Sentiment-Indizes: Das sollten Anleger über Börsen-Psychologie wissen

Schon Börsen-Altmeister André Kostolany wusste: "Die Börse reagiert gerade mal zu zehn Prozent auf Fakten. Alles andere ist Psychologie." Wenn es um Prognosen für die weitere Entwicklung an den Aktienmärkten geht, wird daher neben fundamentalen Kennzahlen und der Charttechnik längst auch die jeweils vorherrschende Stimmungslage berücksichtigt. Denn einer alten Börsenweisheit zufolge wird eine Hausse im Pessimismus geboren, wächst in der Skepsis, altert im Optimismus und stirbt in der Euphorie. Das bedeutet:

Insbesondere wenn die breite Masse der Anleger besonders euphorisch ist und die Kursziele immer rasanter nach oben geschraubt werden oder wenn sich die Stimmung komplett im Keller befindet und nur noch die Wenigsten etwas von Aktien wissen möchten, entstehen normalerweise markante obere bzw. untere Wendepunkte. Mithilfe der sogenannten Sentiment-Analyse wird daher versucht, ein möglichst umfassendes Bild von der aktuell herrschenden Stimmung unter den Marktteilnehmern zu bekommen. Dazu gibt es unterschiedliche Ansätze und Indizes. Einige bekannte Beispiele:

Welche Stimmungs-Indikatoren und –Indizes gibt es?

  • Euwax Sentiment Index
    Die Börse Stuttgart veröffentlicht bspw. den Euwax Sentiment Index, der auf den Trading-Aktivitäten der Privatanleger basiert. Die Berechnung basiert sowohl auf den Käufen und Verkäufen von Dax-Call-Optionsscheinen als auch auf den entsprechenden Daten für Dax-Put-Optionsscheine an der Börse Stuttgart. Ergibt sich daraus ein positiver Indexstand, setzt die Mehrheit der Anleger auf einen steigenden Markt, während ein negativer anzeigt, dass die Anleger mehrheitlich fallende Kurse erwarten.

  • Börse Frankfurt Sentiment-Index
    Von der Frankfurter Börse gibt es ebenfalls einen bzw. genauer gesagt sogar zwei Stimmungs-Indizes, die jedoch nicht auf Put- und Call-Umsätzen, sondern auf einer Anlegerbefragung basieren. Dazu werden wöchentlich sowohl institutionelle als auch private Anleger zu ihrer persönlichen Markteinschätzung des Dax auf Sicht der kommenden vier Wochen befragt. Die Indizes für die Institutionellen und die Privatanleger ergeben sich, indem jeweils das Verhältnis von Optimisten zu Pessimisten mit dem Anteil der neutral gestimmten Anleger gewichtet wird. Grundsätzlich können die Sentiment-Indizes der Börse Frankfurt zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus) Punkten schwanken.

  • AAII Sentiment Survey
    Zu den bekanntesten Sentiment-Erhebungen der USA gehört die Investor Sentiment Survey der American Association of Independent Investors, kurz AAII. Dafür werden wöchentlich Einzelpersonen aus den Reihen der AAII-Mitglieder zu ihrer Markterwartung – bullish, bearish oder neutral – für die nächsten sechs Monate befragt.

  • Fear & Greed Index
    Ebenfalls aus den USA stammt der Fear & Greed Index von CNN Business. In diesen Angst & Gier-Index fließen insgesamt sieben Indikatoren ein. Dabei handelt es sich um:
    • das Momentum des S&P 500 gegenüber seinem gleitenden 125-Tage-Durchschnitt,
    • das Verhältnis der Aktien, die an der New Yorker Börse frische 52 Hochs und Tiefs erreichen,
    • das Verhältnis des Aktienvolumens steigender Aktien gegenüber rückläufigen Aktien,
    • die Put-Call-Ratio,
    • den Abstand zwischen den Renditen von Investment-Grade-Anleihen und sogenannten Junk-Bonds,
    • den amerikanischen Volatilitätsindex VIX sowie um
    • die Differenz zwischen den Renditen von Aktien und Staatsanleihen.
    Auf Grundlage dieser Indikatoren wird ein Gesamtindex berechnet, der zwischen 0 (= extreme Angst) und 100 (= extreme Gier) schwanken kann. Sie sehen:

Sentiment- bzw. Stimmungsindizes dienen immer als Kontraindikatoren

Es gibt ganz unterschiedliche Ansätze, um ein Bild von der vorherrschenden Marktstimmung zu bekommen, wobei alle dennoch eines gemeinsam haben: Sentiment- bzw. Stimmungsindizes verstehen sich stets als Kontraindikatoren. Denn in der Regel machen die Börsen meist genau das Gegenteil von dem, was die breite Masse erwartet. Und deswegen haben auch wir bereits seit 2014 mit dem boerse.de-Anleger-Barometer einen eigenen Stimmungs-Indikator. Konkret:

Das boerse.de-Anleger-Barometer als Sentiment-Index

Beim boerse.de-Anleger-Barometer handelt es sich um eine Befragung deutscher Anleger, die anfangs quartalsweise und mittlerweile wöchentlich durchgeführt wird. Die Stimmung bzw. das „Sentiment“ wird dabei aus der durchschnittlichen Markterwartung aller Umfrageteilnehmer für die Zeiträume von drei, sechs und zwölf Monaten errechnet. Und aus den Indikatoren für jeden dieser Zeithorizonte ergibt sich schließlich die Kurve für das boerse.de-Anleger-Barometer, die die vorherrschende Stimmungslage widerspiegelt. Dabei deutet eine steigende Barometerkurve auf wachsenden Optimismus hin, während eine sinkende Kurve auf nachlassende Zuversicht schließen lässt. In der Vergangenheit kündigte die Barometerkurve zuverlässig wichtige Wendepunkte am deutschen Aktienmarkt an.

Stimmungserhebungen wie das boerse.de-Anleger-Barometer sind natürlich umso aussagekräftiger, je mehr Anleger sich daran beteiligen. Dabei ist die Teilnahme denkbar einfach, denn dazu gilt es, online lediglich anzuklicken, ob der Dax auf der Sicht der kommenden drei, sechs sowie zwölf Monate höher, tiefer oder unverändert notiert. Hier können Sie direkt am boerse.de-Anleger-Barometer teilnehmen.


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