Die Gewinn-Konstanz (GK) ist eine der drei zentralen Kennzahlen der Performance-Analyse von boerse.de. Sie misst, wie häufig eine Aktie im beobachteten Zeitraum bei beliebigen Kauf- und Verkaufszeitpunkten eine positive Kursrendite erzielt hätte. Damit beschreibt sie die Stabilität und Zuverlässigkeit der historischen Wertentwicklung eines Titels und ermöglicht eine objektive Einordnung der langfristigen Gewinnwahrscheinlichkeit eines Investments.
Die Gewinn-Konstanz ist Teil der von Thomas Müller und Jochen Appeltauer im Jahr 2001/2002 entwickelten Performance-Analyse. Ziel dieser Methodik ist es, aus weltweit Tausenden Aktien diejenigen zu identifizieren, die sich langfristig durch überdurchschnittliche Kursgewinne und unterdurchschnittliche Rückschläge auszeichnen. Diese Werte werden als Champions bezeichnet und bilden das Fundament verschiedener boerse.de-Produkte wie dem boerse.de-Aktienbrief, den BCDI-Indizes oder den boerse.de-Fonds.
Die Performance-Analyse folgt einem klaren Ansatz: Anleger sollten nicht auf „Hoffnung“ setzen oder vermeintlich günstige „Fallen Angels“ kaufen, sondern konsequent auf Aktien, die ihre Stärke langfristig bewiesen haben. Das Anlegerverhalten ist häufig emotional geprägt; die Performance-Analyse schließt diese Emotionalität aus und ersetzt sie durch objektive Daten.
Die Gewinn-Konstanz ist eine Ertragskennziffer. Sie beantwortet die Frage:
„Mit welcher Wahrscheinlichkeit hätte ein Anleger bei beliebigen Einstiegs- und Ausstiegszeitpunkten in den letzten 120 Monaten einen Gewinn erzielt?“
Zur Berechnung wird die zehnyährige Kurshistorie einer Aktie verwendet, aufgeteilt in 120 Monatswerte. Dabei ergeben sich bei monatlicher Analyse 7140 mögliche Gewinn- und Verlustszenarien. Der Anteil der positiven Szenarien bestimmt die Gewinn-Konstanz.
Beispiel: Enden von 7140 Szenarien 6000 im Plus, beträgt die Gewinn-Konstanz 84%. Das bedeutet: In 84% aller historischen Zeitkombinationen hätte die Aktie eine positive Rendite erwirtschaftet.
Das folgende vereinfachte Beispiel (über 5 Monate) zeigt das Prinzip:
Die Gewinn-Konstanz beträgt somit 8/10 = 80%.
Dieses Verfahren wird in der realen Berechnung mit 120 Monaten und damit 7140 Szenarien angewandt und ergibt eine belastbare statistische Aussage über die Gewinnhäufigkeit einer Anlage.
Neben der Gewinn-Konstanz verwendet die Performance-Analyse die geoPAK10 als zweite Ertragskennzahl. Diese gibt die geometrische Durchschnittsrendite pro Jahr der letzten zehn Jahre an — bereinigt um kurzfristige Ausreißer.
Durch die Multiplikation aus geoPAK und Gewinn-Konstanz entsteht der PA-Gewinn. Diese kombinierte Kennzahl zeigt, wie attraktiv eine Aktie historisch im Verhältnis aus Rendite und Stabilität war.
Mode-Aktien etwa können eine hohe geoPAK10 vorweisen, aber eine niedrige GK, weil ihre Kursgewinne unregelmäßig auftreten. In der Performance-Analyse werden solche Titel automatisch herabgestuft — ein wichtiger Schutz vor spekulativer Überinterpretation.
Die Gewinn-Konstanz konzentriert sich ausschließlich auf Gewinnhäufigkeit und nicht auf die Höhe einzelner Ausreißer. Das macht sie robuster als die reine Renditebetrachtung. Sie bringt Anlegern folgende Vorteile:
Sowohl wissenschaftliche Untersuchungen (z. B. die Studie von Bessembinder, 1990–2020) als auch praktische Erfahrungen zeigen: Nur ein sehr kleiner Teil aller Aktien schafft langfristig echte Wertschöpfung — und viele davon weisen eine hohe Gewinn-Konstanz auf.
Die Gewinn-Konstanz hilft, „Gewinner-Aktien“ von „Verlierer-Aktien“ zu trennen. Sie zeigt deutlich, ob eine Aktie historische Stärke besitzt oder ob sie zu den häufig fallenden und nur selten stabilen Titeln gehört. Der methodische Ansatz ist klar:
Erfolgreiche Aktien zeichnen sich durch viele kleine oder mittlere Anstiege und wenige, kurze Rücksetzer aus.
Verlierer-Aktien hingegen zeigen kurze, instabile Erholungen und wiederkehrende Abwärtsschübe. Die Gewinn-Konstanz macht diese Unterschiede messbar und wirkt damit als entscheidender Indikator zur Auswahl langfristig robuster Titel.
Die Gewinn-Konstanz ist eine objektive Kennzahl, die die historische Stabilität einer Aktie präzise abbildet und damit eine wertvolle Orientierung bei der langfristigen Aktienauswahl bietet. Sie ersetzt zwar keine vollständige Analyse, doch sie macht sichtbar, wie zuverlässig ein Titel in der Vergangenheit positive Renditen ermöglichte. In Kombination mit der geoPAK10 und der Verlust-Ratio liefert sie einen datenbasierten Blick auf Ertrag und Risiko, ohne emotionale Verzerrungen. Damit stellt die Gewinn-Konstanz ein wichtiges Werkzeug dar, um robuste, langfristig erfolgreiche Aktien zu identifizieren, jedoch stets als Teil einer umfassenden Gesamtbetrachtung.