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Die Tulpen-Hausse (1630-37)

Die Geschichte der Börse beschränkt sich nicht nur auf das 19. und 20. Jahrhundert. Bereits von Griechen und Römern sind riskante Finanzgeschäfte und -krisen übermittelt. Die ersten börsenähnliche Veranstaltungen gab es im 12. Jahrhundert in Italien. So versammelten sich z.B. im Jahre 1111 Wechsler, Kaufleute und Makler zum gemeinsamen Handel auf der Piazza San Martino in Lucca (Italien). Im 14. Jahrhundert berichtet die Geschichte bereits von einem ausgeprägtem Börsenwesen in Pisa, Venedig, Florenz oder Genua. Im Jahr 1409 entstand der erste nordeuropäische Handelsplatz in Brügge. Auf diesen Handelsplatz soll auch der Name "Börse" zurückgehen, da sich der Ort des Zusammentreffens der Händler nach der Überlieferung in der Nähe des Hauses der Patrizierfamilie "van der Beurse" befand. Noch im 15. Jahrhundert folgten Börsen in London (um 1450), Antwerpen (1460), Lyon (1462) oder Toulouse (1469). Um das Jahr 1500 enstanden dann in Augsburg und Nürnberg die ersten deutschen Börsen. Weitere in Köln, Hamburg und Frankfurt folgten einige Jahrzehnte später.

Die ersten Aktiengesellschaften
Auch die Aktiengesellschaft ist keine Erfindung des 19. Jahrhunderts. Bereits im Jahr 1407 wurde die genuesische Staatsbank Casa di San Giorgo als Aktiengesellschaft erwähnt. Noch älter sind Staatsgläubigervereine, die dem Staat gegen bestimmte Privilegien Darlehen gaben. Diese Gesellschaften wurden bereits 1234 erstmalig erwähnt. Aus dem gleichen Jahrhundert stammen Berichte über ein Silberbergwerk in Siena (Italien) sowie der Mühlen in Toulouse (Frankreich) mit ähnlicher Gesellschaftsform. Insbesondere von den Unternehmen, die aufgrund des hohen Investitionsbedarfs nur schwer durch wenige Betreiber finanziert werden konnten - wie Banken, Bergwerke, Reedereien oder Mühlen - wurden in den folgenden Jahrhunderten vermehrt Anteilsscheine herausgegeben. Zwar unterlag die Abtretung der Anteile in dieser Zeit noch strengen Vorschriften, dennoch können diese Unternehmen als die Vorgänger der heutigen AG angesehen werden.

Die erste Spekulationsblase
So alt wie die Geschichte der Börse ist auch die Geschichte der Spekulationen und Finanzkrisen. Zu den ältesten Spekulationsblasen der Geschichte gehört die holländische Tulpenzwiebel-Hausse der Jahre 1634 bis 1637. So seltsam es heute klingen mag, um diese Frühlingsblume rankt sich eine der bekanntesten Finanzkrisen der Geschichte:

Die Tulpe stammte ursprünglich aus der Türkei und wurde angeblich von Carlos Clusius, dem Präfekt des botanischen Gartens "Hortus Botanicus" in Leiden, im Jahr 1593 in die Niederlande gebracht. Im Frühjahr 1594 blühte im besagten botanischen Garten die erste Tulpe und markierte damit den Beginn der Tulpenhausse in den Niederlanden. Doch zunächst wurde die Blume aus der Gattung der Liliengewächse trotz ihrer exotischen Herkunft als eher langweiliger Schmuck für den Garten angesehen. Erst, als holländische Züchter Anfang des 17. Jahrhunderts begannen, die verschiedenen Arten von Tulpen zu kreuzen und so aus einfarbig roten, weißen oder gelben Blumen bunte Feuerwerke zauberten, wurde die Tulpe zum Kultobjekt. Schon bald genossen die Züchter ein hohes Ansehen und es entstand ein regelrechter Wettbewerb um besonders schöne und ausgefallene Züchtungen.

Da es nie sehr große Mengen einer bestimmten Zwiebelart gab, schossen die Preise in die Höhe. Kostete eine Zwiebel am Anfang der Hausse noch einen Gulden, so musste wenig später bereits 1.000 Gulden und mehr gezahlt werden. Jeder in Holland wollte sich seinen Teil an der Tulpenhausse sichern. Schon bald gab es ein Tulpen-Gesetz zum Schutz der Händler (allein die Beschädigung von Tulpenzwiebeln wurde mit Gefängnis bestraft), Tulpen-Notare, Tulpenzwiebel-Versteigerungen, usw. An den holländischen Börsen wurden Zwiebeln seltener Züchtungen schon bald parallel zu Aktien gehandelt. Die Spekulanten suchten sich dabei in teilweise handgemalten Katalogen die gewünschte Tulpensorte aus und erwarben Kontrakte, die zum Kauf einer gewissen Menge Zwiebeln zu einem bestimmten Preis nach Ablauf von drei, sechs oder neun Monaten berechtigten. Mit diesen Optionsgeschäften konnte der Kapitaleinsatz innerhalb weniger Wochen verzehnt- oder auch verfünfzigfacht werden.



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