Projection Bands von Mel Widmer Erklärung – Technische Analyse

Aussage:
Die Envelope-Technik der „Projection Bands“ wurde 1995 von Mel Widmer vorgestellt. Im Unterschied zu anderen Bandkonstruktionen wie „Bollinger-Bändern“ oder „Keltner-Channels“ sind dabei alle Kurse innerhalb der Bänder angesiedelt, weshalb die Bänder meist in der Form eines abgeleiteten Oszillators zusammen mit Extremzonen betrachtet werden. Der Verlauf der „Projection Bands“ wird durch die Endpunkte eines adaptiven n-Perioden Regressionskanals gegeben, d.h. die aktuelle n-Perioden-Regressionsgerade wird soweit nach oben und unten verschoben, bis alle Kurse des n-Perioden Zeitraums (insbesondere also auch die letzten) in dem entstehenden Kanal eingeschlossen sind. Die Bänder beschreiben also eine Art n-Perioden-Range, in die vergangene Kurse nicht direkt eingehen, sondern nachdem sie entlang des aktuellen Trends (der durch die Regressionsgerade gegeben ist) auf den Auswertungszeitpunkt projiziert wurden. Die Fragestellung: „Wie hoch sind die Preise?“ (Motto „Kaufe unten, verkaufe oben“) wird durch diese Bänder also etwas anders als z.B. beim „Stochastik“ beantwortet, indem bei dem Vergleich der aktuellen Kurse mit den vergangenen der Trend einbezogen wird. So ist z.B. innerhalb eines Aufwärtstrends ein Kurs, der sich auf demselben Niveau wie ein vergangenes Hoch bewegt, relativ niedrig.

Berechnung:
Die beiden Bänder der „Projection Bands“ werden meist unabhängig voneinander, jeweils auf High- und Low-Kursen basierend, berechnet. Für das obere Band ist also die n-Perioden-Regressionsgerade der High-Kurse nach oben zu verschieben, bis sie oberhalb aller High-Kurse im n-Perioden-Zeitraum verläuft und entsprechend ist für das untere Band die Regressionsgerade der Low-Kurse nach unten zu verschieben. Die Endpunkte dieser beiden Geraden bilden die aktuellen Werte für das obere und untere „Projection Band“. Der „Projection Band Oszillator“ (PBO) beschreibt die relative Lage des Close innerhalb dieser Bänder auf einer Skala von 0 bis 100 (%). Ein weiteres Indikator-Derivat der „Projection Bands“ ist die „Projection Bandwidth“ (PBW), die den relativen Abstand der Bänder angibt. Basis für die Normierung ist dabei der Mittelpunkt der Bänder.

Formel:
Projection Bands ProjHight(i) = Ht-i + SHt * i , für i = 0 .. n-1 ProjLow(i) = Lt-i + SLt * i , für i = 0 .. n-1 PBUppert = Max { ProjHight (i) | i = 0 .. n-1 } PBLowert = Min { ProjLowt(i) | i = 0 .. n-1 } Projection Band Oscillator PBO = 100 * (C - PBLower) / (PBUpper - PBLower) PBOslow = EMAx (PBO) Projection Bandwidth PBW = 100 * (PBUpper - PBLower) / ((PBUpper + PBLower) / 2) wobei SH = absolute Steigung der n-Perioden-Regressionsgeraden für High-Kurse pro Periode SL = absolute Steigung der n-Perioden-Regressionsgeraden für Low-Kurse pro Periode ProjHigh(i) = projizierter High-Wert von vor i Perioden ProjLow(i) = projizierter Low-Wert von vor i Perioden n = Periodenzahl für Regression und Zeitraum x = Periodenzahl für die Glättung der Slow-Variante

Einstellung:
n = 14 x = 3 - 5

Interpretation:
Der „PBO“ oszilliert im Bereich von 0 bis 100 und beschreibt dabei die Entfernung des Close vom oberen und unteren „Projection Band“, d.h. bei Werten von 0 bzw. 100 liegt der Close genau auf dem unteren bzw. oberen Band, bei Werten von 50 in der Mitte beider Bänder. Verwendet wird er als Overbought-/Oversold-Indikator, wobei die Extremzonen in der Regel bei 20/80 anzusiedeln sind. Widmer schlägt beispielhaft vor, die Kreuzungspunkte des „PBO“ mit seiner Glättung (3-5 Perioden) als Signale zu verwenden, sofern diese innerhalb der Extremzonen liegen. Im Gegensatz zu anderen Overbought-/Oversold-Indikatoren gibt der „PBO“ auch Hinweise auf Abweichungen von seinem Trend, indem er die Extremzonen verlässt, wenn sich die Kurse nicht mehr in der vom Trend gegebenen Stärke bewegen. Die „Projection Bandwidth“ beschreibt den Abstand der beiden „Projection Bands“. Kleine „PBW“-Werte, also eine Bandverengung, gelten dabei als Vorbote von neuen Trends, während hohe Werte ein Trendende ankündigen können.

Empfehlung:
Der „PBO“ wird von Widmer weniger als umfassendes Handelssystem gesehen, sondern als Instrument, um beachtenswerte Situationen im Markt anzuzeigen. Seine Signale sollten also im Kontext von anderen Kriterien, die z.B. aus längerfristigen Trends oder auch fundamentalen Daten hervorgehen, gesehen werden.

Querverweise:
StochastikTSF

Quelle:
Thomas Müller, TM BÖRSENVERLAG AG: Das GROSSE Buch der TECHNISCHEN INDIKATOREN

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