Trendfolger oder Widerwurz

Montag, 02.05.22 11:04

Die Welt ist massiv in Unordnung geraten: Ukraine-Krieg, Corona-Pandemie, hohe Inflation, restriktivere Notenbanken, Klimakrise, unterbrochene Lieferketten. Dennoch halten sich die Märkte auf hohem Niveau. Doch wie agieren und reagieren Privatinvestierende mit ihren Depots?

Eine beliebte Möglichkeit ist die Trendfolgestrategie. Mit ihr setzen Anlegerinnen und Anleger auf bestehende und bereits erkennbare Kurstrends. Im Grunde folgen sie damit der alten Börsenweisheit: „The trend is your friend“.

Doch muss hierbei immer einiges bedacht werden: Es ist kaum möglich, Kurstrends vorherzusagen. Bereits bestehende Trends sind leicht zu erkennen und meist über einen bestimmten Zeithorizont konstant. Ein Aufspringen auf solch einen Trend kann selbst dann noch lohnenswert sein, wenn dieser schon einige Zeit anhält. Anlegende nehmen bewusst in Kauf, dass sie nie an der vollständigen Kursbewegung vom Tiefst- bis zum Höchststand teilhaben. Die Herausforderung besteht darin, sowohl bestehende Trends auszumachen als auch eine mögliche Trendwende prognostizieren zu können, um rechtzeitig ein- beziehungsweise auszusteigen.

Im Gegensatz zum verbreiteten Trendfolger gibt es in der alemannischen Fastnacht den Widerwurz. Diese Figur stellt sich grundsätzlich gegen die herrschende Meinung und stellt so einiges infrage. In unserem Fall würde es also eher um ein antizyklisches Anlageverhalten gehen; also jemand, der eine Spekulation gegen den herrschenden Trend an der Börse oder in einem bestimmten Wertpapier tätigt. Das alles in der Erwartung, dass sich der Trend bald umdrehen wird. Der Investierende kauft eher bei fallenden und verkauft tendenziell bei steigenden Kursen.

Der Strategie basiert auf der Theorie, dass sich die Anlegerinnen und Anleger grundsätzlich nicht rational verhalten, sondern sehr oft das Verhalten der breiten Masse nachahmen. Dieses irrationale Verhalten vieler Investierender kann anderen Marktteilnehmern potenziell hohe Renditechancen ermöglichen.

Das Schöne an strukturierten Wertpapieren ist bekanntlich, dass man mit ihnen sowohl mit als auch gegen den Markt anlegen kann. Zertifikate und Optionsscheine wurden eben genau dafür konstruiert, dass man ihrer Hilfe entweder etwas Risiko aus dem Depot herausnehmen kann oder eben auch etwas mehr Risiko reinallokieren. Insofern müssen Sie sich gar nicht entscheiden, ob Sie nur Trendfolger oder lieber Widerwurz sein wollen. Bleiben Sie innerhalb Ihres Chance-Risiko-Appetits und Ihrer Möglichkeiten fokussiert und nutzen die Ihnen zur Verfügung stehenden Produkte. 

Lars Brandau ist seit Gründung des Deutschen Derivate Verbands (DDV) Geschäftsführer und vertritt den DDV auch in den Arbeitsgruppen des europäischen Dachverbands EUSIPA. Der...
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