Der Euro: Ein Auslaufmodell?

Freitag, 17.12.10 09:32
Tafel mit Kursen
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In kaum einem anderen europäischen Land wird der Euro so schlecht geredet wie in Deutschland. Unter den Schwarzmalern finden sich nicht nur diverse Wirtschaftsexperten. Zehn Jahr nach der Einführung des Euros trauert immer noch fast die Hälfte aller Deutschen der D-Mark hinterher.

Diese Einstellung ist nicht nachvollziehbar, ist der Euro doch eindeutig eine Erfolgsgeschichte. So wurde das Ziel, den Verbrauchern weiterhin stabile Preise zu garantieren, erreicht. Auch hat der Euro dazu geführt, dass die europäischen Volkswirtschaften weiter zusammengerückt sind. Hiervon konnte insbesondere die deutsche Wirtschaft profitieren, die rund 60 Prozent ihrer Güter in die Länder der Europäischen Union und damit wesentlich in den Euro-Raum exportiert. Die gemeinsame Währung erleichtert es ferner dem Anleger, Chancen und Risiken einer Vielzahl von Aktien der Unternehmen aus der Eurozone zu vergleichen und erweitert damit substanziell das Anlagespektrum, dass ohne die Berücksichtigung von Währungsrisiken zur Verfügung steht. Tatsächlich investieren die Anleger heute weniger stark in einheimische Aktien als vor der Euro-Einführung.

 

Diese eindrucksvolle Bilanz rechtfertigt die politischen Anstrengungen zur Stabilisierung des Euro. Allerdings muss bei diesen Maßnahmen natürlich darauf geachtet werden, dass die deutschen Steuerzahler nicht für die Zeche von Griechenland, Irland, Spanien oder Portugal zahlen. Dementsprechend darf der Rettungsschirm von 750 Mrd. Euro, der im Mai aufgrund der akuten Krisenlage aufgespannt wurde und für dessen Schuldenlast auch die Bundesregierung bürgt, keineswegs zur Dauereinrichtung werden.

 

Vor diesem Hintergrund ist der Widerstand der Bundesregierung gegen den Vorschlag des luxemburgischen Regierungschefs Juncker, eine Gemeinschaftsanleihe zu emittieren, verständlich. Diese würde zwar die Finanzierungsbedingungen für die Euro-Problemstaaten verbessern, wäre aber voraussichtlich mit höheren Zinsen für deutsche Staatsanleihen verbunden, die letztendlich der Steuerzahler tragen müsste.

 

Wenn überhaupt kann ein solcher Rundumschutz kriselnder Staaten nicht bedingungslos erfolgen. Eine Voraussetzung wäre, dass der Stabilitäts- und Wachstumspakt endlich Zähne bekommt, um der Haushaltspolitik mancher Staaten wirkungsvoll einen Riegel vorzuschieben. Gleichzeitig bedeutet dies, dass im Zweifelsfall die Kompetenzen der nationalen Parlamente bei der Budgetplanung eingeschränkt werden können. Auch müssen verstärkt die Anleger in die Pflicht genommen werden, die nicht darauf vertrauen dürfen, dass die Investition in Staatsanleihen aufgrund der Sicherungsmechanismen risikolos ist. Höhere Zinsen signalisieren immer ein höheres Risiko.

 

Flankierend muss an der eigentlichen Ursache der Krise angesetzt werden: Die unterschiedliche Konkurrenzfähigkeit der Eurostaaten. Während das Wachstumsmodell der Länder der europäischen „Peripherie“ in der Vergangenheit auf einer stark wachsenden Verschuldung basierte, haben die Länder „Kerneuropas“, hierzu gehört insbesondere Deutschland, durch strukturelle Anpassungen ihre Wirtschaft fit für den globalen Wettbewerb gemacht. Die Eurokrise hat nun gezeigt, dass das deutsche Modell nachhaltiger ist. Umso unverständlicher ist die viel geäußerte Kritik hieran. Vielmehr bedarf es gemeinsamer Anstrengungen, die strukturellen Probleme, die in verschiedenen Mitgliedstaaten vorherrschen, zu lösen.

 

Insgesamt gilt es, von Nachrufen auf den Euro abzusehen. Eine Rückkehr zur D-Mark oder eine Aufspaltung der Eurozone hätte verheerende Konsequenzen nicht nur für das Finanzsystem, sondern würde ganz Europa schwächen. Vielmehr bietet die derzeitige Krise die Chance, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, die Gemeinschaftswährung auf ein stabileres Fundament zu stellen und die politische Union voranzutreiben.

 

Prof. Dr. Rüdiger von Rosen ist geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Aktieninstituts e.V. in Frankfurt a.M.

Quelle: Deutsches Aktieninstitut