(Berichtigung: In einer früheren Version des Artikels hieß es: "Nie sei der Iran weiter von einer atomaren Entwaffnung entfernt gewesen als nach dem Atom-Abkommen von 2015." Korrekt ist: "Bewaffnung" statt "Entwaffnung".)
TEHERAN/TEL AVIV/WASHINGTON (dpa-AFX) - Im Iran-Krieg dauert der gegenseitige Beschuss ungeachtet angekündigter Bemühungen um eine Verhandlungslösung an. Die israelische Armee griff nach eigenen Angaben erneut Ziele in der Stadt Isfahan und anderen Teilen des Irans an. Einwohner der Hauptstadt Teheran berichteten von Explosionen. In Israel gab es Meldungen über neue Raketenangriffe aus dem Iran, unter anderem auf Tel Aviv. Dort landete eine iranische Rakete mit einem mehrere hundert Kilogramm schweren Sprengkopf demnach zwischen Wohnhäusern. Auch in den Küstenstädten Eilat und Aschkelon gab es Raketenalarm.
boerse.de-Aktien-Ausblick:
Wie es an den Börsen jetzt weitergeht!
Hier gratis anfordern ... Angesichts von den USA verkündeter Gespräche mit dem Iran zeigte sich Bundesaußenminister Johann Wadephul vorsichtig optimistisch über eine Wende in dem Konflikt. "Wir haben aus meiner Sicht einen ersten Ansatzpunkt jetzt gefunden dafür, dass die beiden Konfliktparteien miteinander direkt sprechen und dass an Lösungen gearbeitet wird", sagte der CDU-Politiker dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR). Diese Gespräche seien "ein zartes Pflänzchen", bei dem sich alle bemühen sollten, "dass dieses gedeiht und wächst".
Bundesaußenminister setzt auf diplomatische Lösung
Ursprünglich hatte Trump Teheran eine harte Frist gesetzt, bis zur Nacht auf Dienstag (MEZ) die für den internationalen Schiffsverkehr wichtige Straße von Hormus zu öffnen - andernfalls wollte er Irans Kraftwerke zerstören lassen. Den Dann verschob Trump die angedrohten Angriffe und begründete dies mit "sehr guten und produktiven Gespräche über eine vollständige und endgültige Beilegung unserer Feindseligkeiten" in den vergangenen Tagen. Dass die iranische Seite Verhandlungen dagegen dementiert hatte, sieht Wadephul gelassen. Der Iran habe die Gespräche "im engeren Sinne" nicht bestritten, "sondern man nennt das dann indirekte Gespräche". Dieser Dialog könnte "ein Wendepunkt in diesem Konflikt sein", sagte der Minister.
Derweil werden nach "Wall Street Journal"-Informationen am Freitag Tausende US-Marines im Nahen Osten eintreffen. Das amphibische Angriffsschiff "USS Tripoli", das Schiff "USS New Orleans", das Truppen und Ausrüstung an Land bringt, und rund 2.200 Marines würden an dem Tag an das für Nahost zuständige US-Kommando übergehen, hieß es unter Berufung auf Beamte. Es werde dann noch einige Tage dauern, bis sie die Straße von Hormus erreichten.
Irans Militärführung schloss Kompromisse und eine Kapitulation derweil kategorisch aus. "Die schlagkräftigen iranischen Streitkräfte werden die Souveränität des Landes standhaft verteidigen und diesen Weg bis zum finalen Sieg fortsetzen", sagte der Kommandeur der zentralen Militärführung, Ali Abdollahi Aliabadi, dem staatlichen Rundfunk zufolge.
Steinmeier bezeichnet Iran-Krieg als "völkerrechtswidrig"
Derweil kritisierte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den von Israel und den USA begonnenen Iran-Krieg außergewöhnlich scharf - und plädierte für mehr Distanz zur US-Regierung. Der Krieg sei "ein politisch verhängnisvoller Fehler" und "ein wirklich vermeidbarer, unnötiger Krieg, wenn sein Ziel denn war, den Iran auf dem Weg zur Atombombe zu stoppen", sagte Steinmeier in Berlin bei einer Veranstaltung zum 75. Jahrestag der Wiedergründung des Auswärtigen Amtes nach dem Zweiten Weltkrieg.
Der Iran-Krieg sei "nach meinem Dafürhalten völkerrechtswidrig", ergänzte Steinmeier. Es gebe wenig Zweifel daran, dass die Begründung mit einem unmittelbar bevorstehenden Angriff auf die USA nicht trage. Nie sei der Iran weiter von einer atomaren Bewaffnung entfernt gewesen als nach dem Atom-Abkommen von 2015. An dem Abkommen hatte Steinmeier als damaliger Außenminister mitgewirkt. Es war von Trump in dessen erster Amtszeit gekündigt worden.
Kanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich vom Iran-Krieg zwar deutlich abgegrenzt, hält sich mit einer Bewertung der Angriffe der USA und Israels als Völkerrechtsbruch anders als andere europäische Partner aber zurück.
Wirtschaftliche Probleme durch Krieg dürften länger anhalten
Die wirtschaftlichen Verwerfungen unterdessen dürften selbst im Fall einer schnellen Beendigung des Iran-Kriegs nach Einschätzung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) länger anhalten. "Es wird Wochen dauern, Experten sagen bis zu Monaten, dass es dann wieder richtig läuft", sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier in Berlin.
Treier verwies auf zerstörte Infrastruktur für die Suche nach und Förderung von Gas in der Region, Probleme beim Abtransport per Schiff und Produktionsausfälle in Saudi-Arabien, Katar, Kuwait und im Irak. Mit Blick auf die Ölpreise sei es "nicht verwegen anzunehmen", dass es über einen längeren Zeitraum zu einem um 40 bis 50 Prozent höheren Niveau komme. Man sei schnell bei einem Zuwachs der Inflationsrate von einem halben Prozentpunkt gegenüber der Situation vor dem Krieg, sagte Treier. Auch die Störungen der Lieferketten unter anderem durch die Blockade der Straße von Hormus wirke sich aus. Zudem sei Dubai als wichtiger Umschlagpunkt für Luftfracht gestört./evs/DP/men
Quelle: dpa-AFX