Der Margherita-Index ist ein informeller Wirtschaftsindikator, der mithilfe des Preises einer Standard-Margerita-Pizza in verschiedenen Ländern oder Regionen Rückschlüsse auf die jeweilige Kaufkraft und die Preisniveaus zulässt. Die Bezeichnung lehnt sich an die bekannte italienische Pizza mit Tomatensauce, Mozzarella und Basilikum an, die als international vergleichbares Basisprodukt dient.
Ähnlich wie der bekanntere Big-Mac-Index des Magazins „The Economist“ verfolgt der Margherita-Index das Ziel, ökonomische Unterschiede auf einfache Weise darzustellen – insbesondere in Bezug auf Lebenshaltungskosten, Preisparitäten und Währungsrelationen. Dabei gilt: Je günstiger eine Standard-Margerita-Pizza in einer Volkswirtschaft ist, desto höher ist tendenziell die Kaufkraft des Geldes innerhalb dieser Region (unter der Annahme vergleichbarer Produktionsbedingungen).
Der Margherita-Index ist kein offizieller volkswirtschaftlicher Indikator, findet jedoch als alltagsnahes Instrument insbesondere in Medienberichten, Wirtschaftskolumnen und populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen Anwendung.
Die Berechnung des Margherita-Index erfolgt in der Regel durch die Erhebung lokaler Preise für eine Standard-Margerita-Pizza in mehreren Städten oder Ländern. Dabei wird ein möglichst identisches Produkt verglichen, das ähnliche Zutaten und Portionsgrößen umfasst. Wichtig ist, dass es sich um typische Durchschnittspreise handelt – meist in Restaurants mittlerer Preisklasse – um Ausreißer zu vermeiden.
Die Preisangaben werden sodann in eine einheitliche Währung – zumeist US-Dollar oder Euro – umgerechnet. Anschließend kann überprüft werden, wie hoch das relative Preisniveau einer Stadt oder eines Landes im Vergleich zu anderen ist. So kann z.B. eine Pizza in Zürich 18 Euro kosten, während sie in Neapel für nur 6 Euro erhältlich ist. Dies deutet auf ein deutlich höheres Preisniveau in der Schweiz hin – oder umgekehrt auf eine tendenziell höhere Kaufkraft der Währung in Italien.
Der Margherita-Index wurde bislang vor allem in Medien zur Veranschaulichung von Preisunterschieden herangezogen. So ergaben Analysen internationaler Reiseportale, dass etwa in Oslo, Genf oder Tokio eine Standard-Margerita zu den teuersten weltweit gehört, während Städte wie Mumbai, Istanbul oder Buenos Aires deutlich günstigere Preise aufweisen.
Darüber hinaus eignet sich der Index für Vergleiche innerhalb von Ländern. In Deutschland zum Beispiel kann eine Margerita-Pizza in München oder Hamburg bis zu 50 Prozent teurer sein als in kleineren Städten oder im ländlichen Raum. Solche regionalen Unterschiede lassen sich über den Index anschaulich darstellen – auch mit Blick auf Mietspiegel, Einkommensniveaus und touristische Zielgebiete.
In der Wirtschaftspresse taucht der Margherita-Index auch gelegentlich im Zusammenhang mit börsennotierten Unternehmen auf. So kann er – wenn auch nur anschaulich – einen Eindruck davon vermitteln, wie sich Inflation oder Preisstrategien auf Unternehmen der Gastronomiebranche oder der Nahrungsmittelindustrie auswirken. Beispiele hierfür sind Aktien wie die von Domino's Pizza, Yum! Brands oder McDonald’s.
Trotz seiner anschaulichen Darstellungsmöglichkeiten ist der Margherita-Index mit methodischen Einschränkungen behaftet. So basiert er auf einer relativ kleinen Datenbasis, und die Preisbildung kann durch viele nicht-ökonomische Faktoren verzerrt sein – etwa durch Unterschiede bei Restaurantqualität, regionalen Vorlieben oder steuerlichen Rahmenbedingungen.
Zudem lassen sich aus einem einzelnen Produktpreis nur begrenzt Rückschlüsse auf die gesamte Kaufkraft oder das Preisniveau einer Volkswirtschaft ziehen. Dennoch ist der Margherita-Index ein populäres Mittel, um wirtschaftliche Unterschiede einfach und greifbar darzustellen – insbesondere für ein breites Publikum ohne volkswirtschaftliche Vorkenntnisse.
Der Margherita-Index ist kein wissenschaftlich standardisierter Wirtschaftsindikator, aber ein leicht verständliches Werkzeug zur Veranschaulichung von Preis- und Kaufkraftunterschieden weltweit. Durch seinen Alltagsbezug und die universelle Verfügbarkeit des untersuchten Produkts lässt sich der Index gut zur Illustration ökonomischer Unterschiede heranziehen – etwa im Rahmen von internationalen Vergleichen, Medienbeiträgen oder Studien zur Lebenshaltung.
Auch wenn seine Aussagekraft begrenzt ist, bietet der Margherita-Index einen anschaulichen Zugang zu wirtschaftlichen Fragestellungen und kann damit zur allgemeinen Finanzbildung beitragen.