Vom Spielbein zum Standbein

Montag, 18.01.21 11:21

Der Dax hat eine unvergleichliche 6000-Punkte-Rally hingelegt. Woher nehmen Neuanleger die Zuversicht, dass sich ein Einstieg jetzt lohnt? Der gegenwärtige Optimismus wird von Erwartungen getragen, die sich als ausgesprochen euphorisch erweisen könnten. Dennoch gibt es offenbar immer mehr Menschen, die sich an die Kapitalmärkte trauen; ob aus Mangel an Zinsalternativen oder weil doch endlich eine Wertpapierkultur in Deutschland entsteht, sei einfach mal dahingestellt.

In unserer Januar-Trend-Umfrage wollten wir wissen, welches finanzielle Engagement Privatanleger in diesem Jahr planen. Haben Sie vor, ihre Investitionsquote zu erhöhen?

Die Antworten der knapp 2200 Teilnehmer waren zwar heterogen, aber dennoch zeigten sie eine deutliche Bereitschaft, auch trotz der Rekordstände weiterhin zu investieren. Überhaupt zeigen die Statistiken, dass es immer mehr Neukunden insbesondere bei den sogenannten Neobrokern gibt; meist jüngere Anleger, die durchaus risikobereit sind und die Umsätze hochhalten; also eher kürzere Haltedauern bevorzugen.

Auch bei neuen Höchstständen des Deutschen Aktienindex beabsichtigen laut Trend-Umfrage mehr als 47 Prozent der Privatanleger in Deutschland weiterhin an den Märkten zu investieren. Dazu kommen weitere 22 Prozent, die sich aufgrund ihres angesparten Kapitals zumindest die Option weiterer Engagements offenhalten. Lediglich 12 Prozent der Teilnehmer der monatlichen Online-Befragung des Deutschen Derivate Verbands sagen, dass sie ausreichend investiert seien, während den verbleibenden 18 Prozent der Teilnehmer die finanziellen Möglichkeiten fehlen.

Im Investmentuniversum der Privatanleger sind strukturierte Wertpapiere längst etabliert. Insofern gehören sie als Beimischung mehr denn je in erfolgreiche Depots. Jeder Privatanleger kann nach seiner Risikoneigung, Renditeerwartung und Markteinschätzung das für ihn geeignete Produkt finden, etwa zur Absicherung gegen Marktrisiken. Und dass alles ausgerichtet am eigenen Chance-Risiko-Verhältnis, an den eigenen finanziellen Möglichkeiten – und unabhängig von kurzen politischen Gewittern. Und mit solchen Gewittern muss angesichts der bevorstehenden neun Wahlen in diesem Jahr durchaus gerechnet werden. Darüber hinaus stellt sich die Frage nach dem Ausmaß der zu erwartenden Insolvenzen im Nachgang der Corona-Pandemie. Es wird sicher spannend an den Märkten bleiben. Letztlich geht es beim Vermögensaufbau nicht um die schnellen Gewinne, sondern darum, langfristig erfolgreich zu agieren. In jedem Fall aber erfreuen sich Wertpapiere weiterhin einer steigenden Nachfrage. Immer mehr Kleinanleger nutzen Kapitalmarktprodukte nicht nur als Spielwiese, sondern als Standbein zum breiten Vermögensaufbau.

Lars Brandau ist seit Gründung des Deutschen Derivate Verbands (DDV) Geschäftsführer und vertritt den DDV auch in den Arbeitsgruppen des europäischen Dachverbands EUSIPA. Der...


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