Die Präsenzbörse – häufig auch Parketthandel genannt – beschreibt eine traditionelle Form des Wertpapierhandels, bei der Händler physisch im Börsensaal anwesend sind und dort Kauf- und Verkaufsaufträge direkt miteinander oder über amtliche Makler abwickeln. Auch wenn der globale Börsenhandel heute weitgehend elektronisch erfolgt, spielt die Präsenzbörse weiterhin eine Rolle, insbesondere bei der Kursfeststellung weniger liquider Werte oder als Ergänzung zu elektronischen Handelssystemen.
An einer Präsenzbörse treffen sich zugelassene Händler, Makler und Vertreter von Banken im Börsensaal. Die Orderabwicklung erfolgt dort in einer Kombination aus mündlicher Kommunikation und technischer Erfassung. Ein Skontroführer oder amtlicher Kursmakler sammelt eingehende Kauf- und Verkaufsaufträge, führt ein Orderbuch und ermittelt nach festgelegten Regeln einen marktkonformen Kurs.
Im Gegensatz zum vollelektronischen Handel gibt es hier eine unmittelbare menschliche Komponente: Händler reagieren direkt auf Marktbewegungen, können im Austausch mit anderen Teilnehmern Stimmungen besser einschätzen und durch aktive Vermittlung zu einer stabilen Preisbildung beitragen. Diese Form der Kursermittlung ist besonders relevant, wenn es um Wertpapiere mit geringem Handelsvolumen geht oder wenn außergewöhnliche Marktsituationen auftreten.
Typische Merkmale der Präsenzbörse sind die eingeschränkten Handelszeiten, die persönliche Interaktion und die zentrale Rolle der Makler. Während der elektronische Handel 24/7 verfügbar sein kann, ist die Präsenzbörse an feste Handelsfenster gebunden. Dafür bietet sie Transparenz und Nachvollziehbarkeit, da die Kursbildung offen im Saal stattfindet.
Ein Beispiel für Werte, bei denen der Parketthandel eine Rolle spielt, sind bestimmte Nebenwerte oder Anleihen, die auf elektronischen Plattformen nicht in ausreichendem Umfang gehandelt werden. Auch internationale Großunternehmen wie die Apple-Aktie können – vor allem an der NYSE – teilweise noch im Saalhandel beobachtet werden, auch wenn das tatsächliche Handelsvolumen fast vollständig elektronisch erfasst wird.
Zu den wesentlichen Vorteilen der Präsenzbörse gehört die direkte Kommunikation zwischen Marktteilnehmern. Händler können Orders flexibel platzieren, auf Rückfragen reagieren und situative Marktstimmungen schnell einschätzen. Insbesondere in Stressphasen – etwa bei starken Kurseinbrüchen oder außergewöhnlichen Ereignissen – hilft diese Form des Handels, überproportionale Ausschläge auszugleichen.
Weitere Vorteile sind:
Mit dem technologischen Fortschritt haben elektronische Handelssysteme die Präsenzbörsen zunehmend verdrängt. Sie ermöglichen höhere Geschwindigkeit, niedrigere Kosten und größere Liquidität. Die meisten Börsenplätze – darunter auch die Wiener Börse oder die Deutsche Börse mit Xetra – wickeln heute den Großteil des Handels digital ab.
Die größten Nachteile des Parketthandels sind:
Auch wenn der Parketthandel stark zurückgegangen ist, existieren weiterhin bedeutende Börsensääle:
Auch wenn der elektronische Handel dominiert, erfüllt die Präsenzbörse nach wie vor wichtige Aufgaben. Sie dient als Ort der medienwirksamen Marktbeobachtung, ist für spezielle Marktsegmente relevant und kann durch die menschliche Komponente eine stabilisierende Wirkung entfalten. Insbesondere in außergewöhnlichen Marktphasen beweist sich der Parketthandel als wertvolle Ergänzung zu rein algorithmischen Systemen.
Die Präsenzbörse ist ein traditionsreicher, aber weiterhin bedeutender Bestandteil der internationalen Finanzmärkte. Während der Großteil des Handels heute elektronisch stattfindet, bleibt der Parketthandel vor allem für Nebenwerte, besondere Marktsegmente und Situationen mit hoher Unsicherheit ein unverzichtbares Element. Die Mischung aus menschlicher Erfahrung, Transparenz und direkter Interaktion macht die Präsenzbörse zu einem wichtigen Baustein im modernen Handelssystem.