Short Position

Was ist eine Short Position?

Der Begriff Short Position bezeichnet im Börsen- und Finanzwesen eine Verkaufsposition, bei der ein Anleger auf fallende Kurse eines Wertpapiers, Index oder anderen Finanzinstruments spekuliert. Im Gegensatz zu einer Long Position, bei der der Investor von steigenden Kursen profitiert, zielt die Short Position darauf ab, durch Kursverluste Gewinne zu erzielen. Dabei verkauft der Anleger ein Wertpapier, das er zum Zeitpunkt des Verkaufs nicht besitzt, in der Erwartung, es später zu einem niedrigeren Preis zurückkaufen zu können. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Rückkaufpreis stellt den Gewinn oder Verlust der Position dar.

Funktionsweise einer Short Position

In der Praxis funktioniert das Eingehen einer Short Position meist über ein sogenanntes Leerverkaufsgeschäft. Der Anleger leiht sich dabei Wertpapiere – beispielsweise Aktien – von einem Broker oder institutionellen Investor und verkauft diese sofort am Markt. Ziel ist es, die Wertpapiere später günstiger zurückzukaufen, um sie dem Verleiher zurückzugeben. Die Differenz zwischen dem Verkaufserlös und dem Rückkaufpreis abzüglich eventueller Leihgebühren ergibt den Gewinn. Steigt der Kurs der geliehenen Aktien hingegen, muss der Short-Seller die Papiere zu einem höheren Preis zurückkaufen, was zu einem Verlust führt.

Beispiel: Ein Investor verkauft 100 Aktien von BASF, die er sich zuvor geliehen hat, zum Kurs von 50 Euro pro Aktie. Sinkt der Kurs anschließend auf 40 Euro, kann er die Aktien zurückkaufen und erzielt einen Gewinn von 10 Euro pro Aktie (abzüglich Kosten). Steigt der Kurs dagegen auf 60 Euro, muss er 10 Euro pro Aktie mehr zahlen – sein Verlust beträgt somit 1.000 Euro.

Arten von Short Positionen

Short Positionen können in verschiedenen Formen auftreten, abhängig vom eingesetzten Finanzinstrument:

  • Direkter Leerverkauf: Hier leiht sich der Anleger tatsächliche Aktien oder Anleihen und verkauft sie am Markt. Dies ist die klassische Form des Short Sellings.
  • Derivativer Short: Über Derivate wie Futures, Optionen oder CFDs kann eine Short Position aufgebaut werden, ohne die zugrunde liegenden Wertpapiere zu besitzen. Diese Instrumente ermöglichen es, auf fallende Kurse zu spekulieren, oft mit einem Hebeleffekt.
  • Short ETFs: Spezielle börsengehandelte Fonds (ETFs) bilden die inverse Entwicklung eines Index ab. Steigt der Index, fällt der Short ETF und umgekehrt. Damit können Anleger indirekt eine Short Position auf einen Markt oder Index eingehen.

Chancen und Risiken einer Short Position

Der Hauptvorteil einer Short Position liegt in der Möglichkeit, auch in fallenden Märkten Gewinne zu erzielen. Während klassische Anleger in Abwärtsphasen meist Verluste hinnehmen, können Short-Seller gezielt von Kursrückgängen profitieren. Zudem kann Short Selling zur Portfolioabsicherung genutzt werden, etwa um Risiken in bestehenden Long Positionen zu reduzieren.

Die Risiken sind jedoch beträchtlich. Während der maximale Gewinn bei einem Kursrückgang auf null begrenzt ist, sind die potenziellen Verluste theoretisch unbegrenzt, da ein Kurs nach oben kein Limit kennt. Steigt der Kurs des leerverkauften Wertpapiers stark an, muss der Short-Seller das Papier zu einem weitaus höheren Preis zurückkaufen. Hinzu kommen mögliche Margin-Anforderungen, Leihgebühren und Zinskosten, die den Ertrag weiter schmälern.

Short Positionen in der Praxis

Short Positionen werden häufig von professionellen Investoren wie Hedgefonds genutzt, die sowohl Long- als auch Short-Strategien kombinieren, um von relativen Kursunterschieden zu profitieren (sogenannte Long-Short-Strategien). Auch in Marktphasen mit Überbewertungen oder spekulativen Blasen kommen Short Positionen verstärkt zum Einsatz, da sie helfen können, Fehlbewertungen zu korrigieren.

Privatanleger können Short Positionen beispielsweise über Derivate oder Short ETFs eingehen. Der direkte Leerverkauf von Aktien ist für Privatanleger meist mit hohen Hürden verbunden, da Broker entsprechende Sicherheiten verlangen und regulatorische Beschränkungen bestehen. So dürfen in vielen Ländern – insbesondere in Krisenzeiten – keine ungedeckten Leerverkäufe durchgeführt werden.

Beispiele für bekannte Short Positionen

Ein prominentes Beispiel für erfolgreiche Short Positionen ist der sogenannte „Big Short“ während der Finanzkrise 2008. Investoren wie Michael Burry setzten frühzeitig auf fallende Preise von hypothekenbesicherten Wertpapieren und erzielten enorme Gewinne, als der Markt zusammenbrach. Auch im Fall von Unternehmen mit stark spekulativem Kursanstieg, wie bei GameStop im Jahr 2021, spielten Short Positionen eine zentrale Rolle – hier führte ein Short Squeeze zu massiven Verlusten bei Hedgefonds, die auf fallende Kurse gesetzt hatten.

Regulatorische Aspekte

Die Finanzaufsichtsbehörden überwachen Short Positionen genau, um Marktverzerrungen und Manipulationen zu verhindern. In der EU müssen größere Netto-Leerverkaufspositionen bei Aktien ab einem Schwellenwert von 0,2 % des ausgegebenen Kapitals gemeldet werden. Ab 0,5 % werden sie öffentlich bekanntgegeben. Diese Transparenz soll sicherstellen, dass Marktteilnehmer über potenziell riskante Positionierungen informiert sind.

boerse.de-Schlussfolgerung

Eine Short Position ist ein wichtiges Instrument im modernen Finanzmarkt, das sowohl zur Spekulation auf fallende Kurse als auch zur Absicherung bestehender Investments eingesetzt wird. Sie bietet Chancen in Marktphasen, in denen herkömmliche Anlagestrategien Verluste erleiden könnten, ist jedoch mit erheblichen Risiken verbunden. Wer Short Positionen eingeht, sollte sich der potenziell unbegrenzten Verlustmöglichkeiten bewusst sein und stets über ein konsequentes Risikomanagement verfügen. Für erfahrene Investoren kann Short Selling ein wertvolles Werkzeug zur Diversifikation und strategischen Positionierung sein – für unerfahrene Anleger hingegen bleibt es eine anspruchsvolle und riskante Disziplin.



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