Warren Buffett über Fehler, Erfolge und die Zukunft von Berkshire Hathaway

Freitag, 28.02.25 08:34
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

Berkshire Hathaway, die Holding von Warren Buffett, hat am vergangenen Samstag ihr Ergebnis für das Geschäftsjahr 2024 veröffentlicht. Wie gewohnt ging der Präsentation der nackten Zahlen samt ausführlicher Erläuterungen nach den US-Rechnungslegungsstandards ein Brief der Investmentlegende an seine Aktionäre voraus.

Buffett sieht den Bericht als eine Verpflichtung gegenüber seinen Anteilseignern, transparent über die tatsächliche Lage der Holding zu kommunizieren. Während viele Unternehmensleitungen Fehler totschweigen oder schönfärben, ist der Superinvestor hier schonungslos, und die Aktionäre werden regelmäßig über Irrtümer aufgeklärt. Diese Tradition soll auch von seinem designierten Nachfolger, Greg Abel, fortgesetzt werden. Auch dieser wisse laut Buffett, dass eine Täuschung der Aktionäre letztlich dazu führe, sich am Ende selbst zu belügen. Die Transparenz und der Mangel an hohlen Phrasen machen es sehr vergnüglich, den Bericht zu lesen.

Vom größten Fehler zum außergewöhnlichen Erfolg



Die außergewöhnliche Erfolgsgeschichte von Berkshire Hathaway begann tatsächlich schon mit einem kapitalen Fehler, wie Buffett noch einmal betonte: Vor 60 Jahren übernahm der mittlerweile 94-Jährige das bereits dem Untergang geweihte Textilunternehmen zum Schnäppchenpreis. Sein mittlerweile verstorbener Kompagnon Charlie Munger habe den Irrtum sofort erkannt und riet, künftig großartige Unternehmen zu angemessenen Preisen zu erwerben. Mit durchschlagendem Erfolg: Heute ist Berkshire Hathaway ein wirtschaftliches Schwergewicht.

Dabei setzt Buffett grob betrachtet auf zwei Standbeine. Einerseits erwirbt Berkshire Hathaway Unternehmen komplett, andererseits werden Anteile an börsennotierten Firmen erworben. In beiden Fällen wird auf eine hohe Qualität hinsichtlich der Geschäftsaussichten und insbesondere auch auf die Integrität des Managements geachtet.

Rekord beim operativen Geschäft



Trotz eines schwierigen wirtschaftlichen Umfelds und rückläufiger Gewinne bei 53 Prozent der 189 operativen Unternehmen konnte Berkshire Hathaway im Jahr 2024 besser abschneiden als erwartet. Besonders profitiert hat die Holding von steigenden Zinsen auf US-Staatsanleihen und dem Ausbau der Bestände an diesen hochliquiden, kurzfristigen Wertpapieren. Auch das Versicherungsgeschäft erzielte einen deutlichen Gewinnzuwachs. Insgesamt stiegen die operativen Gewinne auf 47,4 Milliarden Dollar, ein deutlicher Sprung gegenüber den 37,4 Milliarden Dollar im Vorjahr.

Diese Angabe berücksichtigt zur besseren Vergleichbarkeit traditionell keine realisierten oder unrealisierten Kapitalgewinne oder -verluste aus den Aktienbeständen, da diese laut Buffett von Jahr zu Jahr volatil und unvorhersehbar seien. Der Superinvestor betonte noch einmal, dass sich hier die Perspektive über Jahrzehnte erstrecke. Wenn die langfristigen Investments aufgehen, sorgen diese dann allerdings dafür, „die Kasse wie Kirchenglocken läuten zu lassen“.

Geklingelt hat die Kasse auch woanders: Mit 26,8 Milliarden Dollar zahlte Berkshire 2024 mehr Steuern an die US-Regierung als jedes andere Unternehmen zuvor – sogar mehr als die Tech-Giganten. Buffett veranschaulicht diese gewaltige Zahl mit einem Vergleich: Selbst wenn im gesamten Jahr alle 20 Minuten ein Scheck über eine Million Dollar an das Finanzministerium geschickt worden wäre, hätte es immer noch offene Steuerverpflichtungen gegeben. Gleichzeitig ließ sich auch eine Mahnung an die derzeitige US-Regierung herauslesen. Uncle Sam solle das Geld mit Bedacht ausgeben und sich um diejenigen kümmern, die ohne eigenes Verschulden die schlechteren Karten im Leben gezogen haben. Außerdem solle der Staat mit Weisheit und Wachsamkeit darauf achten, eine stabile Währung zu erhalten.

Hochwertige Unternehmen als Schutz vor Inflation



Buffett betonte zudem, dass trotz der hohen Barreserve (334 Milliarden Dollar) die Grundstrategie unverändert bleibe. Der Großteil des Kapitals solle in Unternehmensbeteiligungen investiert werden. Der 94-Jährige nannte auch die Gründe: Papiergeld kann durch schlechte Finanzpolitik an Wert verlieren, und auch festverzinsliche Anleihen bieten keinen Schutz vor einer unkontrollierten Inflation. Doch starke Unternehmen mit gefragten Produkten oder Dienstleistungen finden laut Buffett immer Wege, sich wirtschaftlichen Unsicherheiten anzupassen.

Dabei setzt die Investmentlegende vorwiegend auf amerikanische Firmen. Berkshire Hathaway ist aber auch in anderen Regionen investiert. Im Aktionärsbrief äußerte sich Buffett diesmal über seine seit 2019 aufgebauten Investments in die japanischen Handelskonzerne Itochu, Mitsui (beide boerse.de-Aktien-Rating AA) Marubeni, Mitsubishi (beide boerse.de-Aktien-Rating A) und Sumitomo (boerse.de-Aktien-Rating B). Berkshire Hathaway erwartet im Jahr 2025 812 Millionen Dollar Dividenden aus diesen Investments. Finanziert wurden diese Beteiligungen mit Schulden in Yen. Diese wurden zu fixen, sehr niedrigen Zinssätzen aufgenommen und werden im laufenden Jahr mit nur 135 Millionen Dollar zu Buche schlagen. Die Differenz fließt in die Kassen von Berkshire. Falls Sie schon einmal über das Wort „Carry Trade" gestolpert sind, haben Sie hier ein perfektes Beispiel dafür.

Was Privatanleger von Berkshires Strategie mitnehmen können



Solche Finanzierungsmodelle stehen Privatanlegern nicht zur Verfügung. Ansonsten sind Sie aber durchaus im Vorteil. Sie können die gesamte Bandbreite des Investmentuniversums nutzen, um den Wert Ihres Depots maßgeblich zu steigern und Dividenden zu kassieren. Aufgrund der schieren Größe der Holding muss Warren Buffett mittlerweile hingegen darauf warten, dass ihm ein Elefant vor die Flinte läuft. Die Value-Legende beklagt schon seit Langem einen Mangel an verfügbaren Deals, die einen deutlichen Einfluss auf die Performance haben können.

Aufgrund der unterschiedlichen Ausgangslage sollten Anleger Vorsicht walten lassen, Investments von Berkshire Hathaway einfach so nachzukaufen. Unbedingt nachahmenswert ist hingegen der Fokus auf hohe Qualität. Bei der Auswahl geeigneter Investments helfen wir Ihnen sehr gerne, denn auch wir verfolgen einen Quality-Investing-Ansatz. Mittels der boerse.de-Performance-Analyse filtern wir die nach dieser Methode 100 besten Unternehmen der Welt für Sie heraus, Berkshire Hathaway gehört natürlich dazu. Interessant für Einkommensinvestoren: Die Mehrheit der Champions schüttet auch Dividenden aus. Detaillierte Empfehlungen erhalten Sie im boerse.de-Aktienbrief.

Alternativ könnten für Sie unsere Fonds von Interesse sein, zum Beispiel der boerse.de-Dividendenfonds. Dieser investiert in 30 dividendenstarke Champions, hinzu kommen 20 weitere Unternehmen, die ebenfalls durch eine attraktive Ausschüttungspolitik glänzen. Sie haben dabei die Wahl zwischen einer thesaurierenden aber auch einer ausschüttenden Tranche. Weitere Informationen zur Anlagestrategie des boerse.de-Dividendenfonds finden Sie im kostenlosen White Paper von Prof. Dr. Hubert Dichtl und Thomas Müller, das Sie hier herunterladen können.

Auf gute Investments!

Ihre
Katja Zacharias

PS: Die Aktien von Berkshire Hathaway ist zwar nicht im boerse.de-Dividendenfonds enthalten, zählt dafür aber zu den Basisinvestments des boerse.de-Aktienfonds und des boerse.de-Weltfonds.




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