Beleihungswert von Wertpapieren

Was ist der Beleihungswert von Wertpapieren?

Der Beleihungswert von Wertpapieren ist der Betrag, den Banken oder Kreditinstitute als Sicherheit für die Vergabe eines Kredits akzeptieren. Er gibt an, welcher Teil des Marktwerts eines Wertpapiers bei der Beleihung berücksichtigt wird und dient dazu, das Ausfallrisiko des Kreditgebers zu minimieren. Der Beleihungswert spielt insbesondere bei Lombardkrediten, Depotkrediten oder anderen kreditfinanzierten Investitionen eine zentrale Rolle.

Definition und Bedeutung

Der Beleihungswert ist grundsätzlich niedriger als der aktuelle Marktwert der Wertpapiere, da Banken einen Abschlag vornehmen, um Preisschwankungen und Marktvolatilität abzusichern. Dieser Abschlag wird auch als Lombardabschlag bezeichnet. Der Beleihungswert hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Art des Wertpapiers: Staatsanleihen werden meist höher bewertet als Aktien, da sie geringere Risiken aufweisen.
  • Bonität des Emittenten: Unternehmen mit hoher Kreditwürdigkeit erhöhen den Beleihungswert ihrer Aktien oder Anleihen.
  • Marktvolatilität: Schwankungsanfällige Wertpapiere werden mit einem größeren Abschlag bewertet, um mögliche Kursverluste abzudecken.
  • Laufzeit und Liquidität: Liquidere Wertpapiere mit kurzer Laufzeit haben meist einen höheren Beleihungswert.

Bedeutung für Anleger und Kreditnehmer

Für Anleger und Kreditnehmer hat der Beleihungswert eine zentrale Funktion, da er die maximal mögliche Kreditaufnahme bestimmt. Beispiele:

  • Lombardkredite: Anleger hinterlegen Wertpapiere als Sicherheit und erhalten bis zu einem bestimmten Prozentsatz des Beleihungswertes als Kredit.
  • Depotfinanzierung: Broker gewähren Margin-Kredite auf Basis des Beleihungswerts der im Depot gehaltenen Aktien oder Fondsanteile.
  • Risikomanagement: Banken können so das Risiko von Kreditausfällen reduzieren, indem sie nur einen Teil des Marktwertes als Beleihungswert anerkennen.

Praxisbeispiel

Ein Investor möchte einen Lombardkredit aufnehmen und hinterlegt dafür Allianz-Aktien. Der aktuelle Kurs beträgt 150€, die Bank bewertet die Aktien mit einem Beleihungswert von 70% des Marktwertes. Bei 100 Aktien entspricht der Marktwert 15.000€, der Beleihungswert liegt folglich bei 10.500€. Diesen Betrag kann der Investor als Kredit nutzen, wobei die Bank die Differenz als Sicherheitsreserve einbehält, um Kursrisiken abzusichern.

Abhängigkeit von Marktbedingungen

Der Beleihungswert kann sich jederzeit ändern, abhängig von:

  • Kursentwicklung: Sinkt der Kurs der hinterlegten Wertpapiere, kann die Bank den Beleihungswert anpassen oder Nachschusspflichten auslösen.
  • Volatilität: Bei starken Schwankungen reduziert die Bank den Beleihungswert, um ihr Risiko zu begrenzen.
  • Bonitätsänderungen: Verschlechtert sich die Kreditwürdigkeit des Emittenten, wird der Beleihungswert gesenkt.

boerse.de-Schlussfolgerung

Der Beleihungswert von Wertpapieren ist ein zentrales Instrument für Banken, um das Ausfallrisiko bei kreditfinanzierten Wertpapiergeschäften zu minimieren. Er bestimmt, wie viel Kredit ein Anleger gegen hinterlegte Wertpapiere erhalten kann und berücksichtigt Abschläge, Liquidität, Volatilität und Bonität. Für Anleger ist das Verständnis des Beleihungswerts entscheidend, um Finanzierungsmöglichkeiten richtig einzuschätzen, Risiken zu steuern und Nachschusspflichten zu vermeiden. Der Beleihungswert ermöglicht eine sichere Kreditvergabe und trägt zu stabilen Finanzmärkten bei.



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