Impermanent Loss bezeichnet den Wertunterschied, der entstehen kann, wenn Anleger Kryptowährungen in einem Liquidity Pool eines dezentralen Finanzprotokolls (DeFi) bereitstellen, anstatt diese außerhalb des Pools zu halten. Das Phänomen tritt bei automatisierten Market Makern (AMM) auf, die Preise anhand mathematischer Formeln und nicht über ein klassisches Orderbuch bestimmen.
Liquidity Pools bestehen in der Regel aus zwei Kryptowährungen, die in einem festen Verhältnis hinterlegt werden, z.B. 50:50. Häufige Kombinationen sind ETH/USDT, ETH/DAI oder auch BTC-basierte Paare. Die Preise der Token innerhalb des Pools passen sich automatisch an Marktbewegungen an, indem der AMM die Mengen der einzelnen Assets verändert.
Ändert sich der Preis einer der beiden Kryptowährungen im Vergleich zur anderen, verschiebt der AMM das Mengenverhältnis im Pool. Dadurch kann der Gesamtwert der hinterlegten Assets geringer ausfallen als beim einfachen Halten der gleichen Kryptowährungen außerhalb des Pools. Dieser Unterschied wird als Impermanent Loss bezeichnet.
Ein Anleger stellt 1ETH (Preis 2000€) und 2000USDT in einem Liquidity Pool bereit. Der Gesamtwert der Einlage beträgt 4000€. Steigt der Preis von ETH auf 3000€, passt der AMM die Token-Mengen im Pool an, um das ursprüngliche Verhältnis beizubehalten. Nach dieser Anpassung kann der Gesamtwert der Pool-Position beispielsweise bei 3900€ liegen, während das direkte Halten von 1ETH und 2000USDT einen Wert von 5000€ hätte. Die Differenz von 1100€ stellt den Impermanent Loss dar.
Impermanent Loss kann auch bei Pools auftreten, die Bitcoin oder Bitcoin-gebundene Token enthalten. Obwohl Bitcoin häufig als langfristiger Wertspeicher genutzt wird, können auch hier Preisänderungen gegenüber Stablecoins oder anderen Kryptowährungen zu Anpassungen im Pool und damit zu Impermanent Loss führen.
Der Begriff „impermanent“ beschreibt, dass dieser Wertunterschied nicht dauerhaft ist. Kehren die Preise der beiden Assets wieder in das ursprüngliche Verhältnis zurück, verschwindet auch der Impermanent Loss. Erst wenn die Liquidität zu einem Zeitpunkt entnommen wird, an dem das Preisverhältnis stark verändert ist, wird der Verlust realisiert.
Liquidity Provider erhalten für das Bereitstellen ihrer Assets Handelsgebühren aus dem Pool. Diese Gebühren können den Impermanent Loss teilweise oder vollständig ausgleichen. In vielen Fällen hängt die tatsächliche Rentabilität daher von der Handelsaktivität im Pool und der Haltedauer der Liquidität ab.
Impermanent Loss ist ein zentrales Konzept im DeFi-Bereich und betrifft alle Anleger, die Liquidität in AMM-basierte Pools einzahlen. Sowohl Ethereum- als auch Bitcoin-basierte Pools können davon betroffen sein. Wer das Prinzip versteht und Gebühren sowie Marktbewegungen berücksichtigt, kann Impermanent Loss besser einschätzen und gezielt in seine Anlagestrategie einbeziehen.