Die Ryanair-Aktie ist mit insgesamt -21,63% seit Jahresbeginn im Sinkflug unterwegs. Investoren fragen sich deshalb möglicherweise zurecht, ob es der Billigairline gelingen wird, den zweistelligen Corona-Kursrücksetzer zeitnah auszubügeln. Aktuellen Medienberichten zufolge plant Ryanair zwar einen Angriff auf die Deutsche Lufthansa und will für insgesamt 24 neu zu vergebende Start- und Landerechte in Frankfurt und München mitbieten. Aber ob der erhoffte Ausbau von Marktanteilen ausreichen wird, um die rollende Konsolidierungswelle der Luftfahrtbranche zu überstehen - oder gar als Sieger daraus hervorzugehen?
Billigflieger mit dicker Finanzdecke
Gestern wurde bekannt, dass Ryanair "seine Chancen im deutschen Markt wahrnehmen" und Lufthansa-Slots in Frankfurt und München ergattern will. Gemäß Auflagen der EU-Kommission muss die Lufthansa im Gegenzug für das milliardenschwere, staatliche Rettungspaket demnächst Start- und Landerechte an Konkurrenten abgeben. Diese Gelegenheit dürften sich die Iren nicht entgehen lassen. Zum einen, weil Ryanairs Kassen im Branchenvergleich noch relativ gut gefüllt sind. Zum anderen, weil die Kranich-Airline spätestens seit der von Ryanair als “Verrat” betitelten Staatshilfe als Erzrivale Nummer Eins gilt.
Da Billigflieger im Gegensatz zu Lufthansa oder Air France keine Staatshilfen erhalten, hat Ryanair Ende Juni eine Klage beim EU-Gerichtshof angekündigt. Covid-19 könne keine Ausrede sein, das Wettbewerbsrecht zu ignorieren, teilte das Unternehmen mit. Glücklicherweise sind Ryanairs Kassen aber so gut gefüllt, dass die Iren auch ohne Rettungspaket deutlich besser durch die Corona-Krise kommen könnten, als große Mitbewerber. Obwohl auch Ryanair den Flugbetrieb wochenlang fast einstellen musste, verbrannte die Airline aufgrund der dünnen Personaldecke und geringeren Verwaltungskosten weniger Geld als “Schwergewichte”. Analysten zufolge würde die liquiden Mittel von rund vier Milliarden Euro bei Ryanair noch für zwei Jahre reichen. Dagegen wäre die Lufthansa ohne Staatshilfen schon pleite.
Beschleunigte Branchenkonsolidierung
Seit den Lockerungen der Reisebeschränkungen tobt nun erstmal ein Preiskampf unter den Airlines. Deren Priorität ist es, diesen Sommer möglichst viele Flieger zu füllen, wobei Ryanair mit besonders aggressiven Billig-Angeboten lockt. Der zunehmende Wettbewerbsdruck in Kombination mit der langsamen Erholung der Reisebranche wird deren Konsolidierung wahrscheinlich noch beschleunigen und die “Spreu vom Weizen trennen”. Airlines, die schon vor der Corona-Krise kaum profitabel waren, dürften die andauernde Preisschlacht in der Luftfahrtbranche nicht überleben.
Einige Experten gehen davon aus, dass auch beim Buchungsaufkommen erst mit dem Sommerflugplan 2022 das Normalniveau wieder erreicht werden. “Normalniveau” ist allerdings ein dehnbarer Begriff, da viele Menschen in Zukunft möglicherweise weniger und vielleicht auch nicht mehr so weit fliegen werden. Wie genau das “neue Normal” der Luftfahrbrachen aussehen wird und welche Airlines davon profitieren werden, kann derzeit niemand absehen.
Generell ist die Luftfahrtindustrie äußerst wettbewerbsintensiv und von Marktverschiebungen und Pleiten gekennzeichnet. So gerieten schon einige Zeit vor Corona Airberlin und später Condor in schwere Turbulenzen - von denen die Lufthansa-Aktie damals deutlich profitierte. Aufgrund des andauernden “Kräftemessens” in der Branche, sowie unkalkulierbaren Unsicherheitsfaktoren, wie beispielsweise neue Reise-Beschränkungen, sind und bleiben Airline-Aktien spekulativ.
Deshalb liegt es auf der Hand, dass sich selbst Branchenschwergewichte wie Ryanair oder die Lufthansa noch nie als
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