RWE überrascht die Analysten. Dennoch ist Vorsicht geboten...

Mittwoch, 15.05.19 11:12
RWE legte heute überraschend positive Geschäftszahlen vor. Wohlgemerkt: ausgenommen Tochter Innogy, die derzeit von E.ON übernommen wird. Im ersten Quartal stieg das bereinigte operative Ergebnis von 299 Millionen im Vorjahreszeitraum auf 510 Millionen Euro. Analysten hatte im Vorfeld wegen der Besetzung des Hambacher Forst durch Klimaaktivisten und die damit verbundene Zwangsunterbrechung im Tagebau mit nur 302 Millionen Euro gerechnet. Das bereinigte Nettoergebnis erhöhte sich ebenfalls von 78 Millionen auf 273 Millionen Euro. Übertroffene Erwartungen, steigender Aktienkurs: Das RWE-Papier war zu Handelsbeginn mit +2,35 Prozent der Favorit im Dax, der mehr oder weniger auf der Stelle trat. Anleger sollten jedoch trotz der jüngsten Kursgewinne des Energiekonzerns nicht vergessen, dass die RWE-Aktie innerhalb der vergangenen zehn Jahre über 60 Prozent an Wert verloren hat. Und vermutlich noch einige Jahre Tribut an die von der Bundesregierung geforderte Energiewende zahlen wird...


Ergebnisverbesserung auf tönernen Füßen
RWE möchte sich langfristig als größter, deutscher Ökostromkonzern positionieren. Die aktuelle Bilanz bezieht sich jedoch auf die Bereiche Braunkohle und Kernenergie, die europäische Stromerzeugung sowie den Energiehandel und lässt deshalb keine Rückschlüsse auf das künftige Geschäftsmodell zu. Im vergangenen Quartal war das Handelsgeschäft der große Gewinnbringer: nach einem Fehlbetrag von 24 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum stieg das operative Ergebnis der Sparte auf 255 Millionen Euro. Dieser Überraschungserfolg ist primär auf die gestiegenen Strompreise zurückzuführen, die naturgemäß jedoch starken Schwankungen unterliegen. Aus diesem Grund ist das Handelsgeschäft ein launischer Geschäftsbereich, auf den RWE in Zukunft nur bedingt “zählen kann”.

In den verbleibenden Sparten “europäische Erzeugung” und “Braunkohle und Kernenergie” waren die Ergebnisse teils sogar rückläufig: Die Stromerzeugung erwirtschaftete nach 159 Millionen Euro im Vorjahr nur noch 63 Millionen Euro. Im Segment Braunkohle und Kernenergie stieg das Ergebnis nur leicht.

Strombranche vor Konsolidierung
Aufgrund der Energiewende steht die gesamte Branche seit Jahren unter Druck und bedarf einer historischen Neuordnung. Diese sieht vor, dass RWEs Ökostromtochter Innogy, die erst seit 2016 an der Börse ist, zerschlagen und in einer komplexen Transaktion zwischen RWE und E.ON aufgeteilt wird. E.ON will die aktuell noch zu RWE gehörende Tochter komplett übernehmen und im Gegenzug den bisherigen Mehrheitsaktionär am eigenen Unternehmen mit knapp 17 Prozent beteiligen. Dabei will E.ON das Netzgeschäft und den Stromvertrieb von Innogy behalten, während die erneuerbaren Energien beider Konzerne unter dem Dach von RWE vereint werden sollen. RWE kann für seinen Teil der Transaktion bereits auf das “Okay” der EU-Wettbewerbshüter zählen, die Entscheidung in Sachen E.ON steht noch aus.

Aktien der Energiekonzerne stehen vermutlich noch Monate, wenn nicht gar Jahre, unter “Hochspannung”. Wenn Sie Ihre langfristige Vermögensplanung auf stabile (statt tönerne) Füße stellen möchten, dann investieren Sie doch mal “gewinnbringende” Lesezeit: im aktuellen boerse.de-Aktienbrief verraten wir Ihnen alle 100 Champions-Aktien, die - im Gegensatz zu RWE - mit einer mindestens zehnjährigen, erfolgreichen Kurshistorie und besonders geringen Rücksetzern glänzen. Ihre Aktienbrief-Gratisausgabe liegt hier für Sie bereit!

Ich wünsche Ihnen einen entspannte, erfolgreichen Börsentag,

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