Gearing

Was ist das Gearing?

Das Gearing ist eine Kennzahl im Optionsscheingeschäft, die das Verhältnis zwischen dem Kurs des Basiswertes und dem Preis eines Optionsscheins unter Berücksichtigung des Optionsverhältnisses beschreibt. Es dient Anlegern dazu, den Kapitaleinsatz und die Hebelwirkung eines Optionsscheins zu beurteilen. Anders als der englische Begriff „Leverage“, der direkt angibt, um wie viel Prozent der Optionsscheinpreis steigt, wenn der Basiswert um ein Prozent steigt, zeigt das Gearing, wie viele Optionsscheine erforderlich wären, um den Preis des Basiswertes zu replizieren.

Definition und Berechnung

Das Gearing wird nach folgender Formel berechnet:

Gearing = Kurs des Basiswertes ÷ (Optionsscheinpreis * Optionsverhältnis)

Das Optionsverhältnis gibt dabei an, wie viele Optionsscheine benötigt werden, um eine Einheit des Basiswertes zu erwerben. Ein Gearing von 10 bedeutet beispielsweise, dass der Investor zehn Optionsscheine zu je aktuellem Preis erwerben müsste, um den Wert einer Aktie des Basiswertes abzudecken. Je höher das Gearing, desto geringer ist der Kapitaleinsatz im Verhältnis zum Basiswert, gleichzeitig steigt jedoch das Risiko und die Schwankungsanfälligkeit des Investments.

Beispiel aus der Praxis

Ein praktisches Beispiel ist ein Optionsschein auf die Siemens-Aktie. Angenommen, der Kurs der Aktie liegt bei 120€, der Optionsscheinpreis bei 6€ und das Optionsverhältnis beträgt 1:1. Das Gearing berechnet sich zu 120 ÷ (6 * 1) = 20. Das bedeutet, dass der Kapitaleinsatz für den Optionsschein 20-mal kleiner ist als der direkte Kauf der Aktie. Anleger können also mit einem geringeren Kapitalbetrag am Kurs des Basiswertes partizipieren, tragen aber gleichzeitig ein höheres Risiko.

Steigt die Aktie um 5%, wirkt sich dies über den Hebel (Leverage) auf den Optionsschein aus und führt zu einer überproportionalen Kursbewegung. Das Gearing liefert somit eine Messzahl für den Kapitaleinsatz, während der Hebel angibt, wie stark der Optionsscheinpreis tatsächlich auf Kursänderungen des Basiswertes reagiert.

Bedeutung für Anleger

Für Anleger ist das Gearing ein zentrales Werkzeug, um den Kapitaleinsatz und die Risikostruktur eines Optionsscheins zu verstehen. Ein hohes Gearing bedeutet niedrigen Kapitaleinsatz, aber hohe Volatilität und potenziell starke Wertschwankungen. Ein niedriges Gearing reduziert das Risiko, erfordert jedoch einen höheren Kapitaleinsatz. Anleger nutzen das Gearing, um gezielt Positionen aufzubauen, ihr Portfolio zu hebeln oder Kapital effizient einzusetzen.

Das Gearing ist besonders relevant für kurzfristige Handelsstrategien, bei denen schnelle Kursbewegungen ausgenutzt werden. Es ermöglicht eine schnelle Einschätzung, wie viele Optionsscheine benötigt werden, um die gewünschte Marktpartizipation zu erreichen. Gleichzeitig zeigt es die Sensitivität des Kapitaleinsatzes gegenüber Veränderungen des Basiswertes.

Gearing vs. Hebel (Leverage)

Oft werden Gearing und Hebel verwechselt. Während das Gearing den Kapitaleinsatz relativ zum Basiswert misst, gibt der Hebel (Leverage) an, wie stark der Preis des Optionsscheins auf eine prozentuale Änderung des Basiswerts reagiert. Beide Kennzahlen sind miteinander verbunden, liefern jedoch unterschiedliche Informationen. Anleger sollten sowohl Gearing als auch Hebel betrachten, um Chancen und Risiken einer Optionsschein-Position vollständig einschätzen zu können.

boerse.de-Schlussfolgerung

Das Gearing ist eine unverzichtbare Kennzahl im Optionsscheingeschäft. Es zeigt auf, wie viele Optionsscheine für den Preis des Basiswertes benötigt werden und gibt Anlegern damit eine Orientierung für den Kapitaleinsatz. In Kombination mit dem Hebel (Leverage) ermöglicht das Gearing eine fundierte Einschätzung von Chancen und Risiken. Wer Gearing richtig einsetzt, kann Kapital effizient nutzen, das Risiko steuern und Handelsstrategien auf Basis klarer Kennzahlen entwickeln.



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