Ein Short-ETF ist ein börsengehandelter Fonds (Exchange Traded Fund), der darauf abzielt, die inverse Wertentwicklung eines bestimmten Index oder Basiswerts abzubilden. Das bedeutet: Steigt der zugrunde liegende Index, fällt der Short-ETF – und umgekehrt. Anleger nutzen Short-ETFs vor allem, um von fallenden Kursen zu profitieren oder bestehende Positionen gegen Kursverluste abzusichern. Im Gegensatz zu herkömmlichen ETFs, die eine positive Marktentwicklung nachbilden, setzen Short-ETFs auf fallende Märkte und spiegeln diese Bewegung meist täglich invers wider.
Ein Short-ETF erzielt seine inverse Wertentwicklung nicht durch den direkten Besitz von Aktien oder Anleihen, sondern über den Einsatz von Derivaten wie Swaps oder Futures. Diese Finanzinstrumente ermöglichen es, die entgegengesetzte Kursbewegung eines Indexes nachzubilden.
Beispielsweise strebt ein Short-DAX-ETF an, die tägliche Entwicklung des DAX mit umgekehrtem Vorzeichen zu replizieren. Wenn der DAX also um 1% fällt, steigt der Short-DAX-ETF um etwa 1%. Steigt der DAX hingegen um 1%, verliert der ETF etwa 1% an Wert. Wichtig ist, dass sich diese inverse Abbildung in der Regel auf die tägliche Performance bezieht. Über längere Zeiträume kann die Rendite aufgrund des sogenannten Zinseszinseffekts oder täglicher Neugewichtungen von der erwarteten inverse Entwicklung abweichen.
Nehmen wir an, ein Anleger rechnet mit einem kurzfristigen Rückgang des deutschen Leitindex DAX. Anstatt einzelne Aktien leerzuverkaufen oder aufwendige Derivatgeschäfte zu tätigen, kann er einfach einen Short-DAX-ETF kaufen. Fällt der DAX um 3%, steigt der Short-DAX-ETF im Idealfall um etwa 3%. Sollte sich der Markt allerdings positiv entwickeln, erleidet der Anleger in gleichem Maße Verluste.
In ähnlicher Weise können Anleger auch auf andere Indizes wie den S&P 500 oder den Euro Stoxx 50 mit Short-ETFs setzen. Besonders bei hoher Marktvolatilität oder in Krisenzeiten, etwa während der Corona-Pandemie 2020, werden Short-ETFs häufig genutzt, um Portfolios kurzfristig abzusichern. Ein konservativer Investor, der beispielsweise Aktien wie die Allianz-Aktie hält, kann über Short-ETFs vorübergehend sein Marktrisiko reduzieren, ohne seine langfristigen Investments zu verkaufen.
Es gibt verschiedene Typen von Short-ETFs, die sich vor allem durch ihren Hebel unterscheiden:
Hebel-Short-ETFs können sowohl große Chancen als auch erhebliche Risiken mit sich bringen. Aufgrund der täglichen Neugewichtung kann sich die Langzeitperformance stark von der erwarteten inverse Entwicklung unterscheiden. Daher eignen sich diese Produkte vor allem für erfahrene Anleger mit aktivem Risikomanagement.
Vorteile:
Nachteile:
Während klassische Absicherungsstrategien oft den Einsatz von Optionen, Futures oder Leerverkäufen erfordern, bieten Short-ETFs eine unkomplizierte Alternative. Anleger benötigen kein separates Derivatekonto, sondern können über ihr normales Wertpapierdepot investieren.
Allerdings ist es wichtig, Short-ETFs nicht mit echten Leerverkäufen zu verwechseln. Beim Leerverkauf wird ein Wertpapier tatsächlich geliehen und verkauft, während der Short-ETF lediglich synthetisch über Derivate die Gegenbewegung eines Index abbildet. Damit sind Short-ETFs vor allem ein Werkzeug zur taktischen Portfolioanpassung – nicht zur langfristigen Anlage.
Short-ETFs ermöglichen es Anlegern, von fallenden Märkten zu profitieren oder bestehende Positionen effektiv abzusichern. Sie sind ein flexibles Instrument für taktische Marktstrategien, erfordern jedoch ein gutes Verständnis der täglichen Rückrechnung und der Risiken, die mit Hebelprodukten verbunden sind. Langfristig eignen sich Short-ETFs weniger für passives Investieren, sondern vielmehr als Ergänzung im Rahmen eines aktiven Risikomanagements. Wer die Funktionsweise versteht, kann mit Short-ETFs flexibel auf Marktbewegungen reagieren und sein Portfolio strategisch ausbalancieren.