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Kolumne08:24 28.07.14

Börsenexperte und Autor Prof. Dr. Max Otte

Die Versenkung der Lusitania

Damals wurde ein amerikanischer Passagierdampfer im Zuge des uneingeschränkten U-Boot-Krieges vor der Küste Irlands von einem deutschen U-Boot versenkt.

1200 Passagiere kamen um. Bis heute streiten sich die Historiker, ob die Lusitania nicht Kriegsmaterial an Bord hatte. Das Kaiserreich hatte vorher Anzeigen in amerikanischen Tageszeitungen (Amerika war neutral) geschaltet, die vor der Überfahrt warnten:

"ACHTUNG! Reisende, die vorhaben, den Atlantik zu überqueren, werden daran erinnert, dass Deutschland und seine Alliierten und Großbritannien und seine Alliierten sich im Kriegszustand befinden; dass das Kriegsgebiet auch die Gewässer rings um die Britischen Inseln umfasst; dass in Übereinstimmung mit der formellen Bekanntgabe der Kaiserlichen Deutschen Regierung alle Schiffe, die die Flagge Großbritanniens oder eines seiner Verbündeten führen, Gefahr laufen, in diesen Gewässern zerstört zu werden, und dass Reisende, die im Kriegsgebiet auf Schiffen aus Großbritannien oder seiner Verbündeten reisen, dies auf eigene Gefahr tun. KAISERLICHE DEUTSCHE BOTSCHAFT, WASHINGTON D. C., 22. April 1915."

Das Deutsche Reich hatte als Antwort auf die Seeblockade Englands einen uneingeschränkten U-Boot-Krieg begonnen, der nach der Versenkung der Lusitania bis zum Februar 1917 eingestellt wurde. Man wollte die USA nicht zum Krieg reizen. Die USA begannen aber zunehmend, einen Krieg ohne Krieg zu führen, indem man England und Frankreich mit Material und billigem Kriegsgerät unterstützte.

Es gibt auch eine durchaus ernstzunehmende Diskussion auf wikipedia.de, ob die englische Admiralität die Lusitania damals absichtlich ohne Begleitschutz in ein Gebiet fahren ließ, von dem man wusste, dass dort deutsche U-Boote lauerten.

Nachdem die Entente Mächte dann Anfang 1917 die Zerstückelung des Habsburgerreiches und andere sehr weitreichende Kriegsziele veröffentlicht hatten - im Prinzip eine Kapitulation der Achsenmächte forderten - erfolgte im April 1917 der Kriegseintritt der USA. Der Rest ist Geschichte.

Warum schreibe ich über die Geschichte, die sich vor 100 Jahren abgespielt hat?
 

Weil es nun einen ähnlichen Fall gibt: MH17. Die Hintergründe sind unklar, und doch scheint man schon überall einen Schuldigen ausgemacht zu haben: Russland. Putin.

Langsam wird mir angst und bange. Ein erschwindelter Krieg im Irak mit herbeigelogenen Begründungen durch die USA, der arabische Frühling, Syrien und nun die Ukraine. Alles äußerst undurchsichtige Konflikte. Zwar ist es da nicht so eindeutig wie im Fall Irak, dass die USA einen Krieg unter falschen Vorwänden begonnen oder erlogen haben, aber hier entsteht ein Feuer nach dem anderen am Rand Europas. Und es wird kräftig geschürt und nicht gelöscht.

Der ukrainische Präsident (ein Oligarch und Milliardär) bezeichnete die Separatisten im Osten - Russen, die für ihr Recht auf Selbstbestimmung kämpfen - als "Unmenschen".

Mein Lehrer an der Princeton University Professor Robert Gilpin schrieb in seinem Buch "War and Change in World Politics", das absteigende Hegemonialmächte, die sich an ihre Führungsrolle und die entsprechenden Privilegien gewöhnt haben, ihren Status immer aggressiver verteidigen. Und wenn es zu grundlegenden Änderungen im Weltsystem kommt, weil neue ökonomische Mächte aufsteigen, kommt es sehr oft zu großen Kriegen.

1914 war die wirtschaftliche Entwicklung eines phantastisch organisierten Deutschlands vielen anderen ein Dorn im Auge.

Heute ist China die aufsteigende Macht. Europa ist nur noch ein Territorium, über das verfügt wird. Wir bestimmen unser Schicksal nicht mehr selber, das wird hier wieder klar. Russland ist noch ein teilweise souveräner Staat.

Zwei Altbundeskanzler - Schmidt und Schröder - haben vor einem Konfliktkurs mit Russland gewarnt. Erschreckt hat mich ansonsten die Kritiklosigkeit der westlichen Medien, die Propaganda verbreiten, anstelle zu versuchen, den Fragen mit ernsthaften Analysen auf den Grund zu gehen.

Im Übrigen las ich in einer brandenburgischen Tageszeitung, dass man gegen arabische Demonstrationen in Deutschland gegen das Vorgehen Israels im Gaza-Konflikt vorgehen wolle, weil es dort antisemitische Hetze gebe. Was viele nicht wissen: Redakteure des Springer-Verlages (Bild, Welt) müssen Arbeitsverträge unterschreiben, bei denen die guten Beziehungen zu Israel und den USA Vertragsbestanteil sind.

Zurück zur Weltlage: Wir können nur hoffen, das alles gut geht.
 

Für das Investmentgeschäft hat das alles wenig konkrete Auswirkungen. Wenn es zur Katastrophe kommt - bereits heute sind auf der Welt mehr Menschen vor Kriegen auf der Flucht als jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit - dann haben wir andere Sorgen. Wenn nicht, bleibt das Investmentkalkül unverändert.

Die nach meiner Strategie geführten Fonds sind mit bis zu ca. fünf Prozent in russische oder russlandnahen Aktien investiert, wie Gazprom neft (WKN: A0J4TC), Sberbank (WKN: A1JB8N) oder Oriflame (WKN: A0B9NJ). Aber wie bei Griechenland vor drei Jahren ist das für uns die Obergrenze.

Obwohl die Risiken ganz andere - und viel größere sind.
 

Legen Sie eine Gedenkminute für Frieden ein!

Auf gute Investments,

Ihr
 

Prof. Dr. Max Otte
maxotte.de


 

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