Divergenz

Was ist eine Divergenz?

Eine Divergenz bezeichnet in der technischen Analyse das Auseinanderlaufen von Kursverlauf und einem technischen Indikator. Sie signalisiert mögliche Trendumkehrungen oder Schwäche in der aktuellen Kursbewegung. Mit anderen Worten: Während der Kurs einer Aktie, eines Index oder eines Wertpapiers weiter steigt oder fällt, zeigt der Indikator ein abweichendes Verhalten – beispielsweise eine geringere Dynamik oder entgegengesetzte Richtung.

Divergenzen werden vor allem bei Indikatoren wie dem Relative Strength Index (RSI), dem Moving Average Convergence Divergence (MACD) oder dem On-Balance-Volume (OBV) beobachtet. Sie sind ein zentrales Instrument für Trader und Analysten, um potenzielle Wendepunkte im Markt frühzeitig zu erkennen.

Arten von Divergenzen

Es gibt hauptsächlich zwei Arten von Divergenzen:

  • Positive Divergenz: Der Kurs bildet neue Tiefs, der Indikator jedoch nicht. Dies deutet auf eine mögliche Trendwende nach oben hin.
  • Negative Divergenz: Der Kurs bildet neue Hochs, während der Indikator niedrigere Hochs zeigt. Dies kann auf eine bevorstehende Abwärtsbewegung hinweisen.

Zusätzlich wird zwischen versteckten Divergenzen und klassischen Divergenzen unterschieden. Versteckte Divergenzen dienen oft als Bestätigung für die Fortsetzung des aktuellen Trends, während klassische Divergenzen eher Trendumkehrungen signalisieren.

Bedeutung für Anleger und Trader

  • Früherkennung von Trendumkehrungen: Divergenzen helfen, Wendepunkte im Markt zu identifizieren, bevor sie im Kurs sichtbar werden.
  • Risikomanagement: Anleger können Stop-Loss-Orders oder Teilverkäufe planen, wenn Divergenzen eine Trendwende andeuten.
  • Strategieentwicklung: Viele Trader nutzen Divergenzen in Kombination mit Candlestick-Mustern oder Unterstützungs- und Widerstandslinien zur Entscheidungsfindung.
  • Timing von Käufen und Verkäufen: Divergenzen bieten Hinweise darauf, wann ein Einstieg oder Ausstieg sinnvoll sein könnte.

Beispiele aus der Praxis

Ein praktisches Beispiel: Die Siemens-Aktie steigt auf ein neues Hoch, während der RSI-Indikator niedrigere Hochs zeigt. Diese negative Divergenz signalisiert potenzielle Schwäche im Aufwärtstrend und kann einen kurzfristigen Kursrückgang ankündigen.

Umgekehrt: Ein Index fällt auf ein neues Tief, während der MACD-Indikator ein höheres Tief bildet. Dies wäre eine positive Divergenz und könnte eine baldige Erholung anzeigen.

Vor- und Nachteile der Divergenzanalyse

  • Vorteile: Frühzeitige Hinweise auf Trendumkehrungen, Unterstützung bei der Timing-Entscheidung, Ergänzung anderer Analysetools, Risikoerkennung.
  • Nachteile: Divergenzen sind keine Garantie für Kursbewegungen, Fehlalarme sind möglich, nur in Verbindung mit anderen Indikatoren sinnvoll, erfordern Erfahrung in der Interpretation.

boerse.de-Schlussfolgerung

Eine Divergenz ist ein wichtiges Instrument der technischen Analyse, das Abweichungen zwischen Kursverlauf und Indikatoren aufzeigt. Sie kann frühzeitig auf Schwächen oder bevorstehende Trendwechsel hinweisen, bietet damit eine wertvolle Orientierung für Anleger und Trader. Trotz ihrer Vorteile sollte sie immer in Kombination mit anderen Indikatoren und Charttechniken genutzt werden, um die Aussagekraft zu erhöhen und Fehlentscheidungen zu vermeiden. Divergenzen tragen wesentlich zur Risiko- und Entscheidungssteuerung bei und sind ein integraler Bestandteil moderner Handelsstrategien.



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