. Doch:

Nach der Baisse ist vor der Hausse, und gerade die extremen Purzelbäume der Kurse zwischen 1998 und 2003 waren für uns die Initialzündung zur Entwicklung der Performance-Analyse. Weil wir heute die Möglichkeit haben, die besten Aktien der Welt zu identifizieren, investieren wir eben nicht in den Dax, sondern in Champions (mit boerse.de-Fonds bzw. BCDI-Indizes als Portfoliofundament). Dabei ist es nicht allein die bislang (auch coronabedingt) fehlende Euphorie (von den neuen Aktien-Spielern der Generation U40 jetzt einmal abgesehen), die optimistisch macht. Denn:

Pessimistische Analysten kritisieren, dass Aktien heute vergleichbar teuer seien, wie zum Hoch im Jahr 2000. Tatsächlich sind mittlerweile Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGVs) von 20 für moderat wachsende Unternehmen normal, während die Wachstumsdynamiker noch mit deutlich höheren Gewinnmultiplikatoren bewertet werden. Doch ich erkäre seit Jahren, dass die KGVs ganz einfach ansteigen müssen, weil die Zinsen am Boden liegen. Denn aus den Zinsrenditen von knapp 6% des Jahres 2000 sind mittlerweile reale Negativ-Renditen geworden. Wenn es aber keinen Vergleichszins mehr gibt, dann können Aktienmärkte auch nicht „zu teuer“ sein. Oder andersrum: Aktien werden noch viel viel teurer werden, bis die Zinsen wieder steigen. In diesem Jahrzehnt haben die Aktienkurse freie Bahn nach oben ...

Mit bester Empfehlung
Ihr

Thomas Müller

Thomas Müller ist seit Anfang der 1980er-Jahre Herzblut-Börsianer, seit 1987 Verleger von Börseninformationen, begeisterter Entwickler von Anlagestrategien, Autor,...


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