Smart Investor: Brief für Geld

Donnerstag, 03.12.20 12:59
Smart Investor: Brief für Geld
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Entscheidungen unter Unsicherheit

Auch wenn das laufende Jahr noch nicht zu Ende ist, ist es schon jetzt eines der größten Strukturbrüche überhaupt. Die zeigen sich besonders im Alltagsbild und im Zwischenmenschlichen bzw. dem, was davon noch übrig ist. Während die Gastronomie und das Veranstaltungsgewerbe Lockdown-bedingt darnieder liegen, boomen Internetanwendungen und Onlinehandel. Auch unsere Arbeitswelt verändert sich in riesigen Schritten, was man beispielsweise auch am Thema Home Office erkennen kann. Angesichts der bestehenden Unsicherheiten beim massenhaften Betreten dieses relativen Neulands ist das Spektrum der Einschätzungen entsprechend groß – etwa bei der steuerlichen Behandlung:

Während die Deutsche Bank eine Studie erstellen ließ, in der eine Zusatzsteuer für Heimarbeiter gefordert wurde, will die Politik die Betroffenen sogar für die häuslichen Zusatzkosten entlasten. Natürlich sind dauerhafte Steuersenkungen ausnahmslos begrüßenswert. Wenn aber an Tarifen und Regelungen mit der Absicht einer Makro- bzw. Feinsteuerung herumgeschraubt wird, dann werden vor allem Störgrößen erzeugt, die den Marktteilnehmern ein langfristiges Handeln erschweren. Geht es dann auch noch um Steuererhöhungen oder Regelverschärfungen ist die Vernichtung von Wohlstand programmiert.



Glänzende Oberfläche

Auch die Märkte scheinen sich mit der Einschätzung der Gesamtsituation schwer zu tun. Nur bei einer sehr oberflächlichen Betrachtung der weltweiten Aktienindizes wird man die Spuren einer Wirtschaftskrise nicht erkennen. So erreichte beispielsweise der S&P 500 (vgl. Abb. 1) gestern ein neues Allzeithoch, das vor allem den Erfolgsmeldungen bei der Impfstoffentwicklung und den damit verbundenen Hoffnungen auf eine rasche Normalisierung des Lebens geschuldet war.

Spuren der Krise

Bei genauerer Betrachtung gibt es im Kursverlauf jedoch zwei Hinweise auf ein außergewöhnliches Börsenjahr: Der erste ist natürlich der gewaltige Kurseinbruch vom Frühjahr – einer der größten und schnellsten überhaupt –, der den verordneten Stillstand der Wirtschaft reflektierte und die mutmaßlichen Folgeschäden einzupreisen versuchte. Der zweite und etwas verstecktere Hinweis ist die atemberaubende Erholungsbewegung, die im Anschluss stattfand und nicht einmal durch das anhaltende Gezerre um das Weiße Haus ins Stottern kam. Mehr als 55% konnte der US-Blue-Chip-Index seit den Tiefs zulegen und scheint nun auch aus seiner oberen Trendbegrenzung noch einmal herausbeschleunigen zu wollen. Das ist umso erstaunlicher, als Joe Biden, der voraussichtliche 46. US-Präsident der USA, bereits einen sechswöchigen Lockdown angekündigt hatte. 

Wirtschaft vs. Börse

Auch war die wirtschaftliche Erholung der USA nach dem ersten Lockdown zwar stark, aber eben nicht so stark, dass die Scharte aus dem Frühjahr bereits wieder vollständig ausgebügelt worden wäre. Natürlich muss man sich davor hüten, Wirtschaft und Börse 1:1 übersetzen zu wollen. Unabhängig vom zeitlichen Versatz, der durch das Antizipationsverhalten der Marktteilnehmer begründet ist, spielen weitere Faktoren eine Rolle. Der wohl wesentlichste ist die Liquidität, die von den Notenbanken zur Verfügung gestellt wird – und von der gab es reichlich. Die Nach-Corona-Hausse ist also vor allem liquiditätsgetrieben, während nur in ausgewählten Branchen auch die Gewinne sprudeln. Man könnte diesen Zusammenhang auch als eine Fluchtbewegung aus diesem nun beschleunigt verwässerten Geld interpretieren, die sich anderenorts in Kurssteigerungen zeigt.



Ventil der Geldschöpfung

Auch der Goldchart scheint diese Sichtweise zu unterstützen. Das klingt zunächst vielleicht merkwürdig, da das gelbe Metall über die letzten Monate per Saldo ja gefallen ist. Allerdings hatten wir genau dies als mögliche Flaggenkorrektur auf den vorangegangenen Preisanstieg identifiziert – eine Korrektur, die nun zu Ende gehen könnte (vgl. Abb. 2). Denn nach dem letzten Ausschüttler am Montag, kam es bereits gestern zu einer starken Aufwärtsbewegung, was nun einen Spielraum bis zur oberen Flaggenbegrenzung im Bereich von ca. 1.930 USD/Feinunze eröffnet und – nach Abschluss der Flaggenkorrektur – sogar Kurse weit darüber hinaus möglich erscheinen lässt.



„Digitales Gold“ unter Dampf

Diese Sichtweise deckt sich mit der Entwicklung bei einem anderen „Alternativgeld“. Der Bitcoin, gerne als digitales Gold apostrophiert, konnte gestern ein neues Allzeithoch in US-Dollar erreichen und zeigte sich damit für einen, der schon oft totgesagt wurde, bemerkenswert vital. Zuletzt errechnete Citibank-Analyst Thomas Fitzpatrick sogar ein Kursziel von 318.000 USD – und zwar bereits bis Dezember 2021! Auch wenn die krumme Zahl hier so etwas wie eine genaue Berechnung suggeriert, ist das natürlich vollkommen unmöglich – nicht das Kursziel, sondern eine exakte Berechnung desselben. Dass nun aber solche Studien an den Markt kommen, nachdem (!) sich der Bitcoin von seinen Jahrestiefs bereits rund verfünffacht hat, sollte ebenfalls zu denken geben.

Kurssteigerung entzündet Fantasie, nicht umgekehrt

Es ist also die bereits erfolgte Kurssteigerung, an der sich die Fantasie und die Hoffnung auf noch sehr viel mehr entzündet. Entsprechend boomen derzeit auch Aktien rund um das Krypto-Thema. Und da tummelt sich allerlei, auch jene Unternehmen, die ihr Geschäftsfeld und ihren Namen erst kürzlich von „Irgendwas mit Gold“ über „Irgendwas mit Bio“ zu „Irgendwas mit Krypto“ geändert haben. Echte Pioniere sind dagegen rar gesät und entsprechend teuer, besonders im deutschen Sprachraum. Ein solches Unternehmen ist beispielsweise die Bitcoin Group (WKN A1TNV9), die als Betreiber eines Handelsplatzes für Kryptowährungen schon auf einige Jahre unternehmerischer Kontinuität verweisen kann. Zudem engagieren sich die Krefelder noch in weiteren Geschäftsfeldern rund um die Themen Blockchain und Krypto. Die Kursentwicklung der Aktie hinkt allerdings deutlich hinter der des Bitcoin her. Zocker werden das Papier daher nicht so attraktiv finden und ein Schnäppchen ist die Aktie auf dem aktuellen Niveau auch nicht.

Fazit

Das Zauberwort für die Märkte heißt Liquidität. Wenn aber die Perspektiven der Wirtschaft eingetrübt sind und das Geld in Strömen fließt, dann wird nach Geldalternativen gesucht und die Spekulationslust steigt.





Quelle: Smart Investor




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