Sehr geehrte Privatanleger,
Spin-Offs von Großunternehmen sind oftmals interessante Investments für Privatanleger. Viele Fonds wollen die Anzahl Ihrer Titel konstant halten und werfen dann die Aktie des Spin-Offs aus dem Depot. Das belastet zunächst die Kurse und schafft Einkaufsgelegenheiten. Zudem setzt der Spin-Off häufig unternehmerische Energien im losgelösten Unternehmen frei, die sich positiv auf die Unternehmensentwicklung auswirken.
In den letzten Monaten gab es diese Möglichkeiten bei HypoReal Estate (WKN: 802770) mit einem Plus von 200% in zwei Jahren und Lanxess (WKN: 547040), dem Spezialchemikaliengeschäft von Bayer mit einem Plus von 85% in 10 Monaten. Auch die Deutsche Postbank war mit einem Plus von 60% in 15 Monaten ein sehr gutes Investment (WKN: 800100).
Voraussetzung ist allerdings dabei, dass es sich um echte Spin-Offs handelt, und nicht nur darum, dass die Muttergesellschaft Kasse machen will und weiterhin die Kontrolle ausübt. Ein typisches Beispiel hierfür ist der Börsengang von T-Online: nach einigen Jahren kaufte die Telekom die ausgegebenen Aktien viel billiger wieder zurück. Auch Infineon (WKN: 623100) und Epcos (WKN: 512800) waren Reinfälle.
Seit dem 22.11.2005 werden nun die Aktien der Metro-Tochter Praktiker Bau- und Heimwerkermärkte AG (WKN: A0F6MD) an der Börse gehandelt. Der Börsengang war etwas verschoben worden; der Start nach Gewinnen in der ersten Woche eher verhalten. Kann man hier noch einsteigen?
Der Praktiker-Spinn-Off ist insofern echt, als dass die Metro ihren beherrschenden Einfluss aufgibt. Mit einem Anteil von ca. 40,5% ist sie zwar noch der wesentlicher Aktionär, aber theoretisch kann das Praktiker-Management jetzt alleine agieren. Nicht ganz echt war der Spin-Off, weil die Metro 80% des Emissionserlöses durch den Verkauf eigener Praktiker-Anteile erzielt, das Geld also dem Konzern zuführt. Immerhin: 20%, also gut 100 Mio. €, fließen Praktiker zu.
Börsengänge und Spin-Offs sind immer Wetten auf die Zukunft. Immerhin: bei Spin-Offs gibt es eine Vergangenheit, die analysiert werden kann. Praktiker hat 338 Standorte, davon 227 in Deutschland. Hauptsächlicher Wachstumsfokus ist Osteuropa. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen 15.000 Mitarbeiter. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erzielte Praktiker einen Umsatz von 2,9 Mrd. € und einen Gewinne von 50 Mio. €. Für die ersten neun Monate des Jahres 2005 lag der Umsatz bei 2,3 Mrd. € und der Gewinn 78 Mio. €. Immerhin: in den ersten neun Monaten des Jahres 2005 wurde ein Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit von 180 Mio. € erzielt. Die davon abzuziehenden Sachinvestitionen betrugen 22 Mio. €.
Das Kurs-Umsatz-Verhältnis von Praktiker liegt bei ca. 0,3, das der Metro bei 0,2 und das von Bijou Brigitte bei erstaunlichen 5! Bei einem Marktwert von derzeit 900 Mio. € beträgt das KGV von Praktiker 2005 ca. 15, das der Metro ebenfalls 15 und das von Bijou Brigitte nur 14! (Grund ist die hervorragende Nettomarge von 18,7% bei Bijou Brigitte. Metro erzielt 1,7%, Praktiker 1,7%).
Praktiker ist in einem knallharten Segment tätig und gehört bei den Baumärkten sogar noch zu den Billiganbietern. Das Unternehmen hat schon längerer Erfahrung mit der Auslandsexpansion. Durch den Börsengang wird die Expansion erleichtert. Damit sinkt auch die Fixkostenbelastung. Praktiker ist nach eigenen Angaben der größte deutsche Baumarktanbieter mit einer zentralen Struktur. Das steigert nach Angaben des Managements die Effizienz im Einkauf und der Logistik. Die gestützte Markenbekanntheit beträgt in Deutschland 95%.
Spin-Offs bleiben Spekulationen. Hypo Real Estate war mir aufgrund der faulen Immobilienkredite der HVB zum Beispiel zu riskant. Aber für die Praktiker-Aktie spricht einiges. Sicherlich ist das Geschäft stark von der Baukonjunktur abhängig. Hier dürfte die Fortführung der Expansion nach Osteuropa die richtige Strategie sein. Und man darf auch noch eine ganz andere Überlegung anstellen: irgendwann werden sicherlich auch die großen amerikanischen Konzerne, allen voran Home Depot (WKN: 866953) verstärkt nach Europa wollen. Praktiker wäre dann sicher ein interessantes Übernahmeobjekt.
Hartgesottene warten vielleicht darauf, dass die Aktie in der Folge des Börsengangs deutlich nach unten korrigiert (was nicht eintreten muss) und schlagen dann unter 14,00 € zu. Auch zum jetzigen Kurs können Sie diese Spekulation mit einer kleinen Position wagen.
Erfolgreiche Investments wünscht
Ihr
Prof. Dr. Max Otte
www.privatinvestor.de