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Contango und Backwardation in einer Kurve

Wohin geht die Reise? Contango oder Backwardation? - Beispiele

 

Neben der bereits vorgestellten gibt noch weitere interessante Formen von Terminkurvenverkäufen, die wir uns nun noch im Folgenden kurz anschauen wollen. Und zwar solche, die sich nicht recht entscheiden können, welches Spiel denn nun gespielt werden soll: Contango oder Backwardation. Am besten beide, denn der Markt kann sich scheinbar bei Nickel und bei Kupfer nicht für eine Richtung entscheiden, so dass bei den beiden Kurven beide Konstellationen in ausgeprägter Form im Zeitverlauf zu beobachten sind.

 

Nickel befindet sich zuerst einige Monate in Contango bis die Kurve nach unten wegkippt und der Markt dann für die nächsten vier Jahre in Backwardation abtaucht. Hier gehen die Marktteilnehmer offensichtlich davon aus, dass sich innerhalb der nächsten Monate eine aktuell vorhandene und in der näheren Zukunft sich weiter zuspitzende Knappheitssituation wieder auflösen wird, so dass sich die Preise nach einem Preisanstieg bald wieder zurückbilden werden.

 

Contango und Backwardation in einer Kurve? (Anfang 2010)

 

Terminkurve für Nickel

 

Grafik

 

Terminkurve für mageres Schwein

 

Grafik

 

Ähnlich die Situation bei Schweinefleisch, jedoch entscheidet sich die Kurve hier nach dem Preisrückgang wieder dazu, wieder nach oben abzudrehen. Der »Schweinezyklus« unterliegt regelmäßig großen Preisschwankungen. Die Erklärung ist, dass das Angebot an und die Nachfrage nach magerem Schweinefleisch großen Schwankungen unterliegt. Die Schweinezüchter sind aufgrund der relativ unflexiblen Zuchtbedingungen nicht in der Lage, schnell auf sich verändernde Marktgegebenheiten zu reagieren, so dass die Preise sich relativ volatil entwickeln und saisonale Vorhersagen daher sehr schwierig sind. Die Terminkurve spiegelt diese Unsicherheit in ihrer seltsamen Form wieder.

 

Schauen wir uns nun zuletzt noch an, wie stabil die Form von Terminkurven über die Jahre hinweg geblieben sind.

 

Das Wechselspiel von Contango und Backwardation am Beispiel von Rohöl der Sorte Brent

Preisdifferenz zwichen dem 1-Monats- und dem 12-Monats-Future 

 

Chart

 Quelle: in Anlehnung an LBBW

 

 

An der grafischen Aufbereitung der Differenz des 12-Monats-Futures zum 1-Monats-Future bei Rohöl lässt sich sehr gut erkennen, dass sich im Zeitablauf immer wieder Phasen von Backwardation und Contango abwechseln. Außerdem liefert ein Blick auf den Kurvenverlauf die Erkenntnis, dass die geschlagenen Haken weg von der einen in die andere Marktsituation durchaus gewaltig sein können. Wie Sie am rechten Rand der Grafik sehen können, ist die Contango-Situation im Zuge der weltweiten Finanzkrise in den Jahren 2008/2009 sehr ausgeprägt gewesen. Gleichzeitig gingen die Lagermieten für die Lagerung von Rohöl zurück und die Frachtraten für Supertanker fielen gar ins Bodenlose.

 

Diese Verbindung einer steilen Terminkurve und günstiger Lagerbedingungen machte es beispielsweise für Hedge-Fonds lukrativ, Terminarbitrage zu betreiben.

 

So kam es, dass vor allem im Frühjahr 2009 rund zweihundert Millionen Barrel Öl auf den Ozeanriesen gebunkert waren, die auf Termin bereits wieder verkauft waren und nur noch auf ihre Belieferung warteten. Der risikolose Arbitragegewinn war dabei schon längst von den cleveren Fondsmanagern eingesackt worden.

 

Solange also die Terminkurve steil ansteigt und rezessionsbedingt die Frachtraten niedrig sind, solange verspricht diese einfache, aber relativ selten anzutreffende Konstellation satte Gewinne für die Arbitrageure. Die niedrigen Frachtraten lassen Spekulanten jedoch auch ohne Arbitragetransaktionen feuchte Hände bekommen: Sie können durch die vernachlässigbaren Lagerkosten langfristig real in Öl investieren und müssen nicht den Umweg über rollierende Futures gehen – ein nicht zu unterschätzender Vorteil wie Sie später noch sehen werden. In Hoffnung stark steigender Rohölpreise wurde das Rohöl auf dem Höhepunkt der Krise mit Ölpreisen von 30 US-Dollar pro Barrel gekauft und eingelagert. Ein paar Monate später verdoppelte sich der Preis bereits! Ein gutes Geschäft also für die neuen Klabautermänner mit ihren schwimmenden Zapfsäulen!

 

Im Öl-Lagergeschäft wittern denn Marktbeobachter gar bereits einen neuen Wachstumsmarkt: Die strategische Vorratshaltung habe ihrer Ansicht nach zugenommen, so dass die Nachfrage nach geeigneten Lagerkapazitäten weiterhin sehr gut sei. Neben Tankern profitieren hiervon vor allem Hafen- und Terminalbetreiber. Das Thema Rohstoff-Investments umfasst eben viele Facetten: Neben der Investition in die Rohstoffe selbst sind auch solche in mit Commodities »nur« indirekt verbundene Themen wie eben die Lagerung oder den Transport oftmals sehr interessant.

 

Ähnliche Muster und Ausschlagsintensitäten wie sie bei der Rohöl Terminkurve zu beobachten waren, sind in den letzten Jahren bei sehr vielen Rohstoffen erkennbar, wenn man einen solchen Vergleich über mehrere Jahre hinweg für den Gesamtrohstoffmarkt anstellt. Bei dem einen Commodity in mehr, bei dem anderen wiederum in weniger ausgeprägter Form. Dies bedeutet bezüglich der Berechenbarkeit und Verlässlichkeit der Rohstoffmärkte:

 

Sicher ist nur der Tod und nicht ein dauerhaftes Contango oder Backwardation!

 

Es gibt deshalb keinesfalls feststehende Regeln oder gar per Naturgesetz festgelegte Zusammenhänge die besagen, dass Rohstoff A permanent im Contango-Hotel logiert und Rohstoff B Dauergast im Backwardation-Hotel ist. Wer Ihnen solche Regeln als für bare Münze verkaufen will, der hat entweder keine Ahnung von den Rohstoffmärkten oder will Ihnen wahrscheinlich ein speziell auf eine der beiden Situationen abgestimmtes Investment verkaufen und durch das Verschweigen von Tatsachen elegant damit verbundene Risiken unter den Tisch kehren.

 

Was damit gemeint ist, das erfahren Sie in den nächsten Artikeln.

 

Richtig ist zwar, dass in der Vergangenheit bei sehr vielen Rohstoffen über lange Zeiträume hinweg Backwardation beobachtet werden konnte (die Normal-Backwardation lässt grüßen). Das Rollen von einem auslaufenden Kontrakt in einen mit längerer Laufzeit war während dieser Zeiträume sehr vorteilhaft für langfristige Futuresinvestoren. Allerdings hat sich die Lage bei vielen Rohstoffen in den letzten Jahren aufgrund der immer größer werdenden Rolle von Finanzinvestoren an den Rohstoffmärkten, der ständig steigenden globalen Nachfrage nach Rohstoffen und einer zukünftig unsicherer werdenden Versorgungssituation zumindest vorübergehend grundlegend gewandelt.

 

FAZIT:

 

Einige Experten sehen neben stärker werdenden Schwankungen der Märkte zwischen den beiden Konstellationen gar aufgrund der bereits genannten strukturellen Änderungen auf den Märkten eine grundlegende und dauerhafte Wende bei vielen Rohstoffen heraufziehen. Sie befürchten, dass Contango wegen der neuen Gegebenheiten der Normalfall werden bzw. bleiben könnte. Doch das bleibt erst einmal genau zu beobachten! Bis dahin sollten sich Investoren nicht von historischen Kursverläufen zu stark beeindrucken lassen und die historische Situationen genau unter die Lupe nehmen. Eine einfache Fortschreibung einer vergangenen Entwicklung sollte hier, wie übrigens auch bei allen anderen Investmentmöglichkeiten an den Geld- und Kapitalmärkten, tunlichst vermieden werden. Denn ob sich ein Rohstoff in Backwardation oder Contango befindet, dass ist von extrem wichtiger Bedeutung für den erzielbaren Erfolg bei einem Rohstoffinvestment.

Grundlagen

Globale Rohstoffmärkte

Besonderheiten des Rohstoffhandels

Rohstoffindizes im Überblick

Rohstoffinvestment - auch für Privatanleger?

Passive Rohstoffstrategien

Produkte auf Einzelrohstoffe

Einfache Handelsstrategien mit CoT-Reports

Wo Sie mehr Rohstoff-Informationen finden