Englisch: Delivery Price
Der Andienungspreis ist ein zentraler Begriff aus dem Bereich der derivativen Finanzinstrumente, insbesondere bei Optionen und bestimmten strukturierten Produkten. Er beschreibt den Preis, zu dem der Inhaber einer Option das Recht besitzt, den zugrunde liegenden Basiswert zu kaufen oder zu verkaufen, wenn es zur sogenannten Andienung kommt. Die Andienung tritt ein, wenn eine Option ausgeübt wird und der Emittent beziehungsweise der Stillhalter verpflichtet ist, den Basiswert gemäß den Vertragsbedingungen zu liefern oder entgegenzunehmen.
In der Praxis wird der Andienungspreis häufig mit dem Ausübungspreis oder Strike-Preis gleichgesetzt, auch wenn er in speziellen Produktstrukturen leicht abweichende Bedeutungen haben kann.
Bei klassischen Kauf- (Call-) oder Verkaufsoptionen (Put-Optionen) stellt der Andienungspreis jenen Wert dar, zu dem die Abwicklung erfolgt. Wird ein Call ausgeübt, liefert der Stillhalter den Basiswert zum Andienungspreis an den Optionsinhaber. Wird hingegen ein Put ausgeübt, muss der Stillhalter den Basiswert zum Andienungspreis abnehmen. Damit definiert dieser Preis letztlich, ob eine Option im Geld, am Geld oder aus dem Geld liegt und ob sich eine Ausübung wirtschaftlich lohnt.
Beispiel: Ein Anleger besitzt einen Call auf eine Aktie – beispielsweise die Allianz-Aktie – mit einem Andienungspreis von 220 Euro. Liegt der aktuelle Marktpreis über diesem Niveau, etwa bei 240 Euro, ist eine Ausübung ökonomisch sinnvoll, da der Anleger die Aktie für 220 Euro beziehen kann.
Auch bei bestimmten Zertifikaten und sonstigen strukturierten Wertpapieren spielt der Andienungspreis eine Rolle. Hier kann er beispielsweise als Schwelle dienen, die darüber entscheidet, ob der Emittent eine Lieferung des Basiswerts vornimmt oder ob eine Barausgleichszahlung erfolgt. Besonders bei Produkten mit Knock-out- oder Barrierefunktion kann der Andienungspreis Teil der vertraglichen Ausstattungsmerkmale sein.
Ein typisches Beispiel findet sich bei Aktienanleihen. Wird die Barriere unterschritten und die Anleihe am Laufzeitende nicht zum Nominalwert zurückgezahlt, kann der Emittent verpflichtet sein, eine bestimmte Anzahl von Aktien zum vertraglich festgelegten Andienungspreis zu liefern. Dadurch gehen Kursrisiken teilweise auf den Anleger über.
Der Andienungspreis wird häufig mit dem Begriff Ausübungspreis gleichgesetzt. Während der Strike den vertraglichen Ausübungspreis beschreibt, kann der Andienungspreis in Einzelfällen auch den tatsächlich angewendeten Kurs bei der physischen Lieferung darstellen. Die Begriffe überschneiden sich jedoch meist, sodass in den meisten Fällen der Andienungspreis dem Strike entspricht.
Im Gegensatz dazu beschreibt der Marktpreis den aktuellen Börsenwert des Basiswerts. Die Differenz zwischen Marktpreis und Andienungspreis beeinflusst letztlich den Wert einer Option und entscheidet über deren Wirtschaftlichkeit.
Für Anleger ist der Andienungspreis eine entscheidende Kennzahl, da er die Grundlage für potenzielle Gewinne oder Verluste bildet. Er beeinflusst sowohl die Risikoposition als auch die erwartbare Rendite eines Options- oder Zertifikategeschäfts. Besonders bei Produkten, die physisch erfüllt werden, bestimmt der Andienungspreis über die tatsächliche spätere Bestandsgröße im Depot.
Ein gründliches Verständnis des Andienungspreises ist daher essenziell, um Optionsstrategien korrekt zu planen, strukturierten Produkten richtig zu begegnen und mögliche Risiken angemessen einzuschätzen.
Der Andienungspreis stellt bei Optionen und strukturierten Finanzprodukten eine zentrale Bewertungsgröße dar. Er definiert, zu welchem Preis ein Basiswert im Falle der Ausübung geliefert oder angenommen wird, und bestimmt damit maßgeblich das Chance-Risiko-Profil eines Finanzinstruments. Für Anleger ist es daher von großer Bedeutung, diesen Preis korrekt einzuordnen und seine Auswirkungen auf die eigene Investmententscheidung zu verstehen.