Wirecard oder Vermögensschutz vor Vermögensaufbau

Samstag, 04.07.20 07:00
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser, 

es ist wirklich super-schade, aber wir müssen unseren Rosenheimer Börsentag im Oktober absagen. Dabei konnte bislang nichts die Kultveranstaltung erschüttern, die wir nach dem Einzug in unser Verlagshaus im Jahr 2008 gestartet hatten. Es ging mit weniger als 100 Besuchern los, und dank der rasant steigenden Teilnehmerzahlen gab es immer mehr zu improvisieren. So war 2013 unser Erdgeschoss im Sommerhochwasser überflutet worden, und erst in der sprichwörtlich letzten Minute vor der Veranstaltung konnten die Renovierungsarbeiten abgeschlossen werden. 2015 und 2016 galt es zusätzliche Zelte aufzustellen, und 2017 folgte der Umzug in die Rosenheimer Stadthalle, in der wir 2019 mehr als 1000 Anlegerinnen und Anleger begrüßen durften.

Der Rosenheimer Börsentag ist ein absolutes Highlight, und auch die Eröffnungsrede unseres neuen Oberbürgermeisters Andreas März war schon geplant. Aber es hilft nichts, die Gesundheit geht vor, wir treffen uns dann eben in der Post-Corona-Ära wieder am 10. Oktober 2021 auf dem 13. Rosenheimer Börsentag. Dabei gäbe es momentan so viele interessante Vortragsthemen:

Vermögensschutz geht vor Vermögensaufbau, was in diesen Tagen die Turbulenzen um Wirecard vor Augen führten, die die Telefonleitungen in unserem Anlegerservice regelrecht glühen ließen. Wir hatten Wirecard im Januar 2016 in den Champions-Pool aufgenommen, aber seit Januar 2019 nicht mehr empfohlen, weil die Diskussionen um bilanzielle Ungereimtheiten einfach nicht aufhören wollten. Im Januar 2020 haben wir dann die Reißleine gezogen und Wirecard das Champions-Prädikat wieder aberkannt. Bei einem Ausstiegskurs von 129 Euro und neun Depot-Empfehlungen konnten Aktienbrief-Leser im Mittel einen kräftigen Gewinn von 162% erzielen. Doch:

Inzwischen ist der Kurs um 97% auf weniger als 4 Euro abgestürzt, was wieder einmal den Konstruktionsnachteil des Dax offensichtlich macht. Denn durch Fokussierung auf Streubesitz-Marktkapitalisierung und Börsenumsätze werden Aktien mit zu hohen Kursen in den Dax aufgenommen und verbleiben dort zu lange. Auch wenn nun Lufthansa wie davor ThyssenKrupp (2019) und Commerzbank (2018) herausgenommen wurde, bleibt der Dax mit dem Schwergewicht Autos, Finanzen und Chemie ein Old-Economy-Index bzw. ein Museum der deutschen Industriegeschichte. Die Musik spielt in anderen Segmenten, was auch unser neuer BCDI Deutschland zeigen wird, der ein Top-Vortragsthema gewesen wäre. Aber vor allem:

Das bestimmende Thema ist natürlich der Corona-Crash, den ich im März an dieser Stelle als Jahrzehnt-, vielleicht sogar Jahrhundertchance beschrieb. Wer damals (wie ich selbst) nachgekauft hatte, freut sich mittlerweile über kräftige Kursgewinne. Und wer einfach investiert geblieben ist, hat nichts falsch gemacht. Unser BCDI (neues Zertifikat WKN UF1BAC) befindet sich nur 6,7% unter dem Jahresanfangskurs (Euro Stoxx -14,4%), der BCDI USA gerade einmal 0,9% (Dow Jones -12,3%). Der boerse.de-Aktienfonds gab per saldo 7,2% ab, inklusive Mai-Ausschüttung 5,7% (MSCI World -8,5%). Nur der boerse.de-Weltfonds hat die Risikoreduktion etwas zu wörtlich genommen und durch eine (zu) niedrige Aktienquote die Erholung der vergangenen drei Monate verpasst, weshalb der Kurs momentan bei 94/95 Euro wie festgezurrt erscheint. Das wird sich jetzt ändern, denn wir starten eine BOTSI-Offensive, aber natürlich gilt: Vermögensschutz vor Vermögensaufbau!

Mit bester Empfehlung
Ihr

Thomas Müller

PS: Jetzt startet wieder das neue boerse.de-Anleger-Barometer und wir sind gespannt auf Ihre Dax-Einschätzung. Nutzen Sie die Gelegenheit den neuen BOTSI-Advisor über die boerse.de-Signale Aktien Welt kennen zu lernen.


Thomas Müller ist seit Anfang der 1980er-Jahre Herzblut-Börsianer, seit 1987 Verleger von Börseninformationen, begeisterter Entwickler von Anlagestrategien, Autor,...


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