Synlab: Laboranbieter-IPO mit Risiken und Nebenwirkungen

Montag, 03.05.21 13:55
Ich weiß nicht wie es ihnen geht, aber ich kann die PCR- und Schnelltests meiner Kinder und mir seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie schon kaum noch zählen. Schule, Verwandtschaftsbesuche oder leichte Erkältungssymptome führten uns regelmäßig zur Teststation, deren Laborergebnisse meist bereits am nächsten Tag vorlagen. Absender der bislang glücklicherweise negativen Covid-19-Befunde war dabei entweder Eurofins oder Synlab – ein Labordienstleister, der am 30. April 2021 an die Börse ging.

Synlab mit verhaltenem Börsenstart


Für einen “Corona-Profiteur” ging das IPO jedoch etwas holprig vonstatten: Die Aktie wurde in der Zeichnungsphase zu einem Preis zwischen 18 und 23 Euro angeboten, wobei Investoren nur dazu bereit waren, die Papiere am untersten Ende der Preisspanne zu kaufen. Statt des erhofften Milliardenvolumens war die Emission damit nur maximal 772 Millionen Euro schwer. Dem Unternehmen selbst sollen brutto 400 Millionen Euro zufließen, womit Synlab Schulden tilgen und durch Übernahmen weiterwachsen will. Die Synlab-Aktie startete vergangenen Freitag zum Ausgabepreis in den Handel, kletterte dann aber kontinuierlich auf aktuell rund 20 Euro. Einschließlich Verbindlichkeiten wird das Unternehmen nun mit 5,9 Milliarden Euro bewertet.

Analysten-Attest falsch-positiv?


Eine stolze Summe, die im europäischen Wettbewerbsvergleich sonst nur Marktführer Eurofins übertrifft: Der französische Konkurrent kommt an der Börse auf eine Marktbewertung von 15,8 Milliarden Euro. Allein im ersten Quartal 2021 erwirtschaftete Eurofins Scientific Erlöse in Höhe von 1,6 Milliarden Euro. Da kann das vor rund 20 Jahren in Augsburg gegründete Unternehmen Synlab zwar nicht mithalten, doch der Umsatz- und Erlössprung im Gesamtjahr 2020 war beachtlich. Mit rund 11,6 Millionen PCR-Tests machte der Labordienstleister etwa 620 Millionen Euro Umsatz. Konzernweit beliefen sich die Erlöse auf 2,6 Milliarden Euro - ein Plus von 38% im Vergleich zum Vorjahr. 2021 peilt Synlab ein Umsatzplus von 17% auf mehr als drei Milliarden Euro an. Was manchen Investoren allerdings Sorgen bereitet ist, dass knapp die Hälfte des geplanten Zuwachses mit der langsam abflauenden Corona-Pandemie zusammenhängt.

Andere argumentieren dagegen, dass das international in 36 Ländern tätige Unternehmen mit seinen rund 20.000 Mitarbeitern mehr als nur Covid-19-Tests zu bieten hat: Synlab führt ein breites Spektrum von mehreren Tausend Analyseverfahren in der Human- und Veterinärmedizin. Zum Kundenstamm zählen u. a. Allgemeinmediziner, Onkologen, Gynäkologen, aber auch Tierärzte, Tierkliniken, Universitäten und Zoos.

Dennoch ist es fraglich, ob Synlab das avisierte Wachstumstempo auch ohne Corona-Tests beibehalten wird und wie Anleger auf mögliche Umsatzrückgänge reagieren werden. Aufgrund dieser unklaren Perspektive und ihrer kurzen Börsenhistorie ist die Synlab-Aktie – wie im Übrigen alle IPOs – als spekulativ einzustufen und nicht für den langfristigen, erfolgreichen Vermögensaufbau geeignet. Doch es gibt attraktive Alternativen: im boerse.de-Aktienbrief, den Sie hier gratis Probelesen können, erfahren Sie, welche insgesamt 100 Champions-Aktien seit mindestens zehn Jahren “gesunde” Renditen bei besonders geringen Rücksetzern aufweisen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen entspannten, erfolgreichen Börsentag,

Ihre Miss boerse.de

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