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Spekulanten und die Rohstoffpreise

Bis heute noch nicht völlig geklärt sind die Hintergründe des massiven Preisanstieges bei Rohöl im Jahr 2008, als der Preis für das Schwarze Gold sich innerhalb von Monaten verdoppelte um dann regelrecht gemeinsam mit etlichen Pleitebanken zu kollabieren. Neben dem enormen Hunger der zu dieser Zeit florierenden Weltwirtschaft nach Öl wurden mehr und mehr Spekulanten für die Preisexplosion und den anschließenden Einbruch verantwortlich gemacht. In einer Reihe von Untersuchungen und Studien konnte jedoch die Rolle des spekulativen Kapitals bei dieser extremen Preisentwicklung nicht eindeutig nachgewiesen werden. Die folgende Grafik zeigt jedoch einen nicht zu übersehenden Gleichlauf in der Positionierung spekulativen Kapitals und der Entwicklung des Ölpreises.

 

Einfluss von Spekulanten am Ölmarkt

Spekulative Netto-Long-Positionen, Ölpreis der Sorte WTI in USD pro Barrel

 

Vergleichschart

 Quelle: Commerzbank

 

In einigen Ländern erheben sich, seitdem das ganze Ausmaß der Folgen der Finanzkrise und der anschließenden tiefen Rezession auf dem Tisch liegt, seitens der Politik mehr und mehr Stimmen gegen massive Spekulationsbewegungen an den Rohstoffmärkten.

 

So wie beispielsweise im Rahmen des Beinahzusammenbruchs des Bankensystems im Nachgang der Lehman-Pleite im Herbst 2008 Spekulationen auf fallende Kurse von Bankaktien teilweise gesetzlich verboten wurden, so wollen Politiker per Dekret den Zufluss spekulativen Kapitals an die Rohstoffmärkte verbieten oder zumindest massiv einschränken.

 

Ein Blick an den noch recht jungen aber sehr dynamisch wachsenden Rohstoffhandelsplatz Indien zeigt, dass es solche Regeln auch tatsächlich schon gibt. Dort dürfen Banken und Fonds keine spekulativen Positionen an den nationalen Rohstoff-Terminbörsen eingehen, um das Wechselspiel von Angebot und Nachfrage seitens der »echten« Rohstoffinteressenten nicht durch einen massiven Kapitalzufluss zu stören und unberechenbaren Preisbewegungen auszusetzen.

 

In die selbe Richtung gehen Überlegungen vieler Regierungen, den Banken den Handel mit Finanzinstrumenten und Rohstoffen gleich ganz zu verbieten, um die strukturelle Sicherheit des weltweiten Bankensystems zu erhöhen.

 

Dahinter steckt die einfache und recht einleuchtende Idee, dass je weniger Risiken die Banken auf sich laden, desto sicherer sind die Spareinlagen der Bankkunden und desto weniger Stützungsmaßnahmen der Steuerzahler sind in Krisenzeiten zur Rettung der Bankenlandschaft notwendig.

 

Eine solche Beschränkung des Handels würde zweifellos die Investitionsmöglichkeiten an den Rohstoffmärkten erheblich erschweren bzw. teilweise sogar unmöglich machen. Zudem würde die Preisentwicklung vermutlich an Volatilität verlieren und somit in ruhigeren Bahnen verlaufen.

 

Allerdings sollten sich die Befürworter dieser Idee bei all ihrer vordergründig auf der Hand liegender Vorteile der Rolle der Spekulanten an den Finanz- und eben auch an den Rohstoffmärkten bewusst sein:

 

Ohne Spekulanten keine effizienten Märkte und dadurch tendenziell schlechtere Absicherungsmöglichkeit für diejenigen, die sich mit Preissicherungsgeschäften gegen allzu heftige Preisschwankungen versichern möchten.

 

Egal ob Rohstoffoptimist oder eher –pessimist, in einem Punkt sind sich die Beobachter jedoch einig:

 

Durch die strukturelle Änderung des Umfeldes der Commodity-Märkte wird die Schwankungsanfälligkeit (Volatilität) der Preise sehr wahrscheinlich größer werden, als dies in der Vergangenheit der Fall war. Ein Vorgeschmack auf diese Entwicklung konnte bereits in den vergangenen Jahren beobachtet werden. Im folgenden Schaubild sind die monatlichen Schwankungen des breit über viele Rohstoffarten hinweg diversifizierten DJ-UBS-TR-Index aufgetragen und es ist gut ersichtlich, dass die Schwankungsbreiten über die Zeit hinweg immer mehr zugenommen haben.

 

Monatliche Schwankungen des Dow Jones UBS Commodity Index

 

Tabelle

Quelle: DZ Bank, 2009

 

 

Welche Gründe sprechen nun für dieser Annahme zukünftig stärkerer Preisschwankungen?  

  • Nicht mehr nur die klassischen Akteure sind an den Rohstoffmärkten aktiv, immer mehr spekulative Anleger mit kurzem Investitionshorizont drängen auf die Märkte. Hier sind vor allem auch hochspekulative Hedge-Fonds zu nennen, die maßgeblich für den sehr schnellen und steilen Anstieg der Rohölpreise mit Erreichung neuer Rekordnotierungen im Sommer 2008 verantwortlich gemacht werden. Aber auch verstärkt andere, eher langfristig orientierte Großanleger wie Versicherungen oder »normale« Investmentfonds drängen auf die Commodity-Märkte und bedingen dadurch eine weitere Verschiebung der Marktkräfte von Angebot und Nachfrage.

  • Die Etablierung und Weiterentwicklung der elektronischen Handelsplätze rund um die Welt führt zu einer immer weiter fortschreitenden globalen Vernetzung der Rohstoffmärkte. Innerhalb von Sekunden können riesige Volumen auf den Markt geworfen werden oder durch entsprechende Kauforders urplötzlich eine riesige Nachfrage entstehen. Dies führt zu tendenziell größeren Preisschwankungen, als dies noch vor nicht allzu langer Zeit zu beobachten war.

  • Die Finanzindustrie hat durch die Propagierung von Rohstoffinvestment als geeignete Assetklasse sowohl für Institutionelle Großanleger als auch für Privatanleger eine Masse an neuen Kapitalmarktprodukten kreiert, die teilweise nicht nur die traditionelle Positionierung als Käufer oder Verkäufer ermöglichen. Durch den Einsatz weiterer Finanzderivate können unzählige Zusatzkomponenten in beispielsweise ein Zertifikat »eingebaut« werden, was das Chancen-/Risikoprofil eines solchen Produktes völlig verändern kann. Diese komplexen Produkte und deren oft hohen Volumina sorgen zusätzlich dafür, dass die Volatilität der Rohstoffpreise zugenommen haben und auch zukünftig höher bleiben, als vor deren Einführung.

  • Nachdem seit der Wiederentdeckung der Assetklasse Rohstoffe die Preise für nahezu alle Rohstoffe aufgrund der breiten Flut an spekulativem Kapital bis ins Jahr 2006 ausnahmslos nur den Weg nach oben kannten, kann seitdem und vor allem mit Ausbruch der tiefen Weltwirtschaftskrise im Jahr 2008 eine stärkere Spreizung der Preisentwicklung für einzelne Rohstoffe beobachtet werden. Die nachfolgende Grafik zeigt diese differenzierte Entwicklung exemplarisch an den ersten fünf Monaten des Jahres 2009. Es wird von vielen Experten erwartet, dass diese Entwicklung durchaus auch in den kommenden Jahren zu beobachten sein wird, wenn die Marktteilnehmer wieder mehr auf die fundamentalen Marktgegebenheiten achten werden, was dazu beitragen wird, dass nicht blind alle Preise im Gleichschritt nach oben oder nach unten marschieren.

Wertentwicklung unterschiedlicher Rohstoffe Januar bis Mai 2009 

 

Balkengrafik

Quelle: DZ Bank, 2009

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