Die Giftpille – im Englischen als Poison Pill bekannt – ist eine Abwehrstrategie, die Unternehmen einsetzen, um sich vor feindlichen Übernahmen zu schützen. Ziel dieser Maßnahme ist es, eine Übernahme für den potenziellen Käufer finanziell unattraktiv, riskant oder organisatorisch kompliziert zu machen. Der Begriff „Giftpille“ stammt aus der Vorstellung, dass ein Unternehmen sich selbst eine Art „bittere Medizin“ verabreicht, damit ein feindlicher Käufer seine Absichten überdenkt. Trotz des drastischen Namens handelt es sich um ein weit verbreitetes, strategisches und rechtlich anerkanntes Mittel im Rahmen des Unternehmens- und Kapitalmarktrechts.
Die Giftpille wird typischerweise aktiviert, sobald ein Investor eine bestimmte Beteiligungsschwelle überschreitet. Diese Schwelle liegt häufig bei 10% bis 20%. Sobald sie ausgelöst wird, erhält die bestehende Aktionärsstruktur ein Recht oder einen Vorteil, der die Übernahme verteuert oder die Macht des Angreifers verwässert. Dadurch wird der Angriff nicht unmöglich, aber deutlich kostspieliger und riskanter. Diese Mechanismen sind je nach Ausgestaltung unterschiedlich, verfolgen aber alle das gleiche Ziel: den Druck auf den unerwünschten Käufer erhöhen.
Es existieren mehrere Formen der Giftpille, die je nach Unternehmensstruktur und strategischer Zielsetzung eingesetzt werden:
Richtig eingesetzt kann die Giftpille für Unternehmen und Aktionäre vorteilhaft sein:
Trotz ihrer Wirksamkeit wird die Giftpille oft kritisch betrachtet:
Nehmen wir an, ein aggressiver Käufer versucht, ein Unternehmen durch den Erwerb von 15% der Anteile zu übernehmen. Wird die Giftpille aktiviert, könnten alle bestehenden Aktionäre das Recht erhalten, neue Aktien zu einem deutlichen Abschlag zu erwerben. Dadurch verdoppelt sich möglicherweise die Zahl der ausstehenden Aktien. Der Angreifer müsste nun erheblich mehr Kapital investieren, um die Kontrolle zu gewinnen. Dieser erhöhte Kostenblock wirkt abschreckend und zwingt den Käufer häufig, sein Vorhaben neu zu bewerten oder zu verwerfen.
Die Giftpille ist ein mächtiges Instrument zur Abwehr feindlicher Übernahmen. Sie erhöht die Kosten, verschlechtert die Erfolgsaussichten potenzieller Angreifer und verschafft Unternehmen Zeit, bessere Alternativen zu prüfen. Gleichzeitig muss sie verantwortungsvoll eingesetzt werden, da sie sowohl Chancen als auch Risiken für Aktionäre birgt. Richtig angewendet stärkt sie die strategische Position des Unternehmens und schützt dessen langfristige Interessen.