Smart-Investor: Die Rechnung kommt zum Schluss

Mittwoch, 28.02.24 17:53
Smart-Investor: Die Rechnung kommt zum Schluss
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Die Bundesbank als Schatten ihrer selbst

Boom & Bust
Wer den sogenannten „Bust“ für das Problem hält, hat über den Boom nicht nachgedacht. Gemeint ist jener künstliche Boom, der durch bloße Kreditexpansion herbeigeführt wird. Würde man bei den Notenbanken die Lehren der Österreichischen Schule der Nationalökonomie beherzigen, oder auch nur kennen, wäre der viele Jahre währende Irrweg von Finanzieller Repression und Nullzinspolitik wohl gar nicht erst beschritten worden. Eine aufgestaute Bereinigungskrise kann man zwar noch ein wenig weiter schieben, vorzugsweise bis in die Amtszeit des Nachfolgers, mit frischem Geld „wegdrucken“ kann man sie aber nicht. Ludwig von Mises, herausragender Vordenker der Austrians, mahnte schon vor vielen Jahrzehnten:

„Credit expansion can bring about a temporary boom. But such a fictitious prosperity must end in a general depression of trade, a slump.“
(Ludwig von Mises)
(„Eine Kreditausweitung kann einen vorübergehenden Boom bewirken. Aber ein solcher fiktiver Wohlstand muss in einer allgemeinen Depression des Handels, einem Einbruch, enden.“)

Der legendäre Roland Baader hatte diesen Sachverhalt etwas „blumiger“ beschrieben:
„Was wir vorgefressen haben, werden wir nachhungern müssen.“

„Whatever it takes“
Entsprechend hat man bei dem Aufschwung, der nach der Finanzkrise 2008 einsetzte, meist „vergessen“, die entscheidende Ursache zu erwähnen – ein durch die Notenbanken in absurde Tiefen, ja bis in den Negativbereich heruntermanipulierter Zins. Eine der Methoden, welche die „Whatever it takes“-Gottspieler dabei angewendet hatten, bestand darin, buchstäblich jeden Anleiheschrott zu kaufen, der auf dem Markt verfügbar war, und den gab es reichlich. Denn in dieser Abwärtsspirale setzte der künstlich gesenkte Zins naturgemäß nicht das Signal zum Sparen, sondern das Signal, sich nun erst recht zu verschulden.

„Geld raus, Schrott rein!“ war das unausgesprochene Credo der EZB, das auch die nachgeordneten Notenbanken beherzigen mussten. Das hatte, wie die Zinswende zeigt, einen Preis. In dem jüngst vorgestellten Geschäftsbericht für 2023 vermeldete die Deutsche Bundesbank – in der Welt des Fiatgeldes ehedem eine höchstangesehene Institution – Rekordverluste von fast 22 Mrd. EUR. Um doch noch auf die berühmte „schwarze Null“ zu kommen mussten die Wagnisrückstellung sowie Rücklagen aufgelöst werden. Das Eigenkapital der Bundesbank beträgt übrigens ganze 3,1 Mrd. EUR.

Macrons Mantra
Da wir es schon von der „Whatever it takes“-Politik hatten, die vor allem Kindern in der Trotzphase gut ansteht, müssen wir leider feststellen, dass diese Haltung keineswegs auf die sogenannten Krisenbewältigungsstrategien von Notenbanken beschränkt ist. Einen regelrechten Shitstorm löste zuletzt Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron mit seiner Aussage aus, wonach er den Einsatz von NATO-Bodentruppen in der Ukraine nicht ausschließe.

Die großen Medien beeilten sich uns heute zu erklären, was hinter der Aussage gesteckt haben mag bzw. was diese eigentlich bedeute. Angesichts der Debatte gingen einige, wie das Düsseldorfer Handelsblatt, sogar auf verbale Distanz zu Macron. Aus der vielbeschworenen deutsch-französischen Freundschaft wurde dort flugs die „deutsch-französische Zweckehe“. Wir vermuten hinter Macrons Äußerung vor allem einen Versuchsballon, mit dem die Kriegsbereitschaft der westlichen Bevölkerung getestet werden soll. Weil die Reaktionen so überwältigend negativ ausfielen, ist nun mit verstärkter Propaganda unserer Medien zu rechnen.

Auch sogenannte False-Flag-Operationen sind ein bewährtes Mittel gegen die Kriegsmüdigkeit der eigenen Bevölkerung. Selbst wenn die aktuellen Frontmeldungen in eine andere Richtung deuten, gilt Macrons trotziges Mantra: „Russland darf nicht gewinnen.“ Sollte China das Gleiche über die Ukraine denken, bewegen wir uns schnurstracks in Richtung Weltkrieg und alle Performanceprobleme werden nachrangig. Besondere Aktualität hat vor dem Hintergrund der Macron-Äußerungen das Gespräch gewonnen, das Smart Investor Chefredakteur Ralf Flierl vor wenigen Tagen mit Generalmajor a.D. Gerd Schultze-Rhonhof zum Thema „Militärische Konkursverschleppung“ geführt hat.

Dividende, der bessere Zins – Markt, der bessere Staat
Falls Sie das Vorstehende aufmerksam gelesen haben, dann wissen Sie, dass zum Wochenende der Smart Investor 3/2024 erschienen ist und, dass dieser wieder ein breites Spektrum an Themen abdeckt. Dabei haben wir über unsere Titelstory „Dividenden vs. Zinsen“ noch gar nicht gesprochen. Denn trotz des erreichten hohen Zinsniveaus bleiben Dividendenwerte attraktiv. Zum einen weisen die besten unter ihnen eine Wachstumsdynamik auf, die für steigende Erträge in der Zukunft sorgen kann. Zum anderen sind hier mit Ihrer Anlage direkt an einem ertragreichen Unternehmen beteiligt und nicht bloßer Gläubiger einer Anleihe.

Egal, ob Sie sich für Dividenden-Champions oder -Aristokraten entscheiden, Smart Investor präsentiert Ihnen in jedem Fall eine interessante Auswahl. Ein weiterer Schwerpunkt ist Argentinien. Der frisch gewählte Präsident Javier Milei hat ein beeindruckendes Tempo vorgelegt, um das Land aus dem Sumpf von Korruption und Sozialismus zu ziehen, trotz fehlender eigener Parlamentsmehrheit. Inzwischen konnte er sogar das erste Haushaltsplus seit einem Jahrzehnt vermelden, was der hiesige grün-sozialistische Medienmainstream durch intensives Wegschauen honorierte. 



Zu den Märkten
Vier weitere Allzeithochs in Folge ist die Bilanz der Berichtswoche im DAX. Vor dem Hintergrund der Nachrichtenlage ist das mehr als bemerkenswert. Nicht einmal die Äußerungen des französischen Staatspräsidenten Macron zum möglichen Einsatz von NATO-Bodentruppen in der Ukraine konnten die europäischen Aktienmärkte verunsichern, im Gegenteil:

Kroch der DAX bislang nur an seiner oberen Begrenzungslinie entlang, so gelang ihm am Donnerstag, also direkt nach unserem letzten Newsletter, der Befreiungsschlag. Er sprang mit einem Gap über diese Linie. Damit produzierte er – wir wiederholen uns – ein markantes Allzeithoch, dem unmittelbar drei weitere folgten. Schon in der Vorwoche zeichnete sich ab, dass das mögliche Adam&Eva-Top wohl keine Negativwirkung entfalten wird. Das Ausmaß des Kurssprungs vom Donnerstag war dennoch überraschend. Auslöser waren die Nvidia-Zahlen. Das Unternehmen hatte es am Mittwochabend geschafft, die bereits hohen Erwartungen noch einmal zu schlagen. Zwar ist Nvidia nicht im DAX enthalten und auch ein vergleichbares Unternehmen findet sich dort nicht, es ist aber bezeichnend für die vorherrschende Fear-of-missing-out-Stimmung, dass einfach trotzdem gekauft wurde, als gäbe es kein morgen.

 

Fazit
„What ever it takes“ ist immer häufiger die trotzige Ultima Ratio der Politik. Dass die Rechnung dafür am Ende sehr viel höher ausfallen kann als anfänglich geglaubt, ist dann das Problem der Überlebenden.

Ralf Flierl, Ralph Malisch
smartinvestor.de




Quelle: Smart Investor