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Entwicklung der Rohstoffpreise

Wohin geht die Reise?

Überlegungen zur weiteren Entwicklung der Rohstoffpreise

 

Was die weitere Entwicklung der Preise für viele Rohstoffarten angeht, so sprechen jedenfalls einige der in unserer bisherigen Analyse herausgearbeiteten strukturellen Veränderungen auf der Nachfrageseite für tendenziell steigende Notierungen:

  • Das ungebrochene Wachstum der Weltbevölkerung sorgt für ein natürliches Nachfragewachstum bei den meisten Rohstoffen.

  • Die wirtschaftliche Entwicklung und die weitere Industrialisierung in den meisten Schwellenländern und in einigen der Entwicklungsländer wird weiter mit hohem Tempo voranschreiten, so dass sich die Schere zwischen diesen »Emerging Markets« und den Industrieländern weiter schließt – und damit auch die Lebensstandards sich immer mehr aneinander angleichen. Dies wird schließlich dazu führen, dass sich der Pro-Kopf-Verbrauch an Rohstoffen dort ebenfalls drastisch nach oben verschieben wird.

  • Die Ernährungsgewohnheiten in den sich entwickelnden Volkswirtschaften werden sich sukzessive unseren westlichen Gewohnheiten angleichen und für eine Nachfragesteigerung und Nachfrageverschiebung bei Agrarrohstoffen führen. Fleisch wird hier als neuer »Ernährungssieger« hervorgehen – und für dessen Produktion ist bekanntlich der Einsatz enormer Mengen u.a. an Getreide notwendig.

  • Auch aus den Industrienationen und somit aus der bereits heute als hoch entwickelt geltenden Welt heraus wird die Nachfrage nach Rohstoffen tendenziell weiter ansteigen. Durch den bereits beschriebenen Anpassungsprozess der Lebensverhältnisse in den Schwellenländern an den westlichen Lebensstil und die weitere Industrialisierung dieser Länder werden in den heutigen Industrieländern ebenfalls hohe Zuwächse im Rohstoffverbrauch einhergehen, denn vorerst werden viele Hochtechnologieprodukte, die zur industriellen Produktion in den Emerging Marktes benötigt werden, immer noch ausschließlich in den »alten« Ländern produziert. Denken Sie hierbei beispielsweise an den Maschinenbau oder die Produktion von Oberklasse-PKW.

Neben dieser zu erwartenden realen Nachfrageerhöhung durch steigende Produktionszahlen in der verarbeitenden Industrie führt aber auch auf eine steigende Nachfrage nach Rohstoffinvestments tendenziell zu steigenden Preisen an den Commodity-Märkten. Nachdem die Rohstoffpreise vor einigen Jahren nämlich ihren jahrzehntelangen Abwärts- bzw. Seitwärtstrend nach oben verlassen hatten, zog weltweit das Interesse von Investoren an Investments im Rohstoffsektor rapide an. Dabei waren und sind nicht die Aktien von Rohstoffproduzenten das primäre Investitionsziel der Anleger – es sind die Rohstoffe selbst, die immer mehr ihren Weg in die Portfolios der Investoren finden. Dabei sind es keineswegs nur Privatanleger, die ihr Vermögen in Gold oder anderen Edelmetallen anlegen. Vermehrt nutzen auch professionelle Anleger wie Versicherungen oder Banken Rohstoffe zur Kapitalanlage, sei es, um auf kurzfristige Preisveränderungen zu spekulieren oder aber zur langfristigen Geldanlage.

 

Die einer Investition zugrunde liegenden Motive können dabei ganz unterschiedlicher Natur sein. Vergleicht man etwa die langfristige Rendite von Aktieninvestments mit derjenigen einer Rohstoffanlage, so kann man sehen, dass über einen Zeitraum von 10 Jahren der Rohstoffindex Rogers International Commodity Total Return Index per Saldo eine wesentlich höhere Rendite abgeworfen hat als ein Investment im amerikanischen S+P 500 Aktienindex. Zudem waren mit diesem Rohstoffinvestment auch auf kürzere Sicht (August 2007 bis ca. September 2008) wesentlich höhere Erträge möglich gewesen als mit Dividendentiteln. Allerdings ist aus der Grafik auch ersichtlich, dass die Rohstoffinvestition während des Beobachtungszeitraums nichts für schwache Nerven war – die Schwankungen, unter denen die Rohstoffpreise nach oben gingen, waren noch wesentlich größer als die der ebenfalls nicht gerade als risikoarm und langweilig zu betrachtenden Aktien.

 

Preisentwicklung von Rohstoffen und Aktien 

 

Vergleichschart

 Quelle: RBS, 2010

 

Es ist davon auszugehen, dass auch zukünftige Commodity-Investments starken Wertdchwankungen unterliegen werden. Deshalb sollten nur Investoren, die mit einer hohen Volatilität leben können und auch wollen und die hierfür geeignete Risikomanagementverfahren (z.B. Stopp-Loss-Marken) anwenden, mit Rohstoffinvestments arbeiten.

  

Notwendige Streuung des Vermögens

 

Investoren von außerhalb des Rohstoffsektors werden in Zukunft voraussichtlich nicht nur unter reinen Spekulationsgesichtspunkten, sondern auch aus ganz anderen Überlegungen heraus ein Augen auf Rohstoffinvestments werfen und diese Assetklasse zur mehr oder minder großen Beimischung in ihre bestehenden Anlageportfolien nutzen.

 

Hier ist zum einen die so genannte Diversifikation zu nennen. »Never put all the eggs in one basket«, lege niemals alle Eier in einen Korb, wie bereits eine alte Börsenweisheit lehrt! Hierunter versteht man die unter Risiko- und Ertragsgesichtspunkten sinnvolle und notwendige Streuung des Vermögens auf mehrere unterschiedliche Assetklassen. Durch eine breite Streuung des Vermögens soll bei einem Rückgang der Preise in einer Assetklasse (Aktien) durch Preisstabilität oder gar ansteigende Kurse bei anderen Assetklassen (z.B. Rohstoffen), starke Verluste des Gesamtportfolios in Folge eines gleichgerichteten Kurverfalls gleichartiger Vermögenswerte vermieden werden. Gerade in Krisenzeiten wie nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers kam es an den meisten Märkten zu mehr oder minder stark ausgeprägten Kurseinbrüchen. Bis auf Staatsanleihen bester Bonität wurden die Preise fast aller Vermögenswerte in Mitleidenschaft gezogen. Eine breite Diversifizierung bietet in der Regel den besten Schutz gegen zu hohe Risiken aufgrund von Preiseinbrüchen an einzelnen oder mehreren Märkten.

 

Rohstoffe im Vergleich zu Aktien- und Rentenmärkten

 

Langfristig betrachtet entwickelten sich die Preise von Rohstoffen nur in relativ schwachem Umfang im Einklang mit den Aktien- oder Rentenmärkten. Oftmals waren sogar gänzlich gegenläufige Kursbewegungen auszumachen. Der Fachmann spricht dann davon, dass die Preise von Rohstoffen nur wenig bis negativ korreliert sind mit denjenigen von Aktien oder Anleihen.

 

Auch wenn sich in den letzten Jahren die Rohstoffpreise im Einklang mit den Aktienmärkten entwickelten, also beispielsweise im Crash von 2008 ebenfalls den Weg nach unten antraten, dürfte dieses Grundmuster auch in Zukunft weiterhin gültig sein. Rohstoffe bieten durch diese Eigenschaft somit Ertragsmöglichkeiten, die weitgehend unabhängig von der Entwicklung traditioneller sonstiger Anlageklassen sind. Als Daumenregeln gelten hierbei, dass sich Rohstoffe meistens dann gut im Preis entwickeln, wenn Aktien und Anleihen die Anleger enttäuschen. Für einige Anlegergruppen, vor allem Großinvestoren wie Versicherungen oder Pensionsfonds gibt es nicht ohne Grund gesetzliche umfangreiche Vorgaben und Regeln, wie diese das ihnen anvertraute Vermögen zum Schutz ihrer Kunden breit gestreut investieren müssen. Dank dieser Eigenschaft lässt sich ein aus Aktien und Anleihen bestehendes Depot mit Rohstoffen hervorragend diversifizieren. Durch die Beimischung von Rohstoffen konnte in der Vergangenheit das Risiko-/Renditeprofil von Portfolios sehr gut optimiert werden.

 

 Quelle: Goldman Sachs, 2009

 

Die Tabelle zeigt für Zeiträume von fünf Jahren und einem Jahr die Korrelationen unterschiedlicher Assetklassen zueinander an. Diese Kennziffern können dabei Werte von +1 bis zu –1 annehmen. Ein Wert von +1 bedeutet dabei, dass sich die Preise von Assetklasse A im Einklang mit denjenigen von Assetklasse B bewegen. Es findet somit keine Risikoverringerung statt, wenn ein Portfolio nur auf diese beiden Vermögensarten aufgeteilt ist. Je niedriger die Korrelation zwischen zwei Assetklassen ist, desto größer ist ein möglicher Diversifikationseffekt. Bei einem Wert von –1 etwa verhalten sich die beiden Preise genau gegenläufig: Gewinnt Assetklasse A an Wert, so wird die Assetklasse B mit einer Korrelation von –1 in gleichem Umfang an Wert verlieren. Eine Korrelation von 0 wiederum zeigt an, dass sich die Preise von Assetklasse A und Assetklasse B völlig unabhängig voneinander bewegen und sich somit kein Zusammenhang zwischen den Kursbewegungen der beiden herstellen lässt.

 

Dunkelgrün bedeutet in der Tabelle hoch korreliert (sprich wenig diversifizierend), rot hingegen negativ korreliert (also hoch diversifizierend.)

 

Sehen wir uns hier zwei Beispiele etwas genauer an:

  • Die in der zweiten Reihe der ersten Spalte ablesbare Korrelation zwischen den beiden Aktienindices DAX (Deutschland) und dem DJ EURO STOXX 50 (Euroland) beträgt mit 0,97 einen Wert nahe 1. Der fast perfekte Gleichlauf zwischen den beiden Indices überrascht wenig, gibt es hier doch Überschneidungen der Indexmitglieder: 12 der 50 Aktien, die im Index der 50 größten Unternehmen des Euroraumes gelistet sind kommen aus Deutschland und sind ebenfalls im DAX enthalten.

  • Ganz anders hingegen der Zusammenhang der Kursentwicklung des DAX und des Rex Performance-Index, einem Gradmesser für die Renditen von Anleiheninvestments, der in der ersten Spalte in der letzten Reihe abgelesen werden kann: Mit einem Wert von –0,37 weit im negativen Bereich angesiedelt, kann aber auch dieser Wert nicht wirklich überraschen, denn hohe Zinsen sind im Normalfall Gift für Aktien. Hohe Zinsen und Anleiherenditen bedeuten deshalb im Normalfall fallende Aktienkurse und umgekehrt.

Aus der Tabelle ist sehr gut ersichtlich, dass Rohstoffe wie etwa Edelmetalle gegenüber Aktien und Zinsen eine niedrige oder gar negative Korrelation aufweisen und deshalb einen guten Diversifikationseffekt gegenüber diesen traditionellen Vermögensanlagen geboten haben und wohl auch noch zukünftig bieten werden. Diese Tatsache und die schmerzhaften Erfahrungen vieler Kapitalanleger aus den diversen Crashs der letzen Jahrzehnte wird zukünftig aller Wahrscheinlichkeit nach ebenfalls dazu beitragen, dass die Assetklasse Rohstoffe stärker in den Fokus der Investoren treten wird, was zu einer weiteren Nachfragebelebung an den Märkten führen dürfte.

 

Bei der Betrachtung von Korrelationen muss man sich allerdings immer vor Augen halten, dass sich dieser statistische Zusammenhang zwischen Kursverläufen unterschiedlicher Vermögenswerte im Zeitablauf zum Teil dramatisch verändern kann. Vor allem in Krisenszenarien, wenn eigentlich eine gut funktionierende Diversifikation in einem Portfolio zum Schutz vor starken Kursverlusten am Dringendsten benötigt wird, tendieren alle in irgendeiner Form mit Risiken in Verbindung gebrachten Anlageklassen dazu, gleichzeitig im Wert abzustürzen. Die lange Zeit stabilen, niedrigen Korrelationen werden dann mit einem Schlag als fehlerhaft gebrandmarkt – so geschehen im Nachgang der Pleite von Lehman Brothers. Fast alle Märkte stürzten im Zuge der so genannten »Flucht in die Qualität« parallel im großem Stil ab, die Korrelationen der vorher wenig miteinander verbundenen Assetklassen stiegen sprunghaft an. Alles was nur irgendwie nach Risiko roch, wurde in Sippenhaft genommen und bei fallenden Preisen auf den Markt geworfen!


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